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Die beiden Schüler Ole Horn (links) und Max-Ferdinand Zeh von „Fridays For Future“ wollen unter anderem die Parkplätze in der Geiststraße abschaffen, um Radfahrern und den Straßenbahnen mehr Platz und Vorrang im Innenstadtverkehr zu geben.

Die beiden Schüler Ole Horn (links) und Max-Ferdinand Zeh von „Fridays For Future“ wollen unter anderem die Parkplätze in der Geiststraße abschaffen, um Radfahrern und den Straßenbahnen mehr Platz und Vorrang im Innenstadtverkehr zu geben.

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Silvio Kison

Halle (Saale) -

Halle will seinen Beitrag zur Rettung des Planeten leisten. Der Stadtrat hatte der Verwaltung aufgetragen, das bisherige Klimaschutzkonzept zu überarbeiten. Oberbürgermeister Bernd Wiegand (parteilos) hatte zudem versprochen, alle Forderung der Schülerbewegung „Fridays For Future“ (FFF) zu übernehmen. Nun liegt das Ergebnis vor und soll im Stadtrat beschlossen werden. „Die Themen Klimaschutz und Klimafolgenanpassung sind bei allen städtischen Vorhaben prioritär zu berücksichtigen“, heißt es in der Beschlussvorlage zum Konzept. Von Seite 21 bis 24 sind sogar die Ziele der Umweltaktivisten abgedruckt. Doch das Klimaschutzkonzept geht FFF immer noch nicht weit genug. Warum nicht?

Kostenloser Nahverkehr

FFF will, dass der Nahverkehr kostenlos und die Innenstadt autofrei wird. Außerdem sollen mehr Fahrradwege gebaut und Verbindungen durch die ganze Stadt angelegt werden. Im Konzept wird der Verkehr als der Bereich bezeichnet, an dem wegen der CO2-Emissionen am dringendsten gearbeitet werden muss. Aktuell stellt die Stadt einen Maßnahmenplan für den Ausbau des Radverkehrs vor.

Außerdem diskutiert der Stadtrat, wie der Nahverkehr mit Schüler-, Sozial- oder 365-Tage-Ticket attraktiver gemacht werden kann. Zusätzlich wird geprüft, ob eine autofreie Altstadt möglich ist. „Die Debatte zum Verkehr ist gut“, sagt Ole Horn, einer der Aktivisten von FFF. „Es wird aber zu lange diskutiert und geprüft. Diese Zeit haben wir einfach nicht“, betont der 19-jährige Schüler.

Klimaschutzkonzept für Halle: Städtischen Gebäude nicht zu 100 Prozent mit Ökostrom betrieben

Die Stadt sollte Autos zum Beispiel aus der gesamten Innenstadt und nicht nur aus der Altstadt verbannen und den Nahverkehr für alle Bürger kostenlos machen – und das schnellstmöglich. Eine zweite Forderung der Bewegung ist es, stärker auf erneuerbare Energien zu setzen. Laut der Verwaltung erzeugen die Stadtwerke durch Photovoltaikanlagen bereits rund 2 Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr allein im Stadtgebiet.

Das entspreche einer jährlichen Einsparung von rund 1000 Tonnen Kohlenstoffdioxid. Im Klimaschutzkonzept steht zudem, dass die Verwaltung alle städtischen Gebäude zu 100 Prozent mit Ökostrom betreiben und die Bürger über Energieeinsparungen informieren will. Dazu FFF-Aktivist Max-Ferdinand Zeh: „Bisher gibt es längst noch nicht in allen öffentlichen Gebäuden Ökostrom.“

Informationen über Energie und Klimaschutz müssten weiter verbreitet und zudem fest im Lehrplan von Schulen verankert werden. „Für die Schulen ist zwar das Bildungsministerium verantwortlich ist. Aber die Stadt kann auch Druck beim Ministerium machen“, sagt der 15-Jährige.

OB Referent widerspricht der Kritik der Aktivisten

In öffentlichen Einrichtungen sollen laut FFF vegetarische und vegane Gerichte mit Bio-Lebensmittel angeboten werden. Dazu steht im Konzept, dass die Stadt Aktionstage zum nachhaltigen Konsum durchführen will. Vom vegetarischen oder gar veganen Essen in Kantinen ist jedoch nicht die Rede. „Die Forderung ist zwar bekannt, wurde aber nicht übernommen“, sagt Horn. Die Aktivisten fühlten sich an vielen Stellen nicht ernst genommen. „Uns ist das Konzept insgesamt nicht ambitioniert genug“, fügt Zeh hinzu.

OB Referent Oliver Paulsen (Grüne) widerspricht der Kritik von FFF: „Es wurde jede einzelne Forderung bei den gemeinsamen Beratungen besprochen.“ Zum Teil würden diese bereits politisch diskutiert oder könnten aus rechtlichen Gründen nicht umgesetzt werden. „Am Ende der Diskussion bestand mit den Vertretern von FFF Einigkeit“, fügt Paulsen hinzu. (mz)