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Wirtschaft: Online und lokal einkaufen?

Im sozialen Netzwerk Facebook gibt es bereits eine Seite „Kaufhaus Innenstadt Zeitz“.

Im sozialen Netzwerk Facebook gibt es bereits eine Seite „Kaufhaus Innenstadt Zeitz“.

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Torsten Gerbnak

Zeitz -

Ob Schuhe, Möbel oder Lebensmittel: Viele kaufen über das Internet ein. Durch internationale Plattformen werden allerdings immer mehr die lokalen Einzelhändler geschwächt. Aus diesem Grund entstand in Wuppertal vor einem Jahr eine Initiative, die dem entgegenwirken soll: „Online City Wuppertal“. Bei dem Projekt haben sich zahlreiche Geschäfte der Stadt zusammengeschlossen und eine lokale Online-Einkaufswelt geschaffen. Kann das auch in Zeitz funktionieren? Die MZ hat nachgefragt:

Spielwaren Schwier

In der Kalkstraße gibt es seit 115 Jahren das Spielwarengeschäft Schwier. In den letzten Jahren ging der Umsatz allerdings zurück. „Zwar kaufen viele Großeltern für ihre Enkel bei uns ein, aber die jüngeren Generationen fehlen“, sagt Inhaber Jürgen Schwier. Einen Online-Auftritt gibt es bereits vom Geschäft. Einen kooperativen Onlinehandel könnte sich der 71-Jährige für die Stadt auch vorstellen. Gerade weil in kleineren Orten wie Zeitz der Einzelhandel zurückgehe.

Optiker Rebien

Auch das Brillenfachgeschäft von Eva-Maria Rebien gehört zu den Konstanten im Zeitzer Einzelhandel. Seit mehr als 40 Jahren existiert der Optiker bereits. An einem lokalen Online-Handel wäre die Betreiberin jedoch nicht interessiert. „Dadurch würde die persönliche Nähe und Beratung fehlen“, erklärt Rebien. Der Umsatz in ihrem Geschäft ist in der Vergangenheit weitestgehend gleichgeblieben, daher sieht Eva-Maria Rebien für sich keinen Bedarf für ein Zeitzer Online-Einkaufsportal.

Buchhandlung Gutenberg

Sabine Nüssel hat für ihre Buchhandlung nicht nur eine Webseite erstellen lassen, sondern auch gleich einen Online-Shop integriert. So kann man direkt online Bücher bestellen oder eben noch ganz klassisch das Geschäft in der Wendischen Straße in Zeitz besuchen. „Über ein lokales Stadtportal zum Einkaufen habe ich schon mal gelesen“, erzählt die Inhaberin. Allerdings finde sie das persönlich nicht interessant, da sie bereits einen Web-Shop führe. Den größten Umsatz mache sie ohnehin durch die Kundschaft im Geschäft. „Mehrere Online-Shops würden die Kunden dann verunsichern“, erklärt Sabine Nüssel.

Weinhaus Zeißer

Auch Romy Zeißer verschließt sich der digitalen Welt nicht. „Ich denke, wir sind gezwungen, irgendwann online zu gehen, denn der Einzelhandel entwickelt sich rudimentär“, so die Inhaberin des Weinfachgeschäfts in der Schützenstraße. „Allerdings sind liebevoll dekorierte Geschenke schwierig zu verschicken, die Atmosphäre gehe mit dem Onlinehandel verloren und Kekse oder Glas können schnell zerbrechen“, erklärt Romy Zeißer. Außerdem passe das Konzept des Online-Shops nicht für jedes Geschäft. „Wir bieten Erlebniseinkaufen an. Das heißt, unsere Kunden können mit allen Sinnen hier einkaufen gehen“, so Romy Zeißer. Und mit einem Web-Shop würde diese Komponente wegfallen. Sie hofft, durch ihre Stammkundschaft und mit dem besonderen Einkaufskonzept noch lange in der Offline-Welt bestehen zu können.

Reisebüro Reiseland

Die Büroleiterin Bianka Knöchel bietet ihren Kunden bereits die Möglichkeit, den Urlaub auch online zu buchen. „Hier in der Region wird jedoch die Online-Option bisher wenig genutzt“, sagt sie. Denn viele Kunden legen Wert auf eine persönliche Beratung, die sie im Internet so nicht finden. „Aber ich denke, dass das Online-Angebot als Zusatzgeschäft funktionieren kann“, findet Bianka Knöchel.

Geschenkeladen Inspiration

Steffi Schultz-Thrandorf macht die zunehmende Digitalisierung eher Angst: „Die Menschen werden bequemer durch das Online-Shopping und die Händler sterben immer mehr aus.“ Sie selbst versucht, für sich den richtigen Weg dabei zu finden. So kann der Kunde online alle Produkte einsehen, allerdings kann nur im Geschäft gekauft werden. Seit elf Jahren betreibt sie nun ihr Geschäft für Dekoration und Präsentkörbe mit individuell zusammengestellten Produkten wie Wein, Schokolade oder Gewürze. Dabei besteht der Laden vor allem durch die individuelle Note vor Ort.

Spowa zum Ross

Jörg Stöver betreibt seit drei Jahren das Sportgeschäft am Roßmarkt. Einen Online-Handel kann sich der 38-Jährige für Zeitz sehr gut vorstellen. Gerade arbeitet er für den Verein Stadtmarketing an Aufklebern, die die Kunden zum lokalen Einkaufen animieren sollen. „Es ist wichtig, dass die Menschen vor Ort einkaufen“, so Jörg Stöver. Gleichzeitig findet Stöver, dass das Internet als zusätzliche Möglichkeit genutzt werden sollte: „Wir haben auch einen Online-Shop und sind natürlich auch bei Facebook präsent“, erklärt der Zeitzer Geschäftsinhaber. Allerdings koste die digitale Welt auch Zeit und Geld. „Einige Sportmarken setzen bereits ein Zeichen, in dem sie in ihren Vertragsbedingungen den Händlern verbieten, ihre Produkte bei Amazon zu verkaufen, um so den stationären Handel zu unterstützen. Das finde ich gut“, fügt Jörg Stöver hinzu. Er fände es gut, wenn auch in Zeitz ein lokaler Online-Handel eingerichtet würde.

Passantenmeinungen

Auch Silvio Beyer würde bei einem Zeitzer Online-Shop einkaufen. Der 38-jährige Versicherungskaufmann findet, dass die digitalen Möglichkeiten genutzt werden sollten. „Es gibt so viele Möglichkeiten, mit Apps fürs Smartphone zum Beispiel“, so Beyer. Adelheid Schönfeld sieht das anders. Sie kauft lieber direkt im Geschäft ein: „Ich möchte prüfen, was ich kaufe. Ich hoffe, dass die Zeitzer Händler auch in 20 Jahren noch Bestand haben werden.“

Fazit

Viele Einzelhändler in Zeitz präsentieren bereis ihr aktuelles Angebot oder zumindest ihr Geschäft online. Das Interesse an einem gemeinsamen Online-Portal bleibt dabei eher mäßig. Zum einen, weil Geschäfte wie die Buchhandlung Gutenberg, das Reisebüro Reiseland oder der Sportfachhandel Spowa zum Ross schon einen Internetshop für ihren Laden nutzen. Zum anderen stehen für viele Händler Aufwand und Nutzen nicht im Verhältnis, denn jedes neue Produkt muss auch online mit Foto und Text versehen werden. Zudem lebt so mancher Einzelhändler gerade vom persönlichen Gespräch und vom Sinneseindruck wie im Weinhaus Zeißer oder im Geschenkeladen Inspiration.

Eine aktuelle Studie des Kölner Instituts für Handelsforschung (IFH) ergab, dass zwar viele Konsumenten lokale Online-Shops besser bewerten als überregionale Plattformen, allerdings habe dies am Ende keine Auswirkung auf die Kauflust. (mz)


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