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Außenstelle der Zast in Kretzschau: Schwierige Ankunft

Mehr als 200 Anti-Asyl-Demonstranten zogen am Sonntag erneut durch Kretzschau. Die Polizei sicherte die Jugendherberge ab dem Nachmittag.

Mehr als 200 Anti-Asyl-Demonstranten zogen am Sonntag erneut durch Kretzschau. Die Polizei sicherte die Jugendherberge ab dem Nachmittag.

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Marco Junghans

kretzschau -

Am Tag der Ankunft der ersten Flüchtlinge in Kretzschau haben mehr als 200 Demonstranten – darunter Dutzende Rechtsextreme und NPD-Anhänger - gegen die Einrichtung der Asylunterkunft protestiert. Erneut hatte der Kreistags-Abgeordnete Steffen Thiel (NPD) zum Protestzug durch den Ort aufgerufen - und dies bereits in der sechsten Woche in Folge. Neben Demonstranten aus dem Burgenlandkreis folgten ihm auch Protestler aus ganz Sachsen-Anhalt und Sachsen, die der Polizei als organisierte Neonazis bekannt sind. Bürgermeisterin Anemone Just (CDU) sagte, der Ort werde von den Rechtsextremen „instrumentalisiert“ - das Gros der Demonstranten komme nicht aus Kretzschau.

„Es ist problematisch, dass Rassismus und Fremdenfeindlichkeit gesellschaftsfähig werden, auch in unserem Ort“, sagte Just der MZ. Ähnlich sehen das die Ermittler des Verfassungsschutzes, die die Entwicklungen in Kretzschau fest im Blick haben. Angesichts dessen, dass die Demos nicht als NPD-Veranstaltungen angemeldet sind, hatte Hilmar Steffen vom Verfassungsschutz vergangene Woche geäußert, es sei erschreckend, dass die Grenze zwischen Zivilgesellschaft und Rechtsextremisten zunehmend verschwimme.

Auf der gestrigen Kundgebung sagte NPD-Redner Thiel, durch den festgelegten Zeitpunkt der Flüchtlings-Ankunft und die gleichzeitige Demonstration werde „Unfrieden im Ort“ gestiftet. Gleichzeitig forderte er die Demonstranten auf, am späten Abend zu der Unterkunft zu spazieren. Dutzende Einsatzkräfte der Polizei sicherten das Gelände.

„Die Demos in Kretzschau sind sehr ernst zu nehmen“, sagte Rechtsextremismus-Experte Torsten Hahnel vom Verein Miteinander. „Die Protagonisten dieser Demonstrationen sind die selben wie in Tröglitz.“ Dort hatte Thiel von Januar bis April auch regelmäßig Anti-Asyl-Demos angemeldet, nach dem Brand der geplanten Asylunterkunft waren diese ausgesetzt worden.

Hahnel sieht die Demos als bürgerlich-getarnte Protestzüge, von denen die rechtsextreme NPD profitiert. „Kretzschau wäre ohne die Nazis nicht den Weg der Demonstrationen gegangen. Der Kampf um die Straße, den wir gerade erleben, geht von den Nazis aus.“ Der Kampf um die Straße: Dies ist eine der Säulen des Strategiekonzepts, das sich die NPD in den 1990er-Jahren verordnete. Auch der „Kampf um die Köpfe“ und der „Kampf um die Parlamente“ gehören dazu.

Die Ankunft der ersten 37 Flüchtlinge in der Jugendherberge war am Sonntag von Polizei und Anwohnern mit Anspannung erwartet worden: Kretzschauer Asylgegner hatten im Internet zu einer Blockade vor der Herberge aufgerufen. Am späten Abend waren aber nur noch etwa 20 vor Ort.

Das Gelände dient ab sofort als Außenstelle der überfüllten Zentralen Aufnahmestelle für Flüchtlinge (Zast) in Halberstadt. Gegen 23 Uhr waren die Flüchtlinge, alles Syrer, noch nicht in der Jugendherberge angekommen.

Aufgrund der unverändert hohen Flüchtlingszahlen im Land war der Einzugstermin in Kretzschaus Jugendherberge zwei Wochen vorverlegt worden. Lutz-Georg Berkling aus dem Innenministerium beantwortete den Anwohnern gestern aktuelle Fragen über die künftige Nutzung des Geländes (siehe Text: „Polizeistreifen fahren...“). (mz)


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