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Wittenberg: Hilfe für die Ärmsten der Armen

Arne Lietz, Christoph Strässer und Christian Hörl (v.l.)

Arne Lietz, Christoph Strässer und Christian Hörl (v.l.)

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Thomas Klitzsch

wittenberg -

Es gibt kein Gespräch über Flucht und Not in diesen Tagen, bei dem die Emotionen nicht hochschlügen irgendwann. So ist es auch am Donnerstagabend in der Evangelischen Akademie Wittenberg gewesen, deren Direktor Friedrich Kramer zu einer Diskussion zum Thema „Deutschlands humanitäre Hilfe im Ausland. Genügt das bisherige Engagement?“ eingeladen hatte.

Der Chef moderierte gleich selbst, auf dem Podium saßen der Bundestagsabgeordnete und Beauftragte der Bundesregierung für Menschenrechtspolitik und Humanitäre Hilfe, Christoph Strässer (SPD), dessen Parteifreund, der Europaabgeordnete Arne Lietz, sowie Christian Hörl vom Deutschen Roten Kreuz (DRK). Diese Organisation ist, gemeinsam mit ihren internationalen Mitstreitern vom Roten Kreuz und Roten Halbmond, einer der maßgeblichen Partner der Bundesregierung, wenn es darum geht, Hilfe zu den Ärmsten der Armen und den Notleidendsten zu bringen, wie Strässer erklärt.

125 Millionen Menschen weltweit sind auf Hilfe angewiesen, 20 Milliarden US-Dollar werden dafür gebraucht. Das ist nicht so furchtbar viel - setzt man etwa den Bundeshaushalt dagegen. Da machten die 20 Milliarden nämlich weniger als zehn Prozent aus, erinnert Strässer. Er will mit dem Zahlenspiel auf etwas hinaus, das ihm am Herzen liegt wie jedem, der nun nicht mehr Gutmensch genannt werden darf, seitdem der polemisch missbrauchte, aber eigentlich unschuldige Begriff zum Unwort des Jahres gekürt worden ist.

Der Streit aber, den es unweigerlich gibt in Wittenberg, auch wenn er sich am Ende friedlich schlichten lässt, er geht um das Geld und um die Ideologie. Das Geld ist natürlich immer knapp, wenn es um Hilfe geht - nur bei Naturkatastrophen sprudeln die Spenden, wie Christian Hörl vom DRK meldet. Anders sieht es bei langfristigen - um nicht zu sagen aussichtslosen Konflikten wie dem in Syrien aus.

Immerhin: Mehr als 730 Millionen hat Strässer in seinem Etat, was sich freilich bescheiden ausnimmt gegen die mehr als sechs Milliarden, die das Entwicklungshilfeministerium ausgeben kann.

Nun kommt endlich die Kritik aus dem Publikum, ein fast heilig zu nennender Zorn im protestantischen Haus: Der Kapitalismus, die Amerikaner, die Rüstungsexporteure werden als Schuldige benannt, Papst Franziskus wird als Zeuge aufgerufen. „Sie reden von den bösen Amerikanern - Putin ist der wahre Kriegstreiber!“, böllert der gelernte Rechtsanwalt Strässer schließlich zurück, der jahrelang in Wittenberg tätig war, bevor er 2002 in den Bundestag einzog.

Die Haut ist dünn geworden dieser Tage, die Nerven liegen blank. Den Zündelbrüdern von Pegida und Co. wird es gefallen. Aber es hilft ja nichts: Man muss immer wieder das Gespräch suchen. Und Meinungen aushalten, auch wenn man sie selber nicht teilt.


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