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Wildkatzen im Naturpark Dübener Heide: Kleine "Tiger" im Anmarsch

Jetzt leben Wildkatzen - wie die hier abgebildete - auch wieder in der Dübener Heide.

Jetzt leben Wildkatzen - wie die hier abgebildete - auch wieder in der Dübener Heide.

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BUND/Thomas Stephan

Bad Düben -

Erst der Wolf und nun der kleine „Tiger“ der Wälder, sie ist wieder da: die Wildkatze. Es hat zwar eine Weile gedauert, aber der Nachweis ist erbracht: In der Dübener Heide leben Wildkatzen.

„Im September 2015 erreichte mich die Nachricht, dass eine vermeintliche Wildkatze an der B 183 in der Dübener Heide tot aufgefunden worden ist“, erinnert sich Almut Gaisbauer, Koordinatorin des Projektes „Wildkatzensprung“ vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) Sachsen. „Das Tier wurde vom Senckenberg-Institut Dresden morphologisch analysiert, und das Ergebnis ist eindeutig: eine echte Europäische Wildkatze! Eine Sensation, da es sich um den ersten Wildkatzen-Nachweis in Nordsachsen seit über 100 Jahren handelt.“

Und Nordsachsen ist bekanntlich Grenzgebiet zu Sachsen-Anhalt. Ein Katzensprung braucht es gewissermaßen nur, um in den Landkreis Wittenberg zu kommen. Und so will Janine Meißner, Mitarbeiterin für Artenmanagement beim Naturpark Dübener Heide, nicht ausschließen, dass die Tiere schon in der hiesigen Region leben.

Holzlatten mit Baldrian

Die Sachsen wollen es nun genau wissen und haben mit dem Wildkatzen-Monitoring - also einer systematischen Erfassung - begonnen. „Der BUND und viele weitere Akteure wie beispielsweise der Naturpark Dübener Heide gehen auf die Suche“, erklärt Meißner. Dies passiert mit Hilfe der Lockstockmethode, bei der raue Holzlatten aufgestellt und mit Baldrian besprüht werden.

„Wildkatzen werden von dem Duft des Krautes angezogen, reiben sich an den Lockstöcken und hinterlassen Haare“, so Meißner weiter. Diese Haarproben werden einmal wöchentlich mit Unterstützung durch Naturpark-Freiwillige vom Staatsbetrieb Sachsenforst abgesammelt und anschließend im Senckenberg-Institut Gelnhausen (Hessen) genetisch analysiert.

„30 dieser Lockstöcke wurden bereits aufgestellt, denn jetzt, von Februar bis April, ist die Ranzzeit der Wildkatzen“, erläutert die Artenmanagerin des Naturparks, die freilich bedauert, dass diese Methode nur auf sächsischem Gebiet angewandt wird. Die Gründe für die räumliche Begrenzung benennt Almut Gaisbauer, die das Projekt „Wildkatzensprung“ für den BUND in Sachsen koordiniert: „Das Aufstellen der Lockstöcke ist nicht teuer, dafür aber die Analyse pro Fund mit 150 bis 300 Euro“, sagt sie. Weil es noch keinen direkten Nachweis für das Dübener Heide-Gebiet in Sachsen-Anhalt gibt, habe man aus Kostengründen vorerst nur Sachsen bestückt.

„Je nachdem, wie die neuen Ergebnisse ausfallen, wird aber Sachsen-Anhalt einsteigen“, informiert sie. Die Ergebnisse der Lockstockkontrolle sollen zeigen, ob noch weitere Wildkatzen in der Dübener Heide leben, wie es um ihre genetische Vielfalt steht und welche Barrieren ihre Wiederverbreitung begrenzen. „Sie sind eine wertvolle Grundlage für den nachhaltigen Schutz der gefährdeten Art“, blickt Gaisbauer gespannt auf die ersten Erkenntnisse.

„Dass sich die Wildkatze bei uns im Waldnaturpark wohlfühlen würde, kann ich mir gut vorstellen“, denkt auch Axel Mitzka, Vorsitzender des Vereins Dübener Heide. „Ebenso freue ich mich zu erleben, auf welches Interesse wir damit bei unseren Heidefreunden stoßen und welches Engagement es bewirkt.“ Fraglich ist jedoch, ob Mitzka und seine Mitstreiter jemals eine Wildkatze in der Natur zu sehen bekommen. Auch Almut Gaisbauer wartet noch auf diesen Moment. „Bisher hatte ich nur auf Wildkameras das Glück“, sagt sie. „Die Wahrscheinlichkeit im Lotto zu gewinnen ist sicher höher, als eine Wildkatze zu sehen.“

Verbreitungsgebiet Harz

Größer sind die Chancen auf eine Wildkatzen-Begegnung sicher im Harz. Dort fühlen sich die scheuen Tiere wieder wohl. Heute ist der Harz eines der wichtigsten Verbreitungsgebiete der Wildkatze in Europa. Vor allem dort engagiert sich Sachsen-Anhalt, wenn es um Schutz der Wildkatze geht. Das Projekt „Wildkatzensprung Wiedervernetzung der Wälder Deutschlands“ muss indes noch ohne finanzielle Beteiligung des Landes auskommen. Im Rahmen dessen sollen bekanntlich in Baden-Württemberg, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Thüringen bis zu 50 Meter breite Waldverbindungen entstehen und Wälder ökologisch verbessert werden.

Immerhin, so antwortete die Landesregierung auf eine Kleinen Anfrage, die der Abgeordnete Dietmar Weihrich (Bündnis 90/Die Grünen) bereits vor einem Jahr stellte, „sind Mitarbeiter des Nationalparks, des BUND-Regionalverbandes Halle-Saalekreis, der BUND-Kreisgruppe Harz und des Tierparks Thale in das Projekt eingebunden“.

Durch Pflanzung von „grünen Korridoren“ aus Bäumen und Büschen sollen die Wildkatzen-Lebensräume in diesem Bundes-Vorhaben mit einem Finanzvolumen von fünf Millionen Euro wieder verbunden werden. So können die Tiere weitläufig wandern und neue Lebensräume erobern. Beispielsweise in der Dübener Heide.

Weiter Informationen finden sich im Internet unter der Adresse: www.bund.net/wildkatzensprung. (mz)


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