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Burgenlandkreis: Staunen pur

Uhr | Aktualisiert 05.12.2011 21:50 Uhr
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Susanne Friederich

Susanne Friederich vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie zeigt den Umschlag einer Handtasche. Besetzt ist dieser mit Hundezähnen und stammt aus dem letzten Abschnitt der Jungsteinzeit. Gefunden wurde er bei Ausgrabungen im Tagebau Profen. (FOTO: CORINA WUJTSCHIK)

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Ausgrabungsfunde im Tagebau Profen lassen neue Erkenntnisse über das menschliche Miteinander und die Grabkultur vor 5 000 Jahren zu.
PREDEL/MZ. 

"Da haben wir gestaunt, dass sich hier im Mitteldeutschen Raum verschiedene Kulturgruppen gesehen, nebeneinander gelebt und geachtet haben", sagt Susanne Friederich, Projektleiterin vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie am Montag in Predel. Im dortigen Grabungsbüro präsentierte sie mit Kollegen zahlreiche interessante und aufschlussreiche Funde aus dem Tagebau Profen. Aufschlussreich deshalb, weil man bisher weniger von einem friedlichen und partnerschaftlichen Zusammenleben der verschiedenen Kulturströme vor fast 5 000 Jahren ausging.

Eher das Gegenteil war der Fall, glaubte man über die Menschen im Mitteldeutschen Raum zu wissen. Also jene, die der Schönfelder-, der Glockenbecher- oder der Schnurkeramikkultur angehörten. Doch die Spuren, die Mitarbeiter des Landesamtes im Tagebau Profen entdeckten, sprechen eine andere Sprache. Seit 2002 werden in Zusammenarbeit mit der Mitteldeutschen Braunkohlengesellschaft (Mibrag) archäologische Ausgrabungen im Abbaufeld Schwerzau durchgeführt.

Vor einigen Jahren sorgte bereits ein reich ausgestattetes Frauengrab für Furore. Nun sind es die Erkenntnisse über die drei Kulturstämme, die staunen lassen. So sind bei der Untersuchung der Gräber mitunter Gefäße der Schnurkeramik neben der Glockenbecherkeramik gefunden worden. Wären die Gruppen verfeindet gewesen, hätten sich bekriegt, wären den Toten auf ihrem letzten Weg keine Gefäße der anderen Kultur mitgegeben worden. Als weitere Besonderheit gelten die Gräber, in denen sowohl Schnurkeramik als auch die der Schönfelder freigelegt wurde. War letztere doch mehr im nördlichen Sachsen-Anhalt verbreitet.

Entdeckt wurden die Siedlungsspuren mitsamt Ofenanlagen und Abfallgruben sowie etwa 300 Bestattungen aus der ausgehenden Jungsteinzeit in den letzten fünf Jahren auf einer Fläche von mehr als 100 Hektar. Diese beachtliche Zahl zeigt, wie dicht die Region um Profen schon in der Vergangenheit besiedelt war. Zum Vergleich: In anderen Gegenden fand man oft Gräbergruppen von nicht mehr als zehn Bestattungen.

Bei den Toten lagen zahlreiche Beigaben, darunter die Keramikgefäße vermutlich mit Speisen befüllt, für den Weg ins Jenseits. Die Speisen sind nicht mehr erhalten. "Aber wir untersuchen, ob Lipide, also Fette, nachweisbar sind, um dadurch auf den Inhalt zu schließen", erklärt Susanne Friederich. Untersucht werden auch Backenzähne der Toten, in der Hoffnung, darin DNA zu finden. Die kann sich über einen so langen Zeitraum durchaus halten. Auch Schmuck, Knöpfe, Pfeilspitzen, eine Bernsteinkette und ein Überschlag einer Handtasche wurden freigelegt. Letzter ist mit vielen Hundezähnen vernäht und dadurch im Gegensatz zum Rest der Tasche erhalten geblieben. Dazu die Bernsteinkette, das lasse den Schluss zu, es war eine Frau aus reichem Hause, die man begraben hat, sagt Susanne Friederich.

Doch noch mehr Erkenntnisse haben die Fachleute gewonnen, nämlich dass man Gefäße extra für die Totenzeremonie anfertigte, das gute "Alltagsporzellan" den Toten also nicht mitgab. Im Vergleich zu den Grabbeigaben ist erkennbar, dass das Alltagsgeschirr besser und sauberer verarbeitet wurde und die Qualität des Tons eine hochwertigere war.

Abgeschlossen sind die archäologischen Untersuchungen aber noch nicht, sie dauern weitere Jahre an. Die Funde, allen voran die geborgenen Bestattungen, werden derzeit weiterführenden wissenschaftlichen Untersuchungen unterzogen. Um noch mehr Kenntnisse zu gewinnen.

Das im Tagebau Profen gefundene reich ausgestattete Frauengrab aus der römischen Kaiserzeit wird erstmals in der Landesausstellung "Pompeji - Nola - Herculaneum. Katastrophen am Vesuv" öffentlich zu sehen sein. Die Ausstellung im Landesmuseum für Vorgeschichte Halle wird am 9. Dezember eröffnet, sie dauert bis zum 8. Juni 2012.

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