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Adrian Ursache rastet aus: Angeklagter fordert Todesstrafe für korrupte Politiker

Adrian Ursache mit Anwalt

Adrian Ursache (links) mit seinem Anwalt Hartwig Meyer

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Steffen Könau

Halle (Saale) -

Alles noch einmal von vorn. Nach der Weihnachtspause ist der inzwischen seit 47 Verhandlungstagen andauernde Prozess gegen den früheren Solarunternehmer und Schönheitskönig Adrian Ursache mit der erneuten Verlesung eines 116-seitigen Papiers des Mannes aus Reuden im Burgenlandkreis fortgesetzt worden.

Adrian Ursache, der wegen versuchten Mordes an einem SEK-Beamten angeklagt ist, bezeichnet die Ausarbeitung als „Antrag“. Er ziele darauf ab, das am Landgericht in Halle seit nunmehr 15 Monaten laufende Verfahren zu unterbrechen. Das sei notwendig, so der 43-Jährige, damit der Internationale Gerichtshof der UN vor einer Fortsetzung prüfe, „welches Völkerrechtssubjekt eigentlich zuständig ist“.

Prozess gegen Adrian Ursache: „Ich bin nicht gewalttätig, aber ich bin gewaltbereit“

Alter Wein in neuen Schläuchen. Ähnliche Anträge und Einwendungen hatte Ursache im Verfahrensverlauf schon mehrfach vorgebracht. Neu diesmal: Der Vater zweier Söhne nutzt die erstmalige Abwesenheit von Ehefrau Sandra, die normalerweise stets auf der Verteidigerbank Platz nimmt, um seine Drohungen gegen Behördenmitarbeiter, Gerichtspersonal und die Erwerber des ursprünglich seiner Familie gehörenden Hauses in Reuden zu verschärfen.

„Ich bin nicht gewalttätig, aber ich bin gewaltbereit“, sagt er und versichert dann seine Entschlossenheit, „mein Eigentum zurückzuholen, notfalls mit Gewalt“. Dass die „Jackenträger der Wortmarke Polizei“ (Ursache) versucht hätten „mich umzubringen“, könne ihn nicht schrecken. „Ich habe keine Angst vor dem Tod.“

Prozess gegen Adrian Ursache: Angeklagter verlässt den zuletzt eingeschlagenen Kurs

Nach einer Unterbrechung, die die drei von dem Ausbruch offenkundig überraschten Anwälte beantragen, mäßigt sich Ursache nur wenig. Ja, er sei für die Todesstrafe für korrupte Politiker und „ich werde alles tun, um sie zu verwirklichen“, sagt er.

Feinde müssten mit Gewalt bekämpft werden, notfalls mit tödlicher Gewalt, heißt es in den weiteren Ausführungen. Damit verlässt der von den Behörden als „Reichsbürger“ eingeordnete gebürtige Rumäne den zuletzt eingeschlagenen Kurs, sachliche Widersprüche in der Anklageschrift und bei der Sachaufklärung im Prozess anzugreifen.

Prozess gegen Adrian Ursache: Angeklagter wettert gegen „faschistische Elite“

Stattdessen wettert Ursache gegen eine „faschistische Elite“, die immer noch im Amt sei, er vergleicht sich mit Stauffenberg und mit Afroamerikanern, die sich gegen Polizeigewalt wehren, er bemüht Bibelzitate und die Gründerväter der Bundesrepublik und landet schließlich immer wieder bei hanebüchenen Theorien, die die Legitimität der Bundesrepublik infragestellen.

„Deutsch“ zum Beispiel, wie im Pass vermerkt, sei keine Staatsbürgerschaft, wettert Ursache, der stets gern auf seine Einbürgerungsurkunde verweist, auf der als Staatsangehörigkeit „Deutschland“ steht. Hier sehe jedermann deutlich, dass es der Bundesrepublik an völkerrechtlicher Substanz fehle – wie wohl auch Australien und Kanada, die ihre Staatsbürgerschaften nicht „Kanada“ und „Australien“ nennen, sondern „australisch“ bzw. „kanadisch“.

Fakten, die Adrian Ursache nicht irritieren können. „Wer, wenn nicht ich, ist die Demokratie“, ruft er, ehe ein „Amen“ den Vortrag beendet, der die Geduld von Gericht und Prozessbeobachtern ein weiteres Mal strapaziert hat. Fortsetzung des Verfahrens ist Ende Januar. Neue Termine sind inzwischen bis Mitte März angesetzt. (mz)