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Weniger Straftaten, höhere Aufklärung: In Halle gibt es aber neue Probleme

Weihnachtsmarkt. Halle

Für Recht und Ordnung soll die Polizei sorgen, wie hier auf dem Weihnachtsmarkt. Für 2018 ist den Beamten das wieder besser gelungen.

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Lutz Winkler

Halle (Saale) -

Für die Polizei kann dieser alljährlich im Frühjahr stattfindende Termin zum Feiertag werden - oder richtig unangenehm sein: Die Präsentation der sogenannten polizeilichen Kriminalstatistik gibt Auskunft darüber, wie gut die Ermittler ihre Arbeit gemacht haben. An ihr müssen sie sich messen lassen. Am Montag präsentierte die Leiterin des halleschen Reviers, Annett Wernicke, die Delikt-Zahlen für das Jahr 2018 und konnte verkünden, dass die Zahl der Straftaten kleiner geworden sowie die Aufklärungsquote gestiegen ist.

Registrierte die Polizei im Jahr 2017 noch 28.890 Delikte, waren es im Jahr 2018 nur noch 27.825. Das ist ein Rückgang von etwa 3,7 Prozent. Noch größer ist der Rückgang im Vergleich zu Zahlen aus dem Jahr 2003. „Wir haben die Zahlen verglichen, weil man landläufig immer hört, dass alles gefährlicher geworden ist und es früher sicherer war“, so Wernicke. „Aber damals im Jahr 2003 hatten wir tatsächlich 36.088 Straftaten registriert.“

Aufklärungsquote schwankt

Auch die Aufklärungsquote im Bereich des Polizeireviers stieg leicht an: Konnte im vorletzten Jahr nur in 45,1 Prozent der Fälle ein Tatverdächtiger ermittelt werden, waren es im Jahr 2018 immerhin 45,3 Prozent. Dabei sind die Quoten je nach Straftat sehr unterschiedlich.

Kaum eine Chance, den Täter zu bekommen, hat die Polizei etwa bei Kellereinbrüchen. Hier ist die Aufklärungsquote im Jahr 2018 auf einen Wert von gerade einmal 7,8 Prozent gesunken. Das heißt, nicht einmal einer von zehn Kellereinbrechern wird gefasst. Genauso schlecht sieht es bei der Verfolgung von Fahrraddieben aus.

Auch wenn Zahl der Delikte insgesamt gesunken ist, steht Polizei vor einem altbekannten Problem

Wer hingegen Opfer eines sogenannten Rohheitsdeliktes, also etwa Raub oder Körperverletzung wird, hat gute Chancen, dass der Täter zur Rechenschaft gezogen wird. Die Aufklärungsquote lag bei 80,1 Prozent.

Auch wenn die Zahl der Delikte insgesamt gesunken ist, steht die Polizei nach wie vor vor einem altbekannten Problem: so genannte Intensivtäter, die regelmäßig in Keller und Wohnungen einbrechen. Oft wollen sie damit ihre Drogensucht finanzieren. Als im Jahr 2016 die Diebstähle aus Kellern in die Höhe schossen, gründete die Polizei ein Jahr darauf eine Ermittlungsgruppe, die sich nur um jene Intensivtäter kümmert.

Kriminalstatistik Halle 2018: Zahl der Kellerdiebstähle sank von 3.045 auf 2.433

Das zeigte offenbar Erfolg: Die Zahl der Kellerdiebstähle sank von 3.045 auf 2.433. Doch die Täter scheinen sich nun auf Diebstähle in Wohnungen und Einfamilienhäuser umzuorientieren. Die Zahl stieg von 392 auf 458 Taten. „Wir werden deshalb weiterhin den Ermittlungsdruck auf die Intensivtäter hoch halten“, sagte Wernicke.

Denn Diebstähle machen einen riesigen Anteil an allen Straftaten in Halle aus. Fast die Hälfte aller 2018 registrierten Delikte waren Diebstähle. Verschwindend gering die Verbrechen, vor denen sich die meisten besonders fürchten: Tötungs- beziehungsweise versuchte Tötungsdelikte und Sexualstraftaten. Nur ein Prozent machen diese Taten insgesamt aus, auch wenn die Zahl der Sexualdelikte im Jahr 2018 von 333 auf 377 anstieg.

Mehr Drogendelikte

Vor Probleme stellt die Polizei auch die steigende Zahl von Drogendelikten. Wurden 2017 noch 1.171 solcher Rauschgiftvergehen registriert, waren es 2018 schon 1.290. Problematisch vor allem, weil es laut Polizei große Überschneidungen zwischen Einbrechern und Drogenkonsumenten gibt: Rund jeder vierte Einbrecher nimmt Drogen.

Übrigens: Von den 27.906 Delikten insgesamt wurden 2.059 von Nicht-Deutschen und 1.339 von Flüchtlingen verübt. Am häufigsten begehen Zuwanderer laut Statistik Rohheitsdelikte, gefolgt von Diebstählen sowie Vermögens- und Fälschungsdelikten. (mz)