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Traditionsgeschäfte : Schlüsselfragen klärt Herr Willig

Stefan Willig (vorn) und sein Vater Hans-Werner in der Werkstatt.

Stefan Willig (vorn) und sein Vater Hans-Werner in der Werkstatt.

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Frank Gehrmann

Aschersleben -

„Wir kriegen alles auf. Nur Tresore nicht.“ Was sich wie ein Werbeslogan anhört, ist die volle Überzeugung von Stefan Willig. Der 40-Jährige hat das Geschäft seines Vaters Hans-Werner Willig 2004 übernommen.

Den Schlüsseldienst Willig gibt es seit 50 Jahren schon, und so gehört auch dieses Familienunternehmen zu den „Ladenbehütern“. Wenngleich der „Laden“ eigentlich eine Werkstatt ist.

Offiziell gegründet wurde das Geschäft 1966 von Hans-Werner Willig, einem gelernten Dreher und Ingenieur. Damals erledigte er den Dienst an Schlüssel und Schloss noch neben seiner Arbeit als Krankenpfleger. Alles begann mit einem Auftrag im damaligen Konsum auf dem Zollberg. Dort war eine Einbausicherung einzubauen. „Und so hat eins das andere gegeben“, erzählt Stefan Willig. Zum Leben hätte das Gewerbe damals wohl nicht gereicht. „Es gab weniger Technik, und es wurde einfach nicht so viel Wert gelegt auf gut gesicherte Türen“, vermutet der Firmenchef.

Heute ist das ganz anders. Wenn die Zahl der Wohnungseinbrüche steigt, wird auch das Sicherheitsbedürfnis größer. Das wirkt sich aufs Geschäft aus. Dennoch sind von den Firmen, die nach der Wende wie Pilze aus dem Boden schossen, nur noch wenige übrig geblieben. Die Schließtechnik, sagt Stefan Willig, wird immer vielfältiger und komplizierter. So gehören der Neubau von Schließanlagen und Reparaturen heute zu den vordringlichen Aufgaben der Firma.

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Stefan Willig zählt zu den wenigen Dienstleistern, die Türöffnungen rund um die Uhr anbieten. „Das tut sich nicht mehr jeder an“, sagt er. Die Frequenz der Einsätze ist völlig unterschiedlich: von keinem bis zu fünf am Tag. „Seltsamerweise sperren sich die Leute öfter aus, wenn es warm ist“, hat er festgestellt. Nicht selten passiert es, dass sich Menschen nachts versehentlich im Bad einschließen, weil die Verriegelung abgebrochen ist. „Wenn wir da helfen können, stehen uns oft sehr erleichterte Menschen gegenüber“, sagt Stefan Willig. Schon mit 14 Jahren begann er im väterlichen Betrieb mitzuarbeiten. Schnell hatte er Feuer gefangen für einen Beruf, den es als solchen nicht gibt. Deshalb lernte er im Autohaus Hyundai zunächst den Beruf des Kfz-Mechanikers. Zwar habe ihm auch die Autoschrauberei viel Spaß gemacht. Dennoch zog es ihn zurück zum Schlüsseldienst, der ständig neue Herausforderungen bereithält und aus seiner Sicht nie langweilig wird. Manchmal sind es durchaus auch traurige Umstände, die seine Arbeit begleiten. So zum Beispiel, wenn Gerichtsvollzieher oder Polizei rufen, um Wohnungen öffnen zu lassen.

Sosehr er sich freut, wenn er Verzweifelten helfen konnte, umso mehr ärgert ihn unsachgemäßer Umgang der Ausgesperrten mit ihren Schlössern. Der Satz „Ich hab schon mal angefangen“ lasse meist nichts Gutes ahnen. „Sie glauben gar nicht, wie viele kaputte Geld- und Ausweiskarten und wie viele zerstörte Schlösser und Türrahmen ich schon gesehen habe“, sagt Willig. Meist werde es dann erheblich teurer als eine professionelle Türöffnung.

Im März 2013 haben die Willigs begonnen, den Firmensitz in der Westdorfer Straße zu modernisieren und auszubauen. Pünktlich zum 50. Firmengeburtstag im März war alles fertig. Der Senior, inzwischen 72 Jahre alt, hilft immer noch mit und nimmt seinem Sohn einiges ab. Lebensgefährtin Ninette Backhaus kümmert sich ums Büro, während ihr Mann meist im Außendienst arbeitet und Kunden bis Wolfsburg und Hannover betreut. Mit Dennis Ulbrich wird ein neuer Mitarbeiter peu a peu angelernt. „Die Fertigkeiten zu erwerben, das dauert schon eine Weile“, sagt Stefan Willig. (mz)