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Tagung: Das Verhältnis von Politik und Religion

wittenberg/MZ/sho -

Welche Eigenschaften einen Politiker kennzeichnen, darüber gehen die Meinungen auseinander. Sind Charismatiker gefragt oder eher kühle Köpfe, nüchterne, rein rational agierende Sachverwalter oder leidenschaftlich mit Herzblut Handelnde? Mit dem Thema „Politiker aus Berufung oder als Beruf. Fragen an das politische Amt aus protestantischer Sicht“ bereiteten Akademiedirektor Friedrich Kramer und Studienleiter Alf Christophersen am Freitagabend in der Evangelischen Akademie in Wittenberg den Boden für Auseinandersetzungen mit dem Thema „Die Reformatoren und die Politik“.

Wie sich Definition und Selbstverständnis des politischen Amtes entwickelten, fußt nicht allein auf soziologischen Analysen des 20. Jahrhunderts oder den Ansichten eines Nicolo Machiavelli; es hat seine historischen Wurzeln nicht nur in der Antike, sondern auch und gerade im Protestantismus. Eine klare Trennung zwischen weltlichem Engagement und geistlicher Macht, wie Luther sie vor nahezu 500 Jahren forderte, sie ist dem aufgeklärten Mitteleuropäer heute selbstverständlich, und doch straft die Realität den Anspruch der reinen Lehre immer wieder Lügen – einst und jetzt. Denn praktisch nahmen die Reformatoren ganz klar Einfluss auf die Politik, wie auch umgekehrt die Reformation ohne weltliche Förderer wie Friedrich dem Weisen einen ganz anderen Verlauf genommen hätte.

Auf den Spuren von Luther und Machiavelli, Platon und Paulus, Max Weber und Melanchthon folgten mehr als 60 Tagungsteilnehmer am vergangenen Wochenende den miteinander verwobenen Wegen von Religion und Politik, lasen, lauschten, diskutierten, besuchten einen Gottesdienst und wagten sich auch auf kulturelle „Denk-Wege zu Luther“, in Szene gesetzt von der gleichnamigen Projektgruppe, die im Rahmen einer Musikrevue „Von der Empörung eines Christenmenschen“ zu berichten wusste. Ein Auftakt nach Maß zum aktuellen Themenjahr der Lutherdekade: Sie firmiert bekanntlich unter dem Motto „Reformation und Politik“.


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