Nachrichten aus Sachsen-Anhalt, Mitteldeutschland und der Welt

Verkehrswissen aufgefrischt: : Neue Regelungen und populäre Irrtümer im Straßenverkehr

Die tägliche Teilnahme am Straßenverkehr schützt nicht vor Wissenslücken.

Die tägliche Teilnahme am Straßenverkehr schützt nicht vor Wissenslücken.

Foto:

fotolia/Kara

Leipzig -

Dass Autofahrer sich nicht auf dem einmal in der Fahrschule erworbenen Wissen ausruhen können, ist bekannt. Trotzdem kursieren vielfach Halbwahrheiten und Unwissen, was nicht nur für Unsicherheiten im Straßenverkehr sorgt, sondern im schlimmsten Fall schwerwiegende Konsequenzen nach sich ziehen kann. Zum neuen Jahr stehen zudem neue Regelungen an, die Autofahrer schon aus Eigeninteresse kennen sollten. Gleichzeitig ergibt sich damit eine gute Gelegenheit, den generellen Wissensstand noch einmal gründlich zu überprüfen.


Änderungen für 2019

Mit dem Jahreswechsel kommen auch für Autofahrer neue Regeln, die teilweise weitreichende Folgen haben können. Das betrifft nicht unbedingt die geplante Möglichkeit, Erstzulassungen und Ummeldungen von Fahrzeugen online vornehmen zu können. Damit sollen in erster Linie Erleichterungen geschaffen werden, zumal Vorgänge wie eine Außerbetriebsetzung eines Fahrzeugs bereits seit 2015 über die Portale der zuständigen Zulassungsbehörden möglich sind.

Neues für Elektro- und Hybridfahrzeuge

Die ab 1. Juli 2019 geltende Pflicht zum Einbau eines akustischen Warnsystems für neu zugelassene Elektro- und Hybridfahrzeuge wird beispielsweise auch nicht alle Autofahrer treffen. Wer mit dem Gedanken spielt auf ein entsprechendes Fahrzeug umzusteigen, sollte aber über die Umsetzung der EU-Verordnung zum AVAS-Warnsystem (Acoustic Vehicle Alerting System) Bescheid wissen, dass in Zukunft E-Fahrzeugen Fahrgeräusche bescheren soll. Darüber hinaus winken steuerliche Vorteile für alle Elektro- und Hybridautos, die zwischen 1. Januar 2019 und 31. Dezember 2021 gekauft oder geleast werden und sowohl als Dienstwagen als auch privat genutzt werden. Der bisher gültige Steuersatz von einem Prozent des Listenpreises, der als geldwerter Vorteil versteuert werden muss, wird für diese Fahrzeuge halbiert.

Ab diesem Jahr erhalten Kraftstoffe eine EU-weit einheitliche Kennzeichnung.

Ab diesem Jahr erhalten Kraftstoffe eine EU-weit einheitliche Kennzeichnung.

Foto:

fotolia/Tomasz Zajda

Typklassen, Versicherungen, Kraftstoffkennzeichnung und HU-Plaketten

Finanzielle Veränderungen warten auch auf rund elf Millionen Autofahrer, die sich aufgrund der Veränderungen der Typklassen für die Berechnung der Kfz-Versicherung auf andere Beitragssätze einstellen müssen. Allerdings erhöhen sich diese nicht für alle Autofahrer, gut die Hälfte der Betroffenen kann durch eine bessere Einstufung ihrer Fahrzeuge auf eine geringere finanzielle Belastung hoffen.

Weitere Änderungen: Seit diesem Jahr gilt eine EU-Richtlinie zur einheitlichen Kennzeichnung von Kraftstoffen auch in Deutschland. Benzin ist dann an einem Kreissymbol zu erkennen, Dieselkraftstoff an einem Quadrat und gasförmige Kraftstoffe an einer 90-Grad-Raute. Die Kennzeichnung mit diesen Symbolen wird nicht nur an Tankstellen zu finden sein, sondern auch in Tankdeckeln und Bedienungsanleitungen angewendet.

Neu gestaltet werden außerdem die TÜV-Plaketten, die nach bestandener Hauptuntersuchung vergeben werden – wer noch eine orangefarbene Plakette auf dem Nummernschild hat, muss die HU in jedem Fall noch in diesem Jahr machen lassen. Ist die Prüfung bestanden, gibt es eine gelbe Plakette.Neue Verfahren für die Grenzwertermittlung

Seit dem 1. September 2018 werden die Abgaswerte von allen Neuzulassungen mit Hilfe des WLTP-Prüfverfahrens ermittelt. Da sich aber verschiedene Schadstoffe, unter anderem die viel diskutierten Stickoxide, auch mit dem neuen Verfahren nicht erfasst werden können, soll mittels sogenannter PEMS-Geräte (Portable Emission Measurement System) ein Test unter realen Bedingungen gemacht werden. Anders als bei den sonst üblichen Messungen, gibt es beim RDE-Test (Real Driving Emissions) keinen festen Fahrzyklus, die Abgaswerte werden unter beliebigen Bedingungen – hinsichtlich Strecke, Beschleunigung, Außentemperatur, Windverhältnisse und Verkehrslage – gemessen.

Hintergrund ist selbstverständlich die Einhaltung der Grenzwerte für schädliche Emissionen, die vor allem für Fahrer von Dieselfahrzeugen immer größere Einschränkungen bedeutet. Ab dem April des neuen Jahres ist beispielsweise das gesamte Stuttgarter Stadtgebiet für alle Dieselfahrzeuge mit Euronorm 4 oder schlechter gesperrt. Laut Gerichtsurteil sind ähnliche Maßnahmen auch in Frankfurt notwendig, nach derzeitigem Stand der Dinge könnte Frankfurt allerdings um weiträumige Sperrzonen herumkommen.

Ein Eilantrag auf eine sofortige Sperrung verschiedener Frankfurter Straßen hatte der Hessische Verwaltungsgerichtshof bereits Mitte Dezember 2018 abgelehnt, die aktuellen Messwerte für Stickoxid-Emissionen aus dem vergangenen Jahr sprechen ebenfalls dafür, auf Fahrverbote in der Innenstadt zu verzichten. Die Berufsverhandlung gegen das vorherige Urteil des Wiesbadener Verwaltungsgerichts wird zudem nicht vor Ende 2019 beginnen.

Durchatmen in Halle: Nicht auf der Hochstraße sanken die Stickoxid-Werte 2018.

Durchatmen in Halle: Nicht auf der Hochstraße sanken die Stickoxid-Werte 2018.

Foto:

kiono - stock.adobe.com

Stickoxide: Fallende Grenzwerte in Halle, steigende Grenzwerte in Leipzig

Viel Zeit also, um unter Autofahrern für noch mehr Unsicherheit beim Thema Fahrverbote zu sorgen. Denn auch ohne konkrete Urteile ist die Situation vielerorts alles andere als klar. Beispielsweise in Halle, wo im vergangenen Jahr der Jahresmittelwert für Stickoxide erstmals unterschritten wurde, in der ansonsten so kritischen Paracelsusstraße. So geringfügig der Wert unter dem zulässigen Jahresmittelwert lag, so zuversichtlich sind die Hallenser, sich vorerst nicht weiter mit Diesel-Fahrverboten auseinandersetzen zu müssen.

Anders sieht das allerdings die Deutsche Umwelthilfe, die vorläufig an ihrer Klage gegen das Land Sachsen-Anhalt aufrechterhalten will. Was nicht zuletzt daran liegt, dass Halle trotz der Verbesserung den höchsten Stickoxid-Wert des Bundeslandes vorweist. Magdeburg liegt mit einer Belastung von 30 Mikrogramm wesentlich unter dem geforderten EU-Grenzwert von 40 Mikrogramm, ähnlich verhält es sich in Aschersleben, Wittenberg und Dessau.

Erfurt (33 Mikrogramm) und Chemnitz liegen ebenfalls in einigermaßen sicherem Abstand von der kritischen Belastungsgrenze – Erfurt ist dabei in Thüringen sogar noch die Stadt mit dem höchsten Wert, alle anderen thüringischen Städte und Gemeinden liegen noch darunter. So sind es neben Halle nur noch Dresden und Leipzig, die jenseits der zulässigen Grenze für Stickoxide liegen. Zwar sind die in Leipzig gemessenen 42 Mikrogramm noch weit entfernt von den Höchstwerten, wie sie etwa in Stuttgart für 2018 festgestellt wurden (71 Mikrogramm und damit der höchste Wert bundesweit).

Leipzig ein Fall für die Deutsche Umwelthilfe?

Unter den mitteldeutschen Städten ist Leipzig trotzdem die einzige, die im vergangenen Jahr über dem EU-Grenzwert landete – obwohl die Leipziger Umweltzone bereits seit März 2011 gilt, unabhängig von der gerade aktuellen Luftbelastung. Dass diese Umweltzone außerdem den größten Teil des Stadtgebiets abdeckt hat ebenfalls keine zufriedenstellende Verbesserung bringen können: Zwar lag der Jahresmittelwert für 2017 unter dem geforderten Höchstwert, in den Jahren zuvor war dieser allerdings immer in ähnlicher Höhe wie 2018 überschritten worden. Langfristig betrachtet ist das immer noch eine Verbesserung im Vergleich zur Belastung vor der Einführung der Umweltzone – eine Entwicklung, die sich bundesweit beobachten lässt.

Das dürfte letztlich einer der Gründe dafür sein, dass die Deutsche Umwelthilfe zwar in Leipzig genauer hinsehen will, bislang aber von konkreten juristischen Schritten absieht. Aus der Stadtverwaltung lautet die Einschätzung indes, dass Dieselfahrverbote noch kein Thema seien. Ob Autofahrer deswegen jetzt tatsächlich endgültig aufatmen können, ist also noch ungewiss.

Mehr Gewissheit, weniger Irrtümer

Alljährlich neue Regelungen, eine in vielen deutschen Städten noch offene Frage, ob Autofahrer mit Fahrverboten zu rechnen haben oder nicht – in gewisser Weise ist es nachvollziehbar, wenn sich bei Manchem Verunsicherung breit macht. Beim richtigen Verhalten im Straßenverkehr sollte es allerdings keine Unsicherheiten geben, immerhin sind die rechtlichen Grundlagen eindeutig.

Die bestehende Rechtssicherheit in Verkehrsfragen ist aber nicht gleichbedeutend mit einem sicheren Umgang mit den geltenden Regelungen. So grassieren auf deutschen Straßen weiterhin viele Fehlannahmen, die auf schieres Unwissen oder ein nicht weniger gefährliches Halbwissen zurückzuführen sind. Problematisch an solchen Irrtümern: Sie werden selten hinterfragt. Dabei ist es nicht nur legitim, zu unklaren Sachverhalten nachzufragen, es kann außerdem vor schwerwiegenden Konsequenzen schützen.

Beispiel Handynutzung: Die ist im Auto erlaubt – aber nur bei ausgeschaltetem Motor.

Beispiel Handynutzung: Die ist im Auto erlaubt – aber nur bei ausgeschaltetem Motor.

Foto:

Wellnhofer Designs - stock.adobe.com

Irrtum: Im schlimmsten Fall ist der Lappen weg

Die härteste Strafe, die einem Autofahrer für ein Vergehen im Straßenverkehr droht, ist der Entzug seiner Fahrerlaubnis. So die landläufige Meinung und tatsächlich ist in den meisten Teilgebieten des deutschen Verkehrsrechts die Entziehung der Fahrerlaubnis die Höchststrafe. Damit fangen die Missverständnisse aber bereits an, denn darunter ist kein zeitlich begrenztes Fahrverbot gemeint, nach dessen Ablauf der Besitzer seinen Führerschein wieder zurückerhält. Wird die Fahrerlaubnis von den Behörden entzogen, kann dieser höchstens zu einem späteren Zeitpunkt neu beantragt werden.

 

Bei besonders schweren Verstößen gegen die Verkehrsvorschriften kann allerdings auch das Strafrecht Anwendung finden. Das setzt allerdings verschiedene Bedingungen des Vergehens voraus:

  • Grundsätzlich muss ein Verstoß gegen das Verkehrsrecht vorliegen, bei dem der Fahrer gewissenlos seinen eigenen Vorteil gesucht hat.
  • Der Verstoß muss zudem „grob verkehrswidrig und rücksichtslos“ gewesen sein.
  • Bestand darüber hinaus durch das Fehlverhalten eine Gefahr für Leib oder Leben eines anderen Menschen oder für fremde Sachen von bedeutendem Wert, kann in der Folge eine strafrechtliche Verurteilung drohen.
Zu schnell bei Tempo 30 ist ordnungswidrig. Sich dabei rücksichtslos gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern verhalten ist eine Straftat.

Zu schnell bei Tempo 30 ist ordnungswidrig. Sich dabei rücksichtslos gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern verhalten ist eine Straftat.

Foto:

nmann77 - stock.adobe.com

Das Strafrecht sieht zwar, ähnlich dem Verkehrsrecht, teils erhebliche Geldstrafen für Fehlverhalten im Straßenverkehr vor. Je nach Schwere des Vergehens droht den verantwortlichen Autofahrern jedoch sogar eine Freiheitsstrafe – von bis zu fünf Jahren. Im StGB sind unter § 315c, der sich explizit mit der Gefährdung des Straßenverkehrs auseinandersetzt, alle Verkehrsdelikte festgelegt, die unter Umständen nach strafrechtlichem Ermessen beurteilt werden:

  • Missachtung der Vorfahrt
  • Falsches Überholen
  • Falsches Fahren an Fußgängerüberwegen
  • Zu schnelles Fahren an unübersichtlichen Stellen, an Straßenkreuzungen, Straßeneinmündungen oder Bahnübergängen
  • Nicht einhalten der rechten Fahrbahnseite an unübersichtlichen Stellen
  • Wenden, Rückwärts- oder gegen die Fahrtrichtung fahren auf Autobahnen oder Kraftfahrstraßen, was auch den Versuch einschließt
  • Unzureichende Kenntlichmachung von haltenden oder liegengebliebenen Fahrzeugen auf ausreichende Entfernung

Die Frage ist dabei in erster Linie, wann aus einem ordnungswidrigen Verhalten eine Straftat wird. Nach der deutschen Gesetzesauslegung handelt es sich bei Ordnungswidrigkeiten um geringfügigere Gesetzesübertretungen, die aber noch nicht den Unrechtscharakter einer Straftat aufweist. Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal ist außerdem die verhängte Rechtsfolge, also Strafe: Ist laut Verbots- oder Gebotsnorm eine Geldbuße verlangt, so handelt es sich beim Tatbestand um eine Ordnungswidrigkeit – bei Straftaten sieht das Gesetz eine Geld- oder Freiheitsstrafe vor.

Der Grat zwischen Ordnungswidrigkeit und Straftat ist im Straßenverkehr jedoch unter Umständen ein schmaler, wie die Verkehrsjuristen des ADAC anhand einiger Beispiele aufzeigen. Die Strafe fallen entsprechend drastischer aus als ein Bußgeld, ein Punkt in Flensburg oder ein vorübergehendes Fahrverbot. Das gilt übrigens auch für alle, die ihren gesetzlich vorgeschriebenen Pflichten als Fahrzeughalter nicht nachkommen: Obwohl im Grunde genommen kaum möglich, können Nachlässigkeiten beim Versicherungsschutz des Fahrzeugs in besonders schwerwiegenden Fällen ebenfalls mit Freiheitsstrafen geahndet werden, selbst wenn diese meist zur Bewährung ausgesetzt sind.

Hoher Anteil an Straftaten im Straßenverkehr in Sachsen

Ein exemplarischer Blick in den Statistischen Bericht zur gerichtlichen Strafverfolgung im Freistaat Sachsen – die Zahlen beziehen sich dabei auf das Jahr 2017 – macht übrigens schnell deutlich, dass Straftaten im Straßenverkehr alles andere als eine Seltenheit sind: Der Bericht führt insgesamt 9.319 Urteile in dieser Straftatengruppe, wovon 2.370 nach dem Straßenverkehrsgesetz und 6.949 nach dem Strafgesetzbuch gefällt wurden.

Damit liegen die Straftaten im Straßenverkehr sogar noch vor Diebstahls- und Unterschlagungsdelikten, zu denen es 9.115 Verurteilungen gab. Damit hatte fast jedes fünfte Urteil im Jahr 2017 mit Vergehen im Straßenverkehr zu tun. Von diesen Straftaten wurden 342 mit einer Freiheitsstrafe belegt, in 7.644 Fällen beließen es die Richter bei einer Geldstrafe. Bei den Freiheitsstrafen lag zudem kein Urteil über einem Strafmaß von ein bis zwei Jahren und auch das nur in vier Fällen. Der Anteil an Straftaten im Straßenverkehr ist ungeachtet dessen erschreckend hoch und zeigt, wie leicht falsches Verhalten auf den Straßen zu einem Fall für die Gerichte werden kann.

Irrtümer auf der Autobahn

Die regen Diskussionen um ein bundesweites Tempolimit von 120 km/h zeigt, wie innig das Verhältnis der deutschen zu ihren Autobahnen nach wie vor ist. Für die meisten bedeuten sie allerdings vornehmlich eine Möglichkeit, sich schnellstens von A nach B bewegen zu können – oft genug mit einer vollkommen falschen Vorstellung davon, wie das korrekt zu bewerkstelligen ist.

  • Mindestgeschwindigkeit 60 km/h:

Häufiger Streitpunkt auf der Autobahn sind andere Verkehrsteilnehmer, die nach Ermessen der zügiger Fahrenden ein Verkehrshindernis darstellen. Der Hinweis darauf, dass die Mindestgeschwindigkeit doch bei 60 km/h liegt, es dementsprechend also wünschenswert wäre, wenn der Langsamfahrer dieses Minimum überbietet, könnte sich allerdings als Bumerang erweisen.

Denn laut Straßenverkehrsordnung gibt es so etwas wie eine Mindestgeschwindigkeit, die beim Befahren der Autobahn eingehalten werden muss, überhaupt nicht. Die Geschwindigkeitsangabe dient lediglich als Bedingung dafür, ob ein Auto für die Autobahn tauglich ist oder nicht. Kann diese Geschwindigkeit bauartbedingt nicht erreicht werden, ist die Autobahn tabu. Allerdings: Grundlos langsames Fahren, durch das der fließende Verkehr tatsächlich behindert wird, stellt wiederum einen Verstoß gegen die Straßenverkehrsordnung dar.

  • Rechts überholen ist verboten

Ein Ärgernis für Autofahrer, die die linke Autobahnspur im Rahmen der zulässigen Höchstgeschwindigkeit nutzen, sind Verkehrsteilnehmer, die trotzdem überholen und dazu auf die rechte Fahrspur ausweichen – immerhin ist dieses Verhalten verboten.

Das ist nicht ganz falsch, aber auch nicht ganz richtig. Denn innerorts wie außerorts sieht die Straßenverkehrsordnung eine Reihe von Ausnahmen vor, die das Überholen auf der rechten Seite erlauben. In Ortschaften darf auf mehrspurigen Fahrbahnen zum Beispiel der Fahrstreifen frei gewählt werden, rechts darf dabei auch schneller gefahren werden als links.

Staus und Missverständnisse sind häufig auf deutschen Autobahnen anzutreffen.

Staus und Missverständnisse sind häufig auf deutschen Autobahnen anzutreffen.

Foto:

Matthias Buehner - stock.adobe.com

Auf der Autobahn ist rechts überholen möglich, wenn dichter Verkehr vorherrscht und auf allen Fahrstreifen nur mit langsamer Geschwindigkeit gefahren wird. Voraussetzung ist allerdings, dass die Fahrzeuge auf der linken Spur nicht schneller als 60 km/h fahren und beim Überholen von rechts eine Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h eingehalten wird. Eine Ausnahme von der Ausnahme ist das Überholen von Streu- und Räumfahrzeugen, auch wenn die deutlich unter 60 km/h „schnell“ sind: Auf der Autobahn dürfen diese nämlich nicht rechts überholt werden.

Das Auffahren über den Beschleunigungsstreifen ist übrigens kein Überholvorgang. Er gilt nicht als zusammenhängender Teil der angesteuerten Fahrbahn, rechtlich überholen auffahrende Fahrzeuge daher auch nicht. Sie haben allerdings umgekehrt auch keinen Anspruch auf ein Reißverschlussverfahren.

So ärgerlich es sein mag, im ungünstigsten Fall am vorderen Ende des Beschleunigungsstreifens stehen bleiben zu müssen, weil sich keine Lücke auftun will – der fließende Autobahnverkehr hat Vorfahrt. Rücksichtnahme ist dann zwar wünschenswert, aber von allen beteiligten Autofahrern: Das Beobachten des Verkehrs und eine Anpassung des eigenen Tempos erleichtern es nämlich den anderen Verkehrsteilnehmern, ohne riskante Brems- oder Ausweichmanöver das Auffahren zu ermöglichen.


Besser nicht ohne

Im Straßenverkehr ist es grundsätzlich besser, den genauen Wortlaut der Straßenverkehrsregeln zu kennen, nicht nur beim Fahren auf der Autobahn. Denn Irrtümer gibt es beim Umgang mit nahezu jeder, die im Zusammenhang mit dem Straßenverkehr steht, vom Auffahrunfall bis zur Zulassung.

Besser also, man ist nicht ohne das notwendige Wissen unterwegs, ob etwa auf einem Supermarktparkplatz Rechts vor Links gilt – meistens ist das nicht der Fall, es gilt vielmehr das Gebot der gegenseitigen Rücksichtnahme gemäß der StVO, auch weil die kreuzenden Fahrspuren vor Gericht nicht als Straßenkreuzung betrachtet werden – oder bei einem Auffahrunfall wirklich immer der von hinten Auffahrende Schuld ist – nein, ist er nicht: grundloses Bremsen oder Rückwärtsfahren ändern die Schuldfrage erheblich, dafür braucht es aber Zeugen.

Daneben gibt es eine Reihe weiterer Dinge, ohne die Autofahrer besser nicht unterwegs sind. Denn dabei schützt Unwissen ganz sicher nicht vor Strafe. Das Auto wird deshalb besser nicht bewegt

  • ohne Fahrerlaubnis. Was im Übrigen nicht dasselbe ist wie Fahren ohne Führerschein. Das bedeutet nämlich eigentlich nur, dass der Führerschein etwa im Fall einer Kontrolle nicht vorliegt. Dieses Versäumnis wird als Ordnungswidrigkeit behandelt und mit einem geringen Bußgeld geahndet.
    Wurde der Führerschein jedoch eingezogen oder niemals ausgestellt, droht laut § 21 des Straßenverkehrsgesetzes eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr. Das kann übrigens auch Fahrzeughalter treffen, die Personen ohne Fahrerlaubnis mit ihrem Auto fahren lassen. Darüber hinaus kommen drei Punkte in Flensburg hinzu und mögliche Probleme mit der Haftpflichtversicherung.
    Der Entzug der Fahrerlaubnis umfasst dabei nicht allein das Führen eines Autos, sondern jeglicher Kraftfahrzeuge. Umsteigen auf das Mofa ist deshalb keine Lösung.
  • ohne Zulassung. Denn die Teilnahme am öffentlichen Straßenverkehr mit einem Auto ohne Zulassung ist grundsätzlich und bis auf wenige Ausnahmen verboten. Wer also ein Auto kauft oder ein vormals abgemeldetes Fahrzeug wieder nutzen möchte, sollte sich vorher um die Zulassung kümmern. Hierfür ist übrigens der Nachweis über die Kfz-Versicherung notwendig, der übrigens keinen mildernden Umstand darstellt: Fahren mit Versicherungsschutz und ohne Zulassung bleibt verboten.
    Anders als das Fahren ohne Versicherung wird eine fehlende Zulassung nicht als Straftat gewertet. Ein Bußgeld von 70 Euro sowie ein Punkt in Flensburg drohen trotzdem. Fahranfänger in der Probezeit müssen sich zudem darauf einstellen, dass diese verlängert wird.
Neuregelungen für Untersuchungsintervalle

Neuregelungen für Untersuchungsintervalle

Foto:

©stadtratte - stock.adobe.com

  • ohne TÜV. Wie bereits erwähnt steht für Fahrzeuge mit orangefarbener TÜV-Plakette in diesem Jahr die Hauptuntersuchung an. Die HU sollte dabei zeitig erfolgen, denn je länger der Termin überzogen wird, desto teurer werden die Bußgelder. Zudem wird schon bei mehr als zwei Monaten überzogener Frist eine vertiefte HU durchgeführt – mit mehr Aufwand und entsprechend höheren Kosten. Ist die HU länger als acht Monate überfällig gibt es außerdem einen Punkt in Flensburg.

Ebenfalls nicht empfehlenswert ist das Fahren ohne Umweltplaketten oder Winterreifen, wenn die äußeren Bedingungen dies eigentlich erforderlich machen. Diese und die anderen genannten Beispiele – und es handelt sich dabei wirklich nur um ausgewählte Beispiele – zeigen, wie schnell unzureichendes oder falsches Wissen rund um den Straßenverkehr auch zu drastischen Konsequenzen führen kann. Deshalb ist es umso wichtiger, sich als Autofahrer regelmäßig mit dem eigenen Kenntnisstand auseinanderzusetzen. Nur so ist ein sicheres Miteinander auf den Straßen gewährleistet.