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Kai Eisele: Was der Torwart unternimmt, um sogar noch besser zu werden

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Kai Eisele entwickelt sich zu einem der besten HFC-Spieler.

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imago images / VIADATA

Halle (Saale) -

Tapfer hatten sie sich aus dem kuscheligen Bett gequält. Gegen vier Uhr am Sonnabend früh war der Bus mit dem Team des Halleschen FC erst zurück in der Saalestadt gewesen. Doch ausschlafen nach dem so wertvollen wie kräftesaugenden 2:0-Sieg am Vorabend beim SV Meppen war nicht.

Um kurz nach neun hatte Trainer Torsten Ziegner sein Drittliga-Team ans Stadion bestellt - zur individuellen Regeneration, wie es im Fußball-Jargon so heißt. Jeder konnte also treiben, wozu er Lust hatte, um seine Muskeln zu lockern. Die meisten blieben in den Katakomben. Bei Schneeregen nahe dem Gefrierpunkt kein Wunder.

Torwart-Trainer Unger: Wussten um Eiseles Können

Kai Eisele beschäftigte sich drinnen mit ein paar Gewichten, während draußen Torwart-Trainer Marian Unger in höchsten Tönen über die 23-jährige Nummer eins des HFC sprach. „Wir wussten doch um sein Können. Deshalb haben wir ihn vor der Saison aus Rostock geholt, wo er ja nur Ersatzmann war.

Dass er sein Potenzial jetzt so abruft, ist nicht komplett verwunderlich“, sagte Unger und nannte Gründe: „Dadurch dass er jetzt jede Woche spielt und wir erfolgreich sind, ist auch sein Selbstbewusstsein enorm gewachsen. Und das brauchst du unbedingt.“

Eisele ist die letzte Instanz beim HFC

Eisele hatte in Meppen mit zwei, drei großartigen Reflexen zum wiederholten Mal ein Gegentor verhindert und die Stürmer in der etwa 30-minütigen Druckphase des SVM zur Verzweiflung getrieben. Ergo: Nicht zuletzt dank Eisele ist der HFC fünf Spieltage vor Saisonschluss noch chancenreich im Aufstiegsrennen. „Er ist ein ganz wichtiger Bestandteil unserer so starken Defensive“, schwärmte dann auch Coach Ziegner.

„Schließlich sind auch wir nicht völlig fehlerfrei, und wenn dann mal ein Ball durchkommt, ist Kai quasi die letzte Instanz, die den Einschlag verhindern kann“, betonte er und verwies auf die Defensiv-Statistik des HFC, der mit nur 29 Gegentoren die zweitbeste Defensive der Liga stellt. Was für einen Torwart aber noch wichtiger ist: Eisele hat in 16 von nun 33 Spielen kein Gegentor hinnehmen müssen.

Eisele jetzt schon Teil der HFC-Bestenliste

Bemerkenswert: In der Geschichte der dritten Liga - seit der Saison 2008/09 - waren bislang nur 14 Keeper besser in der Weiße-Weste-Statistik (laut „transfermarkt.de“). Sollte der HFC in den verbleibenden fünf Partien noch drei Mal keinen Treffer kassieren, dann würde Eisele auf den nur mit einem Keeper geteilten vierten Platz vorrücken. Nur drei Mal überhaupt hielten Drittliga-Torhüter in mehr als 20 Spielen ihren Kasten sauber.

Spitzenreiter ist Aues Martin Männel, dessen Erzgebirge-Team nach 23 Zu-Null-Spielen 2016 aufgestiegen war. Den bislang besten HFC-Keeper, Aufstiegsheld und Fan-Ikone Darko Horvat, hat Eisele längst überholt. Der Kroate hatte 2012/13 in zwölf Partien seinen Kasten sauber gehalten.

Eisele mit unglaublichen Reflexen

Eiseles stärkste Waffe sind unglaubliche Reflexe. „Die trainieren wir auch ganz speziell indem ich ihm Tennisbälle zuspiele oder -werfe, die er fangen muss. Wo er sich auch verbessert hat, ist die Strafraumbeherrschung. Da ist er zwar noch nicht ganz auf dem Niveau von Horvath, aber es wird immer besser“, sagt Marian Unger.

Der ehemalige Torwart betont: „Das ist auch das Schwierigste: Die Flanken in Liga drei sind oft scharf und präzise, und wenn dann noch so ein Brecher-Typ wie Sebastian Mai angeflogen kommt, dem es nicht ausmacht, beim Sprung einen Verteidiger unter dem Arm mitzunehmen, dann hat es ein Keeper echt schwer“, sagt Unger. Zugleich erzählt er: „Kai kennt seine Defizite. Um körperlich noch stärker zu werden, arbeitet er viel mit Gewichten.“ Und genau so, sah dann auch die Regenerations-Einheit am Sonnabend aus. (mz)