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Hort-Trägerwechsel: Bürgerinitiative übergibt Petition an Stadtrat

Bürgermeister Marcus Weise

Marcus Weise (CDU) ist Bürgermeister der Einheitsgemeinde Stadt Harzgerode.

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Archiv/Wohlfeld

Harzgerode -

536 Menschen - 371 davon aus der Einheitsgemeinde Harzgerode - haben seit Mitte Dezember eine Petition der „Bürgerinitiative zum Erhalt des Hortes Harzgerode bei der Stadt“ unterschrieben. Das Bittgesuch übergab am Donnerstagabend Thorsten Ehrlichmann an den Stadtrat. Er verband das mit der Bitte, das Thema noch einmal auf Tagesordnung zu bringen, „weil ich denke, dass hier noch Redebedarf besteht“, so Ehrlichmann.

Hintergrund der Petition ist, dass der Hort der Stadt Harzgerode noch dieses Jahr an einen privaten Träger übergeben werden soll. In der Petitionsbegründung heißt es, dass die Hortnerinnen nicht dafür bestraft werden dürften, dass im Trägerwerk Soziale Dienste eine schlechtere Bezahlung erfolge als im öffentlichen Dienst. Eine qualitative Verschlechterung der Versorgung der Hortkinder sei nicht auszuschließen.

Trägerwechsel war ursprünglich am 1. Januar geplant

Bereits Ende vergangenen Jahres forderten Elternvertreter im Stadtrat, eine Entscheidung zur Privatisierung der Einrichtung zu vertagen - ursprünglich sollte die Trägerschaft bereits zum 1. Januar wechseln. Dem Wunsch kam der Stadtrat nach und nahm den Punkt von der Tagesordnung. Nun ist die Übertragung für den 1. April geplant.

Doch die Eltern fühlen sich nicht ausreichend informiert, führte Thorsten Ehrlichmann an, weshalb eine Petition angestoßen wurde. „Wir bezweifeln, dass eine Verbesserung erzielt werden kann“, sprach er für die Bürgerinitiative.

Bürgermeister Marcus Weise (CDU) wies darauf hin, dass der Hort noch am gleichen Abend Thema sei - jedoch im nichtöffentlichen Teil der Stadtratsitzung. „Wir müssen das nichtöffentlich beraten“, erklärte er und verwies auf die Persönlichkeitsrechte der Erzieher, die bei den Beratungen über Personalien berührt würden.

Er sah in der Formulierung der Unterschriftensammlung jedoch eine Schwierigkeit: „Aus der Petition ist eine gewisse Botschaft hervorgegangen“, deutete Weise an. Denn schon der Titel „Erhalt des Hortes“ würde irreführen, was die Initiative tatsächlich fordere. Die Kommentare zu der im Internet auf einer speziellen Plattform initiierten Petition würden das bestätigen.

Weise: „Der Erhalt des Hortes wurde nie in Frage gestellt“

Der Tenor dort sei deutlich: Die Einrichtung dürfe nicht aufgegeben werden. Aber: „Der Erhalt des Hortes wurde nie in Frage gestellt“, betonte Weise mit Nachdruck und fügte an: „Es ging um die Frage: Wer soll Träger werden?“

Klar ist mittlerweile, dass auch der Hort, genau wie alle Kindertagesstätten, vom Trägerwerk Soziale Dienste AG weitergeführt werden soll - und zwar genau so, wie bisher. „Es werden sich zum 1. April nur zwei Sachen ändern“, versprach der Bürgermeister. Das sei zum einen der Betreuungsvertrag, den Eltern nun mit dem Trägerwerk schließen würden, und zum anderen das Schild an der Horttür.

„Wir haben klare Zusagen vom Trägerwerk"

„Das Trägerwerk wird alles so, wie wir es gemacht haben, entsprechend übernehmen“, so Weise weiter. Diese Rahmenbedingungen seien mit dem Träger ausgehandelt und in Gesprächsrunden mit Erziehern, Elternvertretern und Gemeindeelternrat kommuniziert worden. „Wir haben klare Zusagen vom Trägerwerk, und das werden wir auch überprüfen“, versprach Weise, dass die Stadt die vereinbarten Bedingungen einfordern werde.

Das alles seien Informationen, die bei den Betroffenen nicht angekommen seien, entgegnete Thorsten Ehrlichmann. Vertreter des Gemeindeelternrates und des Elternkuratoriums widersprachen. Thomas Riedel, der unter anderem als Kuratoriumsmitglied sprach, führte den Trägerwechsel der Kindertagesstätte „Selketalbahn“ Straßberg als positives Beispiel an. Dort würden die Jungen und Mädchen bestens betreut, und auch an der Einrichtung selbst habe sich einiges getan.

Riedel ging sogar so weit und stellte in Frage, ob die Stadt in der Lage sei, dauerhaft die Qualität aufrecht zu erhalten, die das Trägerwerk durch sein Netzwerk ermögliche. Er verstehe deshalb die Petition und das Anliegen der Bürgerinitiative nicht. „Die Bedenken halte ich für völlig unbegründet“, sagte Riedel.

Die Petition ist noch bis zum 4. Februar aktiv und steht im Internet auf www.openpetition.de. (mz)