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Todesfall Markus B.: Aussage falsch übersetzt? Zeuge sieht Dolmetscher als Sündenbock

Auf dem Spielplatz am Karlsplatz, unweit von dem Ort wo Markus B. zu Tode kam, steht jetzt zum Gedenken nur noch ein Grablicht.

Auf dem Spielplatz am Karlsplatz, unweit von dem Ort wo Markus B. zu Tode kam, steht zum Gedenken ein Grablicht.

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Ute Nicklisch

Köthen -

Nach zweieinhalb Stunden hatte der Zeuge keine Lust mehr. Als der Staatsanwalt wissen wollte, welchen Status er in Deutschland besäße, wenn er mit einer deutschen Frau ein Kind hätte, antwortete der 18 Jahre alte Afghane: „Das kann ich nicht beantworten.“

Der Staatsanwalt bohrt nach: „Kann oder will er nicht?“ Trotzige Antwort: „Will ich nicht.“ Beide Seiten brachen das drohende Endlos-Spiel zum Glück ab. Es war nicht das einzige, sondern ein Charakteristikum für den neunten Verhandlungstag im Fall des im letzten Jahr zu Tode gekommenen 22-jährigen Kötheners Markus B.

Die Juristen versuchten am Mittwoch vor allem in die Auseinandersetzung zwischen den jungen Afghanen Licht zu bekommen, die schließlich zum Auslöser für das Drama um Markus B. wurde. Ein ansonsten recht taugliches Mittel, nämlich sich anhand von Widersprüchen der Zeugen in ihren ersten Aussagen bei der Polizei und jetzt bei Gericht voranzuhangeln, erwies sich dieses Mal als wenig hilfreich.

Zeuge sieht Schuld für Widersprüche beim Dolmetscher

Die üblichen Widersprüche - Differenzen bei den Uhrzeiten, unterschiedliche Wahrnehmungen bei der Kleidung, zum Alkoholgenuss oder die Anzahl von anwesenden und handelnden Personen - wurden auch dieses Mal aufgedeckt. Doch als Staatsanwalt und die Anwälte der Nebenkläger endlich glaubten, einen Faden gefunden zu haben, spielte der junge Afghane, der mit seinem Aufenthaltsantrag für Deutschland vor Gericht gescheitert ist, nicht mit.

„Der Dolmetscher seinerzeit bei der Polizei war ein Iraner. Der hat mich überhaupt nicht verstanden. Deshalb sind falsche Aussagen protokolliert worden“, behauptete er. Der Dolmetscher war also schuld. Wohl auch aus diesem Grund setzte jeder Nebenkläger bei einem anderen Detail der Geschehnisse an. Doch das überforderte den Zeugen.

Die Fragen waren mitunter zu kompliziert gestellt. Selbst der „dieses Mal sehr gute afghanische Dolmetscher“ - so der allgemeine Tenor - konnte einige kaum übersetzen. Und als dann Richterin und Anwälte mehrere Male die gleichen Fragen stellten, wurde es völlig turbulent. „Bitte nur noch ergänzende Fragen, sonst ufert das hier aus“, forderte Richterin Uda Schmidt.

Anwalt der Nebenkläger: „Ich glaube Ihnen kein Wort“

Für Rechtsanwalt Carsten Wenzel, einen Vertreter der Nebenkläger, war der Tag zu diesem Zeitpunkt schon gebraucht. „Ich glaube Ihnen kein Wort. Sie machen zu, wenn Sie wollen und verstecken sich ansonsten hinter falschen Übersetzungen“, sagte er.

Absicht oder Masche? Auch angesichts einer zahlenmäßig recht starken Fraktion von Landsleuten im Besucherraum, die immer wieder Blickkontakt zu den Angeklagten suchten? „Absicht würden wir erkennen. Es scheint mir eher Masche, die selbst Gericht und Anwälte an ihre Grenzen treibt“, sagte Wenzel. (mz)