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Die letzte erste Tanke: Hallenser drehen Dokfilm zum Tanktourismus im Grenzgebiet

Conrad Winkler und Ferdinand Hauser

Die Hallenser Conrad Winkler (l.) und Ferdinand Hauser haben einen Film gedreht. Premiere ist am Samstag im WuK am Holzplatz.

Foto:

C. Winkler

Halle (Saale) -

Zwei Tankstellen in der Mitte Europas. Zwei Nicht-Orte. Eine Grenze. Die Kunden kommen und fahren. Die Tankwarte bleiben. Während Theresa an der Tankstelle ihres Vaters im bayerischen Furth im Wald aufgewachsen ist und nun dort arbeitet, ist Ján erst seit wenigen Wochen an der Tanke in Železná angestellt, unweit der deutsch-tschechischen Grenze und des ehemaligen Eisernen Vorhangs.

In dem vom Deutsch-Tschechischen Zukunftsfond geförderten Film „Die letzte erste Tanke/První a poslední pumpa“ stehen Theresa und Ján im Mittelpunkt, erzählen aus ihrem Alltag.

Dokumentarfilm über Heimat und Grenzen, über Tanktourismus, Deutsche und Tschechen

Gedreht haben den zweisprachigen Dokumentarfilm über Heimat und Grenzen, über Tanktourismus, Deutsche und Tschechen und das Leben an der Tankstelle zwei Hallenser: Conrad Winkler, 23, und der 25-jährige Ferdinand Hauser. „Die Idee dazu kam uns in Prag“, so Conrad Winkler, der bereits während der Schulzeit am Burg-Gymnasium Wettin erste eigene Filmprojekte beim Offenen Kanal Wettin realisiert und dafür schon einige Lorbeeren verdient hat.

Derzeit studiert er an der Münchner Hochschule für Fernsehen und Film im Fach Dokumentarfilm und Fernsehpublizistik. Ferdinand Hauser, Latina-Absolvent, studiert nach seinem Studium der Westslawistik in Leipzig und an der Karls-Universität in Prag, nach Praktika im Abgeordnetenhaus des Parlaments der Tschechischen Republik und im Prager Goethe-Institut derzeit im Master Übersetzen in Tschechisch und Deutsch an der Uni in Wien.

20 Tankstellen im deutsch-tschechischen Grenzgebiet abgeklappert

Ihr Filmprojekt um jeweils eine Tankstelle in Deutschland und in Tschechien haben die beiden Freunde innerhalb eines Jahres umgesetzt. „Zunächst haben wir an einem Wochenende im März 2019 erstmal 20 Tankstellen im deutsch-tschechischen Grenzgebiet abgeklappert“, erzählt Conrad Winkler. Letztlich sei die Wahl auf die von Theresa und Ján gefallen. „Tankstellen sind ja Orte, an denen man sich nur kurz aufhält“, so Conrad Winkler.

Umso mehr habe sie das Leben derjenigen interessiert, die dort bleiben, weil sie dort ihren Lebensunterhalt verdienen. „In unserem Film werden wir garantiert nicht die Frage beantworten, warum es so unterschiedliche Preise beiderseits der Grenze gibt“, sagt Winkler mit Blick auf den allseits bekannten Tanktourismus. Vielmehr wollen die beiden jungen Filmemacher Menschen miteinander verbinden - „spojovat lidi“, wie es auf Tschechisch heißt, und zwar im Film ebenso wie beim Vorführen des Films.

„Unser Film will einen Beitrag zum deutsch-tschechischen Dialog leisten“

Zu unterscheiden, Grenzen zu ziehen - das sei ein Automatismus des menschlichen Denkens und Handelns. „Unser Film will einen Beitrag zum deutsch-tschechischen Dialog sowie zur europäischen Verständigung leisten“, sagt Conrad Winkler. Im Jahr 2020 trenne kein schwerer, rostiger, Eiserner Vorhang mehr die Bayern und die Böhmen. Es sei Zeit, „Hallo“ zu sagen - und „Ahoj“, so Hauser.

Seine Premiere erlebt der Film in der Heimatstadt seiner Macher - in Halle. „Das war unser Wunsch, und wir freuen uns, viele Freunde und Bekannte wiederzusehen“, sagt Winkler. Zur Filmvorführung wird die deutsch-tschechische Band Plavky spielen, die den Soundtrack zum Film beigesteuert hat, ebenso die hallesche Band Graceland.

››Premiere und Konzert im WuK am Holzplatz, Samstag, 19. September, 20.30 Uhr (mz)