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Engagement in Glaucha: Grundstück des Stadtgartens soll teuer verkauft werden

Das Gelände des Stadtgartens in Glaucha steht zum Verkauf.

An den Hauswänden des Nachbarschaftsgartens in Glaucha haben sich Bürger künstlerisch verewigt. Die Fläche steht nun zum Verkauf.

Foto:

Silvio Kison

Halle (Saale) -

Die Petersilie sprießt in einer Wanne, in dem Beet daneben hängen immer noch einige Tomaten an den Ranken. Die diesjährige Saison im Stadtgarten Glaucha an der Torstraße nähert sich allmählich dem Ende.

Die Blätter des Johannisbeerstrauchs sind bereits in einem goldenen Braunton gefärbt. Ob die Hobby-Gärtner des Postkult-Vereins auch im kommenden Frühjahr die Erde auf diesem Grundstück beackern können, ist im Moment allerdings völlig unklar. Denn das etwa 1.200 Quadratmeter große Areal wird aktuell zum Verkauf angeboten.

Darum steht das Gelände vom Postkult-Verein  zum Verkauf

530.000 Euro kostet das unbebaute längliche Grundstück unweit der Saale. „Ich weiß, dass der Preis recht hoch angesetzt ist“, sagt der Berliner Eigentümer und Immobilienmakler Kemal Sümer. Doch er sieht in der Metropolregion Halle-Leipzig einen aufstrebenden Markt – ähnlich wie dem von Berlin vor etwa zehn Jahren.

„Es gibt immer weniger innerstädtische freie Flächen und diese werden dadurch jedes Jahr attraktiver“, sagt Kemal Sümer. Halle erscheine ihm mit den vielen Studenten als eine junge und auch sympathische Stadt. „Die Region ist dahingehend wirklich unterbewertet“, fügt er hinzu.

Ursprünglich hatte Investor andere Pläne für das Grundstück

Mit seiner Firma Earth Immobilien hat er das Grundstück in Glaucha vor zwei Jahren übernommen. Zunächst wollte der Investor ein modernes Holzhaus auf das Areal gegenüber des Rewe-Einkaufsmarktes bauen. Doch davon ist er mittlerweile aus finanziellen Gründen wieder abgerückt.

Sümer hat sich nun dafür entschieden, das Grundstück weiterzuverkaufen – natürlich zu einem höheren Preis als noch vor zwei Jahren. Bis ein Käufer gefunden ist, kann der Verein Postkult den Garten aber weiterhin kostenfrei nutzen und gestalten sowie darin Veranstaltungen wie zuletzt das Herbstfest organisieren.

Dass der Tag kommen wird, an dem die Blumenwannen, die Paletten-Möbel und der kleine Teich verschwinden müssen, dessen sind sich die Gärtner durchaus bewusst. „Wir nutzen den Stadtgarten noch solange, wie wir das können“, sagt Jens Wulfänger vom Vereinsvorstand.

Gemeinschaftsgarten von Postkult sollte Stadtteil aufwerten

Als die Aktiven von Postkult vor neun Jahren damit begonnen haben, den Gemeinschaftsgarten auf der verwilderten Wiese anzulegen, sollte ein kreativer Freiraum und ein Begegnungsort für die Anwohner des dortigen Viertels geschaffen werden.

„Glaucha hat damals noch einen recht erbärmlichen Anblick abgegeben“, erinnert sich Jens Wulfänger. Die Stadt entwickelte zu diesem Zeitpunkt Konzepte, um das innenstadtnahe Wohngebiet insgesamt aufzuwerten. Postkult nutzte die Gunst der Stunde und baute neben dem Stadtgarten außerdem einen Umsonstladen und eine Fahrradwerkstatt am Böllberger Weg auf.

Ähnliche Projekte gibt es in etlichen größeren Städten wie Leipzig und Berlin. Und auch in Halle treffen sie immer noch einen Nerv der Bewohner. Der permanente Warentausch im Umsonstladen zeugt davon.

Verein sucht nach neuen Platz für Stadtgarten

Wenn das Grundstück des Stadtgartens tatsächlich verkauft ist und wieder bebaut werden soll, will der Verein eine alternative Fläche suchen – bisherige Bemühungen waren jedoch noch nicht erfolgreich. Es steht die Idee im Raum, einen Nachbarschaftsgarten unmittelbar am Künstlerhaus 188 am Böllberger Weg aufzubauen.

Laut Jens Wulfänger gab es dazu bereits ein Gespräch mit den Verantwortlichen des Künstlerhauses. Bisher wurde aber noch nichts Konkretes vereinbart. (mz)