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Tausende protestieren auf Straßen: Halle lässt den Identitären am 20. Juli keinen Platz

Protest, Sitzstreik Adam-Kuckhoff-Straße

Großer Protest gegen die Identitäre Bewegung in Halle: An der Adam-Kuckhoff-Straße, in der das IB-Haus liegt, Ecke Weidenplan hatte es am Samstag eine Spontandemonstration gegeben, um den Aufmarsch der Identitären zu behindern. Außerdem wurde weitere Straßenkreuzungen im halleschen bebelviertel blockiert. Am Nachmittag wurde der IB schließlich der Aufmarsch untersagt.

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Lohse

Halle (Saale) -

Am Samstagnachmittag brandet auf dem Markt in Halle immer wieder tosender Beifall auf. Beim Bürgerfest für Demokratie von Stadt und Universität hält nt-Intendant Matthias Brenner das Publikum über das Demonstrationsgeschehen in der Stadt auf dem Laufenden. Die vielen friedlichen Aktionen zeigen Wirkung. Alle wichtigen Plätze und Straßen der Innenstadt sind besetzt - von Familien, Studenten, Schülern, Politikern und Aktivisten. „Die Rechten haben heute gegen die Stadtgesellschaft verloren. Wir sind bunt und vielfältig. Genau dieses Zeichen wollten wir setzen“, sagt Brenner.

Auch das Bündnis gegen Rechts spricht von einer Schlappe für die Identitäre Bewegung, die in der Adam-Kuckhoff-Straße ein Sommerfest mit Kundgebung und einem Marsch durch das Viertel feiern wollte, sich aber letztlich keinen Meter vom Fleck bewegen konnte. Über 100 Einzelpersonen und Institutionen gehören dem Bündnis an. Sie alle hatten aufgerufen, für Demokratie und Vielfalt auf die Straße zu gehen.

Proteste gegen Identitäre Bewegung in Halle: "Konzept hat sich ausgezahlt"

„Das aufwendige Aktionskonzept hat sich ausgezahlt“, sagt Valentin Hacken, Sprecher vom Bündnis Halle gegen Rechts. Drei Demonstrationszüge und eine Fahrraddemo waren am Samstag auf unterschiedlichen Routen in Halle unterwegs. Viele Hallenser schlossen sich spontan den bunten Zügen an. Laut Hacken waren über 3000 Teilnehmer an den Demos beteiligt. Hinzu kamen Hunderte Besucher des Bürgerfestes auf dem Markt. Vor allem am Nachmittag waren die Sitzbänke vor der Bühne voll.

Steffi Beutel war mit ihrer Tochter Mette zunächst mit dem großen Demonstrationszug vom Steintor durch die Stadt gelaufen. „Ich wohne jetzt seit 15 Jahren in Halle. Und ich finde es wichtig, dass wir für Demokratie Gesicht zeigen. Und meine Tochter habe ich bewusst mitgenommen. Wer etwas bewegen will, schafft das nicht zu Hause auf der Couch.“ Später sitzt sie mit vielen anderen Hallensern und selbst gebackenem Kuchen an der großen Kaffeetafel vor dem Ratshof und verfolgt das Bühnenprogramm. Drumherum gibt es viele Mitmachaktionen.

Das Bürgerfest war kurzfristig von Oberbürgermeister Bernd Wiegand (parteilos) vom Steintor-Campus auf den Markt verlegt worden - die Entscheidung stieß auf Kritik wie Zustimmung. „Die Demokratiefeinde rücken näher. Wir müssen uns dagegen wehren“, sagt Oberbürgermeister Bernd Wiegand (parteilos) am Samstag, während Johanna Mierendorff, Prorektorin der Martin-Luther-Universität, die Weltoffenheit der MLU betont. „Wir setzen uns dafür ein, dass es so bleibt. Und wir stehen an der Seite der Stadt.“

Mit einem bunten Bürgerfest auf dem Markt setzten die Hallenser ein Zeichen für Weltoffenheit. Das Fest war kurzfristig durch den OB vom Steintor-Campus vor den Ratshof verlegt worden. Am Nachmittag war die Resonanz gut.

Mit einem bunten Bürgerfest auf dem Markt setzten die Hallenser ein Zeichen für Weltoffenheit. Das Fest war kurzfristig durch den OB vom Steintor-Campus vor den Ratshof verlegt worden. Am Nachmittag war die Resonanz gut.

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Lutz Winkler

Mehrere Blockaden im Bebel-Viertel verhindern IB-Aufmarsch

Die Entschlossenheit der Gegendemonstranten bekommen die etwa 200 Anhänger der Identitären Bewegung zu spüren. Rund um die Adam-Kuckhoff-Straße sind alle Straßen und öffentlichen Plätze dicht. Mehrmals versagt die Versammlungsbehörde den Identitären, dass sie das Areal für einen Aufmarsch verlassen dürfen.

Anhänger der Szene werden im Stadtgebiet blockiert. „Es ist gelungen, dass nicht die Rechtsextremen, sondern der Widerstand gegen sie den öffentlichen Raum dominiert haben“, sagt Hacken. Letztlich zahlt sich auch die Taktik der Polizei aus, die von einer weitgehend friedlichen Lage spricht. (mz)