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„Absolutes Chaos“: Erste Tankstellen stehen ohne Sprit da

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Der Benzinpreis ist auf Rekordhöhen. Und an den ersten Tankstellen geht das Benzin aus.

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imago/Frank Sorge

Halle (Saale) -

Die Lage an den Tankstellen ist angespannt: Der Spritpreis bewegt sich auf anhaltend hohem Niveau und wird nach Ansicht der Mineralölindustrie auch in den nächsten Monaten nicht spürbar sinken.

Der Grund: Die Kraftstofferzeuger haben nach dem Hitzesommer mit logistischen Schwierigkeiten zu kämpfen. Durch niedrige Wasserstände fällt mit dem Rhein der wichtigste Transportweg weitgehend aus.

Verschärft wird die Situation noch durch Querelen auf dem internationalen Markt. Die Opec, in der viele  ölexportierende  Länder organisiert sind, kündigte eine Kürzung ihrer Fördermenge an. Auch die Entscheidung wird den Preis hoch halten.

„Seit Ende Oktober herrscht ein absolutes Chaos, das die Mineralölkonzerne nur langsam in den Griff bekommen“, sagt Herbert Rabl vom Tankstellen-Interessenverband, der vor allem kleiner Zapfsäulenbetreiber vertritt. 

Viel zu spät sei auf das Niedrigwasser reagiert worden. „Dabei werden in Deutschland 40 Prozent des Treibstofftransportes über das Flüsse abgewickelt“, erklärte Rabl. Hinzu kommt, dass es im September eine Explosion in einer Raffinerie bei Ingolstadt (Bayern) gab. Die Anlage ist seitdem lahmgelegt, was zu Engpässen in Süddeutschland führt.

Erste Tankstellen in Sachsen-Anhalt haben kein Benzin mehr

Doch auch in Sachsen-Anhalt sind die Folgen schob vereinzelt spürbar. „Wir bekommen seit eineinhalb Wochen auch aus dem mitteldeutschen Raum verstärkt die Rückmeldung von Pächtern, dass ihnen der Treibstoff ausgegangen ist“, sagte Rabl.

Nach MZ-Informationen gab es am Samstag gleich an zwei Tankstellen in Bernburg (Salzlandkreis) keinen Sprit mehr. Auch in Bitterfeld und Köthen (beide Anhalt Bitterfeld) sowie in Merseburg (Saalekreis) ging einigen Stationen schon das Benzin aus.

ADAC fordert unlängst „massive Preissenkungen“ bei Spritpreisen

Die Mineralölwirtschaft erwartet trotz steigender Pegel am Rhein keine schnelle Entspannung.  „Wir müssen damit rechnen, dass sich die Engpasssituation bis ins kommende  Frühjahr zieht“, sagte ein Sprecher des Mineralölwirtschaftsverbandes (MVV) dem Portal  Spiegel Online. „Wir  sind weit entfernt von einer Normalisierung. Die Schiffe können noch immer nicht voll beladen werden, die Transportkosten sind höher als normal.“

Das Problem für die Branche: Sie musste kurzfristig größere Transportkapazitäten auf Schiene und Straße verlagern. Zur Einordnung: Um ein Binnenschiff zu ersetzen braucht man 70 Tanklastwagen oder zwei Kesselzüge. Diese alternativen Transportmittel sind aber nur begrenzt verfügbar und zudem  teuer. 

„Die Mehrkosten wurden unmittelbar an die Tankstellen und damit die Kunden weitergegeben“, erklärt Rabl. Entsprechend kletterten die Spritpreise Mitte November auf ein Sechs-Jahres-Hoch. Diesen Anstieg und das seitdem hohe Niveau kritisierte etwa der ADAC und forderte unlängst „massive Preissenkungen“. Potenzial dafür sei vorhanden..

Benzin wird auf Straße transportiert - Lieferverzögerungen möglich

Die Verlagerung auf die Straße spürt auch in der Total-Raffinerie in Leuna (Saalekreis). Dort müssen derzeit deutlich mehr Lkw befüllt werden. „Dadurch kann es gegebenenfalls zu erhöhten Wartezeiten kommen, die auch zu vorübergehenden Lieferverzögerungen an den Tankstellen in der Region führen können“, sagte Anika Schön, Sprecherin von Total Deutschland.

Weil Leuna nicht von den Wasserständen der Flüsse abhängig sei, könne die Raffinerie aber einen nicht unerheblichen Beitrag dazu leisten, die Versorgung im Westen und Süden der Republik zu stabilisieren, erklärte die Sprecherin. (mz)