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Flammen vernichten Ernte: 150 Feuerwehrleute verhindern übergreifen auf Wohnhäuser

Im Eiltempo fraßen sich die Flammen durch das trockene Getreide.  Unterstützt wurden sie dabei von einem böigen Wind.

Im Eiltempo fraßen sich die Flammen durch das trockene Getreide.  Unterstützt wurden sie dabei von einem böigen Wind.

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Peter Wölk

Rossbach -

Mit besorgter Miene stand eine Anwohnerin vor ihrem Wohnhaus in Roßbach. Als sie kurze Zeit zuvor am Dienstagnachmittag aus dem Fenster geschaut hatte, hatte sie einen Feldbrand ein gutes Stück entfernt bei Leiha gesehen. Keine Gefahr also.

Eine halbe Stunde später hatte sich diese Einschätzung überholt. Angetrieben von einem böigen Nordwestwind hatten sich die Flammen mit einem lauten Knistern und vor allem in rasantem Tempo durch das trockene Getreidefeld gefressen, loderten nun nur noch gut 100 Meter von den Wohnhäusern entfernt. Mit Hochdruck versuchten Feuerwehrleute ein Übergreifen zu verhindern. Mit Erfolg. Der Brand zog an den Roßbacher Ausläufern vorbei in Richtung Süden, hinein in den Burgenlandkreis.

Die Flammen überquerten auch die Bundesstraße 176, die bereits für die Löscharbeiten gesperrt war. Im Südwesten kam das Feuer schließlich auch der Ortschaft Pettstädt nahe. In nur zwei Stunden hatte es das Dreieck zwischen Roßbach, Leiha und Pettstädt in eine schwarze, verkohlte Landschaft verwandelt. Erst gegen 18.30 Uhr waren die letzten offenen Flammen gelöscht. Die insgesamt 150 Feuerwehrleute, die aus Wehren der Städte und Gemeinden Braunsbedra, Mücheln, Merseburg und Weißenfels kamen, bekämpften anschließend noch Glutnester.

Michael Jahn, zuständiger Abschnittsleiter, der die Löscharbeiten beratend begleitete, schätzte, dass dem Feuer insgesamt knapp 300 Hektar teils erntereife, teils auch schon abgeerntete Felder zum Opfer gefallen sind. Er zog dennoch ein insgesamt positives Einsatzfazit: Es habe sich gezeigt, dass die Zusammenarbeit über die Kreisgrenze hinweg funktioniere.

Landwirte unterstützten die Feuerwehren.

Landwirte unterstützten die Feuerwehren.

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Peter Wölk

Jahn lobte auch die Landwirte, die sehr schnell bei den Arbeiten geholfen haben. Sie hatten mit Pflügen Brandschneisen geschlagen und mit umfunktionierten Güllewagen das trockene Getreide gewässert. „Bei Feldbränden ist immer das Problem das fehlende Wasser“, erklärte der Feuerwehrverbandschef. Am Dienstag sei erschwerend noch der kräftige, teils drehende Wind hinzugekommen. der auch dafür sorgte, dass das Feuer die Bundesstraße überspringen konnte.

Die Feuerwehren waren mit 150 Leuten im Einsatz.

Die Feuerwehren waren mit 150 Leuten im Einsatz.

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Peter Wölk

Der Feldbrand in Leiha, der offenbar bei Erntearbeiten ausgebrochen ist, war zwar einer der größten, aber bei weiten nicht der erste in dieser Saison. Kerstin Küpperbusch, Sprecherin des Saalekreises, erklärte, seit dem 29. Juni, also binnen drei Wochen, habe es im Kreis 97 kleine und große Brände auf Feldern und Ödland gegeben. Anfang Juli waren bei Holleben gut 110 Hektar Getreidefläche verbrannt. Für die Bauern sind solche Brände auch ein finanzielles Problem, weil die Felder meist nicht gegen Brandschäden versichert sind.

Die Hunderte Meter hohen Rauchwolken waren weithin sichtbar.

Die Hunderte Meter hohen Rauchwolken waren weithin sichtbar.

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Peter Wölk

Grund für die Vielzahl an Feuern ist die anhaltende Trockenheit. In manchen Regionen des Saalekreises hat es in den vergangenen anderthalb Monaten gerade einmal 20 Millimeter pro Quadratmeter geregnet. Aus diesem Grund gilt auch in Wäldern seit dieser Woche die Waldbrandwarnstufe vier. (mz)