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Gedenkfeier für Museumsbegründer Zeitz : Ein Mann mit feinem Humor

Auf dem Michaelisfriedhof ist Samstagmorgen ein Gedenkstein für Konrad „Papa“ Braun eingeweiht worden. Die Idee hatte der Petrik Wittwika (r.). Umgesetzt wurde die Idee mit Hilfe des Fördervereins Historisches Kochbuch Zeitz, der Initiativgruppe Weinhof Kloster Posa und einer Baufirma.

Auf dem Michaelisfriedhof ist Samstagmorgen ein Gedenkstein für Konrad „Papa“ Braun eingeweiht worden. Die Idee hatte der Petrik Wittwika (r.). Umgesetzt wurde die Idee mit Hilfe des Fördervereins Historisches Kochbuch Zeitz, der Initiativgruppe Weinhof Kloster Posa und einer Baufirma.

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H. Krimmer

zeitz -

„Nur mit dem Singen hat er es nicht so gehabt“, sagt Ilse Manske aus Zeitz und schmunzelt. Dabei beugt sie sich im Gang vor dem Festsaal von Schloss Moritzburg über eine Vitrine, in der Zeugnisblätter von Konrad Braun zu sehen sind. Und Ilse Manske kann aus den historischen Aufzeichnungen entnehmen, dass beim Gesang ein „ungenügend“ notiert ist. Doch das ist egal. Kronrad Braun hatte ganz andere Fähigkeiten und Eigenschaften, auf die Zeitz noch heute stolz sein darf.

Konrad Braun gilt als Begründer und erster Direktor des Zeitzer Museums in Schloss Moritzburg. Samstag vor 150 Jahren wurde er geboren. Grund genug, Braun im Rahmen einer Festveranstaltung zu gedenken und ihm auf dem Michaelisfriedhof ein Denkmal zu setzen. Denn bevor der Heimatforscher und -autor Petrik Wittwika im Rahmen eines Vortrags Konrad Braun, der im Volksmund „Papa Braun“ genannt wurde, vorstellte, und seine Arbeit würdigte, gab es einen feierlichen Akt auf dem Michaelisfriedhof. Im südöstlichen Teil des Friedhofs, in der Nähe des oberen Eingangs an der Gleinaer Straße, ist ein Gedenkstein eingeweiht worden, auf dem eine Tafel an Braun erinnert. Den Platz für den Stein im oberen Teil des Friedhofs bezeichnete Elvira Bach (83) als „gut gewählt“. Schließlich befinde er sich ganz in der Nähe der einstigen Grabstätte Brauns. Elvira Bach, die jetzt in Bruchsal (Baden- Württemberg) lebt, ist eine Enkelin des Museumsgründers, sie nahm zusammen mit ihrem Sohn Thomas Bach und ihren Geschwistern Gudrun Braun-Löbel und Ulrich Braun an den Feierlichkeiten teil. Es erfülle sie und die anderen Nachfahren Brauns mit Stolz, dass der Großvater derart gewürdigt wurde, so Elvira Bach gegenüber der MZ. Und: „Es ist schon ein Ereignis, eine Art Erhebung“, sagte sie weiter.

Dem Großvater nahe

Bereits zur Eröffnung der Feierstunde hatte die Enkeltochter das Wort vor den etwa 60 Gästen ergriffen und über ihren Großvater erzählt. Zwar habe sie ihn persönlich nicht kennengelernt, aber von Mutter und Großmutter viel über den Mann erfahren. So zum Beispiel, dass der Weihnachtsbaum immer über seinen Geburtstag stehen geblieben ist, dass er einen sogenannten Bürstenschnitt hatte. „Wenn man über seine Haare strich, fühlte sich das an wie Samt“, so Bach. Nicht so bekannt sei gewesen, dass er einen „ganz feinen Humor besaß“. Um zu erklären, warum Konrad Braun den Beinamen Papa erhielt, bemühte Bach ein Zitat des Schauspielers Curt Götz. Der habe gesagt: „Humor ist nicht erlernbar. Neben Geist und Witz setzt er vor allem ein großes Maß an Herzensgüte voraus, an Geduld, Nachsicht und Menschenliebe.“ „All die Eigenschaften“, so Elvira Bach, „besaß Konrad Braun.“ Deshalb sei er liebevoll Papa genannt worden. Wenn die Großmutter von Elvira Bach später Zeitz besuchte, hatte sie zwei Ziele. Das Museum und den Friedhof. Elvira Bach begleitete sie. Im Museum habe die Witwe Weggefährten ihres verstorbenen Mannes getroffen und sich ihm verbunden gefühlt. Auf dem Friedhof zupften Elvira und ihre Großmutter welke Blätter von den Maiblumen ab, die sich auf Brauns Grab befanden. Sie waren seine Lieblingsblumen. Die Großmutter habe sehr darauf geachtet, dass sich Elvira die Hände danach wusch, weil Maiblumen giftig seien. „Maiblumen wurden auch meine Lieblingsblumen. Wenn sie vor dem Haus blühen, hole ich mir welche ins Zimmer und wasche mir natürlich die Hände“, sagte Elvira Bach. Dabei fühle sie sich Großmutter und Großvater nahe. (mz)


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