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Verteidigung aus Israel: Krav-Maga-Training: „Blaue Flecken gehören einfach dazu.“

Krav-Maga-Training in Sangerhausen: Julia Stöber (rechts) beim Training mit Volkmar Weber (links) und Daniel Becker

Krav-Maga-Training in Sangerhausen: Julia Stöber (rechts) beim Training mit Volkmar Weber (links) und Daniel Becker

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Ralf Kandel

Sangerhausen -

Die Aufforderung ist deutlich: „Tritt zu. Kräftiger.“ Julia Stöber, auf den ersten Blick wahrlich kein Kraftpaket, lässt sich nicht zweimal bitten. Immer wieder schnellt ihr Fuß nach vorn, trifft sie ihren Gegenüber Volkmar Weber. „Plombe“, wie alle hier den Zahnarzt nennen, versucht auszuweichen. Nicht immer gelingt ihm das. „Blaue Flecken gehören einfach dazu“, sagt Julia Stöber. Daniel Becker steht daneben, beobachtet das Ganze, gibt Anweisungen, korrigiert.

Szenen wie diese spielen sich dutzendfach ab, wenn sich Frauen und Männer wieder einmal zum Krav-Maga-Training in der Sporthalle des Christlichen Jugenddorfes (CJD) in Sangerhausen treffen. Rund 40 Mitglieder zählt die Trainingsgruppe mittlerweile, darunter sind viele Kinder und Jugendliche.

Krav-Maga-Training Sangerhausen: Realitätsnahe Selbstverteidigung

Sie kommen nicht nur aus Sangerhausen, sondern auch aus Erfurt, Bernburg oder Halle. „Wenn Training ist, sind immer so an die 20 Leute zusammen“, erzählt Becker. Der 43-jährige Sangerhäuser ist im wahrsten Sinn des Wortes Chef im Ring. Er leitet die Einheiten, ist Chef-Organisator und Übungsleiter in Personalunion.

Seit 15 Jahren ist er mit vielen Arten der Selbstverteidigung vertraut, hat sich jetzt spezialisiert und eine Extra-Prüfung abgelegt. „Krav-Maga ist eine Art der Selbstverteidigung, die aus Israel stammt und dort vorrangig bei Militär- und Spezialeinheiten angewendet wird. Die Verteidigungstechniken sind Situationen angepasst, die in der Realität tagtäglich passieren können“, so der Einzelhandelskaufmann.

Krav-Maga: Betonung liegt auf Selbstverteidigung

Die Betonung liegt, das stellt Becker klipp und klar fest, dabei auf Selbstverteidigung. „Wir wollen keine Schläger heranzüchten. Wer bei uns hier mitmacht, soll in Stresssituationen handeln können ohne sich selbst oder andere zu verletzen. Im Krav-Maga fließen dazu alle Kampfsportarten zusammen.“

Wie Schlägertypen sehen Julia Stöber, sie ist Erzieherin in einer Sangerhäuser Kindertagesstätte, „Plombe“ und ihre Mitstreiter wahrlich nicht aus. Der eine oder andere schleppt einige Kilo zuviel mit sich herum, kommt schon beim Aufwärmen ins Schwitzen. Und doch, auch das ist zu spüren, haben sie Spaß.

„Ich fühle mich einfach sicherer, seitdem ich hier mitmache. Ich weiß, wie ich mich jetzt besser verteidigen kann. Und außerdem verbessere ich meine Fitness. Ich habe noch keine Minute bereut, dass ich mitmache“, so die 25-Jährige.

Selbstverteidigungssport aus Israel

Volkmar Weber, schon über sechs Jahrzehnte jung, ist ebenso begeistert. „Im Krav-Maga geht es darum, zu lernen sich zu wehren. Und das mit Alltagsgegenständen wie Stöcken, Stühlen oder vielem mehr. Das ist für mich eine reine Defensiv-Strategie“, sagt er. Gemeinsam ist allen die Hoffnung, dass sie das Gelernte im Notfall nicht anwenden müssen.

„Wenn aber eine Gefahrensituation eintritt, dann sind sie gewappnet“, so Daniel Becker. Er registriert, dass sich die Kurse immer größerer Beliebtheit erfreuen. Mittlerweile ist Becker schon viermal pro Woche bei Trainingseinheiten im Einsatz. Immer in der Sporthalle des CJD. „Hier haben wir ganz einfach optimale Bedingungen. Die Zusammenarbeit mit dem CJD funktioniert einwandfrei“, sagt er.

›› Wer Interesse am Krav-Maga hat, kann sich dienstags ab 18:30 Uhr in der Sporthalle des CJD einen Eindruck über das Training und die Sportart erschaffen. (mz)