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Sonderausstellung: Deutsch-französische Lebensart in vielen Farben

Bilder von Bernd Schobeß

Viele der Motive, die van Gogh begeistert hatten, fand Bernd Schobeß bei seinen Besuchen in Südfrankreich wieder.

Foto:

Marco Junghans

Thale -

Beide Männer haben eine große Liebe: Sowohl Bernd Schobeß als auch Uwe Parthey haben ihr Herz an Frankreich verloren. Der eine verbrachte dort mehrere Male Tage schöpferischen Motivsammelns, der andere hat zwei Jahre lang dort als Lehrer gearbeitet.

Doch nicht nur ihre Leidenschaft für Frankreich verbindet die beiden. Ihr Lebensweg hat sich auch an anderen Stellen gekreuzt. Parthey war Schüler bei Schobeß, als der noch am einstigen Institut für Lehrerbildung (IfL) in Quedlinburg unterrichtete. „Zwei Jahre lang war er bei mir im Wahlfach Kunst“, erinnert sich der ehemalige Dozent. Das war Ende der 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts.

Parthey war Schüler bei Schobeß am Institut für Lehrerbildung in Quedlinburg

Der einstige Schüler spricht gerne über diese Zeit. „Schobeß war sehr beliebt bei der Studentenschaft“, sagt Parthey, der heute in der Erziehungshilfe tätig ist und sich als Mittler deutsch-französischer Lebensart sieht. Die Sprache des Nachbarlandes hat er sich autodidaktisch angeeignet, genauso macht er es gegenwärtig mit dem Akkordeonspiel.

Eine kleine Kostprobe seines Spielens bot Parthey zur Eröffnung der neuesten Sonderausstellung in der Galeriekapelle des Hüttenmuseums in Thale an. Beide Männer gestehen hier ihre große Liebe zu Frankreich.

Parthey zeigt Filmszenen von seiner Arbeit an der Schule in Poitiers, Hauptstadt des Départements Vienne im Westen Frankreichs. Schobeß stellt Bilder und Skizzen aus, die bei seinen Aufenthalten in Südfrankreich in der Zeit zwischen den 90er Jahren und etwa 2016 entstanden.

Parthey auf den Spuren von Cézanne, Picasso und Van Gogh

Dabei wandelte er auf den Spuren bekannter Malergrößen wie Paul Cézanne, Pablo Picasso oder Vincent van Gogh. Letzterem wird auf besondere Weise gehuldigt. „Auf einen Schnappschuss, Monsieur van Gogh“, heißt das Bild, bei dem Schobeß ein verschollenes Gemälde van Goghs (Auf dem Weg nach Tarascon) zitiert und einen Fotografen mit dem Equipment aus den Anfangszeiten des „Bilderknipsens“ hinzufügt.

Aus Schwarz-Weiß-Skizzen in Frankreich wurden farbenfrohe Bilder in Deutschland

Viele der Motive, die van Gogh begeistert hatten, fand Schobeß bei seinen Besuchen in Südfrankreich wieder und machte natürlich jede Menge neue Entdeckungen. Direkt vor Ort entstanden Schwarz-Weiß-Skizzen, von denen etliche in der Ausstellung zu sehen sind. „Zuhause habe ich sie dann in Farbe umgesetzt und die Erlebnisse verarbeitet“, erklärt er den Werdegang.

Zu Anfang sei es eine starke Farbigkeit gewesen, noch erfüllt von den Erinnerungen an die liebenswerten Menschen in dem kleinen französischen Dorf, von den Gerüchen und Geschmackserlebnissen. Später dann, so Schobeß, sei die Wiedergabe des Erlebten eher lyrisch geworden.

Eines ist aber allen Bildern gemeinsam: Sie bestechen durch Ausdrucksstärke und die Wiedergabe besonderer Stimmungen. Wie beispielsweise das Bild, dessen Vordergrund ein unglaublich lilafarbenes Feld ist. Fast meint man den Lavendel, der dort wächst, zu riechen. Daneben gibt es zurückhaltende Motive wie das Café in Sablet oder eine mit Mohnblüten überzogene Landschaft. Schobeß’ Lieblingsbilder in der aktuellen Ausstellung sind die farblich überhöhten einer nächtlichen Dorfstraße.

Es ist übrigens die bereits vierte Exposition, die der Maler aus Bad Suderode im Thalenser Hüttenmuseum zeigt, wie dessen Leiterin Ute Tichatschke anmerkt. „Die erste gab es fast auf den Tag genau vor 19 Jahren“, verrät sie zur Eröffnung der Sonderausstellung „Wege nach Frankreich“. Schobeß’ Bilder sind nun bis 12. Mai in Thale zu sehen. Das Museum in der Walter-Rathenau- Straße hat von Dienstag bis Sonntag jeweils von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Die letzte Gelegenheit zum Einlass besteht um 16.30 Uhr. (mz)