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Bahnhof in Bad Dürrenberg: Ist der Traum vom Wupp-Haus geplatzt?

Yunity-Bewegung

Im November 2016 waren die Mitglieder der Yunity-Bewegung noch guter Dinge.

Foto:

Peter Wölk

Bad Dürrenberg -

Es ist ruhig geworden am Bahnhof in Bad Dürrenberg. Die Gruppe junger Leute, die im vergangenen Jahr plötzlich in der Solestadt auftauchte, hatte ein ambitioniertes Ziel: Sie wollte den von Bränden gezeichneten Bahnhof wieder aufbauen, wollte gemeinsam mit Dürrenbergern durch Teilen und Tauschen das Haus wieder mit Leben füllen.

Wupp-Haus in Bad Dürrenberg: Projekt mit Startschwierigkeiten

Die ersten Wochen waren mühsam. Gerade der vordere Teil des Gebäudes war nicht nutzbar und mit Müll, Geröll und Teilen des eingestürzten Dachs versperrt. Ein erstes Etappenziel sollte ein intaktes Dach sein, das der Gruppe vor dem Winter mit frostigen Temperaturen Schutz bieten sollte.

Daraus wurde nichts. Auch aus dem Wupp-Haus (vom Wort wuppen, etwas schaffen) wurde nichts. Aufgeben wollen die jungen Leute das Projekt nicht, aber pausieren müssen sie doch.

Wupp-Haus in Bad Dürrenberg: Bahnhof soll ein Ort der Gemeinschaft werden

„Neben den Diskussionen über die Grundfragen des Teilens oder Tauschens stellten sich die Bewohner jeden Tag die Frage, ob das Projekt überhaupt gelingen könne“, schreibt Philip Engelbutzeder. Er war einer der ersten Mitglieder der Yunity-Bewegung, die im November 2016 nach Bad Dürrenberg kam.

Die über Deutschland hinausreichende Bewegung hat sich das Retten und Teilen von Ressourcen auf die Fahnen geschrieben. Sie wollte das Haus retten und dort einen Ort der Gemeinschaft entstehen lassen.

Wupp-Haus in Bad Dürrenberg: Beteiligte der Yunity-Bewegung sind sich untereinander uneins

Offenbar haben Unstimmigkeiten und die winterlichen Bedingungen den Beteiligten zu schaffen gemacht. „Die Meinungen über die Art und Weise des Wiederaufbaus gingen weit auseinander“, so Butzeder.

Während einige Mitglieder Geld verwenden wollten, um Materialien zu beschaffen, wollten andere dem Credo des Teilens treu bleiben.

Wupp-Haus in Bad Dürrenberg: Fehlende Koordination bei der Arbeit am Bahnhof

Darüber hinaus entstand ein „stetes Rumgewusel“, weil die gemeinsame Arbeit nicht koordiniert wurde. „Ohne einen abgesprochenen Plan wurde die Küche beispielsweise dreimal wiederholt an unterschiedlichen Plätzen aufgebaut.“

Kritisch äußert sich Butzeder auch dazu, dass Dürrenberger Politiker das Projekt nie selbst besuchten. Dazu kamen die Wintermonate, die offenbar an der Kraft der Beteiligten zehrte. „Es gab kein Dach und es war keines in Aussicht.“

Fehlende Resonanz der Bevölkerung beim Wupp-Haus in Bad Dürrenberg

Auch die Zusammenarbeit zwischen Dürrenbergern oder Anwohnern aus der Region mit den Mitgliedern der Yunity-Bewegung ebbte ab. Es gab nur wenige Aktionen und an dem Bürgerdialog nahmen 20, an der Umfrage, die sich an die Dürrenberger richtete, nur 50 Leute teil.

Selbstkritisch kommt Butzeder zum Schluss, dass das Projekt pausieren muss. Zwar sind Anwohner und die ehemaligen Bewohner des Wupp-Hauses um eine Erfahrung reicher, aber vorerst ruht das Projekt. Doch aufgeben wollen sie nicht. Es braucht aber eine solide Gruppe, die das Wupp-Haus weiterführt. (mz)