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Trainer Björn Harmsen (l.) zählte beim MBC wohl auch Publikumsliebling Sergio Kerusch (r.) an.

Trainer Björn Harmsen (l.) zählte beim MBC wohl auch Publikumsliebling Sergio Kerusch (r.) an.

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imago images/Nordphoto

Syntainics MBC

Weißenfels -

Im Moment des Erfolgs entlud sich der ganze Frust. Soeben hatte der Mitteldeutsche Basketball Club (MBC) seinen ersten Heimsieg der Saison geholt, mit 88:87 gegen den SC Rasta Vechta gewonnen. Der Abpfiff als Augenblick der Erleichterung, des Glücks. Das Bundesliga-Schlusslicht sendete vor 2100 Zuschauern ein Lebenszeichen im Abstiegskampf.

Doch dann kam die Pressekonferenz. Dann kamen Einblicke ins Innenleben einer alles andere als heilen MBC-Welt. „Ich bin natürlich sehr glücklich darüber, dass wir endlich mal wieder gewinnen konnten“, schob Cheftrainer Björn Harmsen voran.

Es folgte das große Aber: „Wir haben heute Spieler aus der Rotation gelassen, die sich für den Klub nicht den Arsch aufreißen. Jeden Tag im Training ist es eine Frechheit, was sie abliefern, wie sie sich verhalten, mit welcher Einstellung sie reingehen.“

Björn Harmsen stellt MBC-Profis öffentlich an den Pranger

Die Euphorie des ersten Heimsiegs der Spielzeit, des ersten Erfolgs seit November vergangenen Jahres, nach acht Ligapleiten in Serie verpuffte in wenigen Minuten. Denn die Worte des 37 Jahre alten Trainers waren keine Generalkritik.

Harmsen stellte einzelne Spieler, wenn auch aus der Emotion heraus, bewusst öffentlich an den Pranger – und sah sich in seinen Personalentscheidungen bestätigt: „Wenn man dann sieht, dass wenn sie nicht spielen, wir nur 87 Punkte in der Defensive bekommen, dann zeigt das, dass das die richtige Entscheidung ist.“ Die Verteidigung war bislang das große problem des Syntainics MBC. Keine Bundesliga-Mannschaft kassiert im Schnitt mehr Punkte als Weißenfels.

Wen Harmsen mit seiner Kritik meinte, war offensichtlich: Center Benedikt Turudic stand keine einzige Minute auf dem Parkett. Auch Aufbauspieler Ferdinand Zylka spielte nur etwas mehr als eine Minute. Genau wie der Mann, der nach MZ-Informationen im Zentrum der Vorwürfe steht: Spielmacher Jovan Novak.

Jovan Novak im Zentrum der Trainer-Kritik

Bislang war der 25 Jahre alte Serbe für den Syntainics MBC der Dirigent auf dem Parkett. In der vergangenen Spielzeit hatte er entscheidenden Anteil am Klassenerhalt. Und auch in dieser Saison stimmen seine persönlichen Statistiken: Mit durchschnittlich 8,9 verteilten Vorlagen führt Novak die Bundesliga in dieser Statistikkategorie an. Hinzu gesellen sich 7,7 Punkte pro Spiel.

Doch vor allem seine Defensivarbeit, seine grundsätzlich Einstellung zur Verteidigung und offensichtlich auch zum Training missfallen Coach Harmsen seit Längerem. Am späten Mittwochabend dann der Wut-Ausbruch im Presseraum der Stadthalle Weißenfels.

MBC-Manager Martin Geissler zeigte sich am Donnerstag „überrascht“ über die Worte von Harmsen. Die Inhalte und Meinung könne man möglicherweise teilen, aber „das so zu machen, halte ich für den falschen Weg. Mein Weg wäre das nicht gewesen“, sagte Geissler der MZ und kündigte ein Gespräch mit Coach Harmsen an.

MBC-Manager Martin Geissler hält Form der Kritik für unangebracht

Zwar äußerte Geissler auch Verständnis für die Situation des Trainers: „Die Form der Kritik hat sicherlich seine Frustration der letzten Wochen zum Ausdruck gebracht. Das ist aus der Emotion heraus geschehen.“ Und: „Natürlich kann das bei den entsprechenden Spielern eine positive Trotzreaktion hervorrufen.“

Aber: „Aus menschlicher Sicht kann es auch in die andere Richtung gehen. Und das bereitet mir ehrlich gesagt Bauchschmerzen“, so der Manager. Denn: „Wir brauchen jeden Spieler im Abstiegskampf, jeder muss kämpfen und arbeiten, in jedem Training, in jedem Spiel.“

Michael Gbinije verlässt den MBC schon wieder

13 Partien bleiben dem Syntainics MBC noch, um den Klassenerhalt zu sichern. Aktuell belegen die Wölfe den letzten Tabellenplatz. Durch das 88:87 gegen Vechta haben sie nun jedoch genau so viele Siege auf dem Konto wie die ärgsten Abstiegskonkurrenten aus Hamburg und Bonn: drei. Der Vechta-Erfolg lässt hoffen.

Doch bahnen sich nun Machtspielchen zwischen dem Coach und einzelnen Spielern an? Spaltet die öffentliche Kritik gar die Mannschaft? Die Gefahr ist da. Denn die Personalentscheidungen und Aussagen von Harmsen dürfen als Lektion für einige Akteure verstanden werden.

B_MBC Gbinije ist weg

Erst im Sommer war Michael Gbinije zum MBC gekommen, nun hat er Weißenfels schon wieder verlassen.

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imago images/Köhn

Am Donnerstag verkündete der MBC zwar den Abgang von Flügelspieler Michael Gbinije, der nach Litauen wechselt. Doch der US-Amerikaner stand gegen Vechta gar nicht mehr im Aufgebot, war nicht hauptsächlich mit der Kritik gemeint.

Droht dem MBC ein Problem mit Führungsspieler Sergio Kerusch?

Das waren eben Novak, Turudic und Zylka – aber auch Publikumsliebling Sergio Kerusch war wohl zumindest nicht gänzlich ausgenommen von der öffentlichen Anklage. Nur zehn Minuten stand der Flügelspieler auf dem Parkett. Erst im vergangenen Sommer hatte der US-Amerikaner seinen Vertrag beim Syntainics MBC um drei Jahre verlängert und sich damit klar zum Klub bekannt.  

Für den Syntainics MBC steht jetzt dreieinhalb Wochen keine Partie auf dem Bundesligaspielplan. Erst am 7. März geht es mit dem Heimspiel gegen Braunschweig weiter. In der kommenden Woche fährt die Mannschaft nach Slowenien ins Trainingslager. Da bleibt viel Zeit zum Reden – und die braucht der Syntainics MBC offensichtlich auch. (mz)