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Wittenberg: Das Königreich von Peter Fitzek schrumpft

Bei der Selbstkrönung vor einem Jahr: Peter Fitzek nimmt im Mantel der Geschichte Huldigungen an.

Bei der Selbstkrönung vor einem Jahr: Peter Fitzek nimmt im Mantel der Geschichte Huldigungen an.

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Screenshot Werbefilm Königreich Deutschland auf Youtube

Wittenberg/MZ -

Neues aus dem Königreich. Peter Fitzek hat in einem Brief an die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) angedeutet, dass das Krankenhausgelände in Apollensdorf Nord überdimensioniert sein könnte. „Auch das Gelände (...) erscheint gegenwärtig (noch) als zu groß für lediglich 20 ständige Mitarbeiter“, schreibt Fitzek, der auch hier den „Pluralis Majestatis“ verwendet und „mit freundlichen Grüßen“ als „Peter, Imperator Fiduziar“ unterschreibt. Die Staatskanzlei in der Pestalozzistraße sei bereits geräumt.

Viel Geld für Immobilien

„Warum sollten Wir große Dinge leisten, die nur wenige Menschen zu schätzen wissen“, begründet Fitzek seine Ankündigung. „Eine Verkleinerung scheint geboten.“ Die Betonung liegt auf „scheint“, wie Fitzek am Montagabend betonte. Die Passage sei als Appell zu lesen. Mit der „Verkleinerung“ sei nur der Rückzug aus der „Staatskanzlei“ gemeint. „Wir werden Apollensdorf nicht aufgeben“, versichert Gründungsmitglied Martin Schulz, der für Medien zuständig ist.

Das ist allerdings nicht so einfach. Fitzek hat schon öffentlich vorgerechnet, wie viel Geld notwendig wäre, um die Immobilien zu halten - immerhin spricht er von Summen von rund 1,5 Millionen Euro. Und den großen Aderlass vor knapp einem Jahr, bei dem mehrere Bewohner das Königreich verlassen haben (darunter sogar der Zeremonienmeister der Gründung), scheint man auch nicht wettgemacht zu haben.

Also verhandelt Fitzek derzeit mit seinen Vertragspartnern. „Wir wollen Apollensdorf lastenfrei stellen“, sagt Fitzek, der an Tauschgeschäfte mit anderen Immobilien des Königreichs denkt. Denn abbezahlt ist das Gelände in Apollensdorf noch nicht. Die Paul-Gerhardt-Stiftung ist dabei nicht im Boot: „Wir haben das Gelände 2010 an jemanden verkauft, der nichts mit Herrn Fitzek zu tun hat“, versichert Kuratoriumsmitglied und Superintendent Christian Beuchel. Dieser „jemand“ will sich derzeit allerdings nicht zu dem Thema äußern. „Der Eigentümer kann im Moment keine Aussage dazu machen“, lässt er seinen Vertreter wortwörtlich ausrichten.

Wie es auch kommt: Ein König ohne Königreich wäre Fitzek trotzdem nicht. Die ehemalige „Neue Hauptwerkstatt“ von SKW, in der er sich zum „Souverän“ hat ausrufen lassen, ist im Eigentum von Fitzek und seinen Mitstreitern. Gleiches gilt für das „Reichstechnologiezentrum“ in der Reinsdorfer Bahnstraße, wo ein Auto stehen soll, das laut Fitzek mit Wasser fährt. Er steht nach eigenen Angaben selbst in den Grundbüchern, „als Treuhänder für die Stiftung Königreich Deutschland“. Angemietet sind dagegen offenbar die jetzt geräumte „Staatskanzlei“ an der Piesteritzer Werkssiedlung und die „Reichsbank“ in der Coswiger Straße.

Verhandlung in Neustadt

Für die droht Fitzek das nächste Bußgeld. Die Aufforderung zur Gewerbeanmeldung hat er offenbar verstreichen lassen, nun werde der Bußgeldbescheid erstellt, sagte am Montag Jörg Bielig, Leiter des städtischen Ordnungsamtes. Fitzek sei vom Amtsgericht schon einmal zu einem Bußgeld von 500 Euro verurteilt worden, weil er für einen anderen Laden kein Gewerbe angemeldet hatte.

Vors Amtsgericht muss Fitzek am Donnerstag wieder - in Neustadt am Rübenberge. Fitzek war dort ohne gültigen Führerschein angetroffen worden. Weitere Post hat der „oberste Souverän des nicht eingetragenen Vereins Königreich Deutschland“ von der Bafin erhalten. Fitzek muss alle Verträge für die Deutsche Gesundheits-, Ruhestands- sowie Haftpflichtschadensausgleichskasse abwickeln, weil ihm dazu die Erlaubnis der Bafin fehlt. Es sind nicht die ersten Anordnungen dieser Art. „Herr Fitzek ändert jedes Mal die Verträge“, erklärt Ben Fischer, Pressesprecher der Bafin. Die neuen Verträge müssten dann erneut geprüft und wieder beschieden werden. „Hätte er eine Erlaubnis für die Geschäfte, könnte man sie ihm irgendwann entziehen“, sagt Fischer. Allein, Fitzek habe die nicht einmal beantragt. Also wird die Bafin wohl weiter bescheiden. Und Fitzek wird weiterhin abstreiten, dass er erlaubnispflichtige Geschäfte macht. Sie seien schlicht „nicht existent“.

Auch die 900 000 Euro Zwangsgeld, die die Bafin wegen der „Reichsbank“ von ihm haben will, wird Fitzek nicht zahlen. „Die bekommen keinen Cent von mir“, sagte er am Montag. „Wir können nur hoffen, dass (...) die BRD-Besatzer-Sklaven den Anordnungen der Handlanger der internationalen Hochfinanz (...) nicht mehr blind folgen.“ Der Finanzaufsicht lässt Fitzek eine Chance, dem Spiel ein Ende zu bereiten. Er werde „Unsere Tätigkeit so lange beenden, bis Sie Uns wieder auffordern zu handeln“, bietet er ihr an. Sie muss nur einen Satz schreiben: „Peter, Oberster Souverän des Königreiches Deutschland, hört bitte auf zu handeln.“


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