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Stadt Wittenberg auf Sparkurs: Seegrehnaer in Sorge um Vereinsdomizile

Ortsbürgermeister Jochen Petzold

Jochen Petzold, Ortsbürgermeister von Seegrehna, vor der Burgstallklause.

Foto:

Alexander Baumbach

Seegrehna -

Nein, von Krisensitzung will Seegrehnas Ortsbürgermeister Jochen Petzold am Montag nicht sprechen. Tatsächlich braut sich in dem Wittenberger Ortsteil aber eine Krise zusammen, wobei die Gemengelage komplex ist.

Pächter gibt auf

Einerseits hat im Januar der Pächter der Burgstallklause aufgegeben, weshalb es derzeit keine Gaststätte und mithin auch keinen Platz etwa für Familienfeiern oder sonstige Veranstaltungen gibt. Andererseits droht den örtlichen Vereinen der Wegfall eines Domizils. Neben der Burgstallklause nutzen sie auch das Gebäude, in dem sich neben anderen der Seniorenverein trifft. Eigentümerin beider Objekte ist die Stadt Wittenberg. Die muss bekanntlich sparen - und zieht nun offenbar die Schließung eines Gebäudes in Erwägung.

Burgstallklause als Alternative?

Wie es in einem Brief, den die Vereine und der Ortschaftsrat unter anderem an Wittenbergs Oberbürgermeister Torsten Zugehör (parteilos) adressiert haben, heißt, werde seitens der Stadt die Schließung des Seniorenclub-Gebäudes favorisiert. Dort treffen sich auch der Heimat- und Kulturverein, zwei Sportvereine sowie der Geflügel- und der Anglerverein.

Sie alle müssten dann in Zukunft die Burgstallklause nutzen, in der der Verein Step und Fun sowie der SV 93 Seegrehna, letzterer unter anderem mit seiner Frauensportgruppe zu Hause sind. Wegen der unterschiedlichen Ausrichtungen und Bedürfnisse der Vereine begegnet man im Ort der Mehrfachnutzung von nur einem Gebäude allerdings mit großer Skepsis bis Ablehnung.

Beide Immobilien wichtig

„Wir sehen, dass die Stadt rechnen muss, aber wir stehen hinter den Vereinen“, erklärt am Montagabend Petzold im Seniorenclub. Was ausdrücklich keine Krisensitzung sein soll, wird eine ausnehmend sachliche Beratung, zu der auch die Fraktionsvorsitzenden des Wittenberger Stadtrates eingeladen sind.

Seniorenclub

Eigentümerin des Gebäudes, das im Januar seinen Pächter und damit die einzige Gaststätte verloren hat, ist die Stadt Wittenberg, dies gilt auch für den Seniorenclub.

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Alexander Baumbach

Die Vereine stellen ihre Arbeit vor; die Notwendigkeit, beide Gebäude zu halten, wird betont, ebenso die Hoffnung, dass die Stadt einen neuen Pächter respektive Gastronomen für die Burgstallklause findet. Petzold erinnert zudem daran, dass die Stadt in der Vergangenheit erheblich in beide Immobilien investiert hat. So wurden 2015 in der Burgstallklause moderne Thermofenster eingebaut und im Seniorenclub beispielsweise neue Toiletten sowie ein barrierefreier Zugang.

Keine konkreten Summen

Konkrete Summen kann Petzold nicht nennen, weshalb die Abgeordneten aus Wittenberg erklären, sich zunächst einmal eine Investitionsübersicht der letzten Jahre beschaffen zu müssen. Unisono betonen Bettina Lange (CDU), Reinhard Rauschning (SPD), Uwe Loos (Linke) und Dirk Hoffmann (Fraktion AdB/AfD) die Bedeutung des Vereinslebens, zumal für einen kleinen Ort - und scheinen durchaus Verständnis für eine weitere Befürchtung zu haben: dass nämlich zugunsten der Kernstadt die Ortsteile vernachlässigt werden.

Schließung unabwendbar?

„Wir dürfen nicht abgekoppelt werden“, bekräftigt der Ehrenvorsitzende des SV 93, Jürgen Schuster. Nüchtern betrachtet scheint sich genau das schon anzubahnen. So sind Petzold zufolge die Zuwendungen der Stadt für den 790-Seelen-Ortsteil von bisher 25.000 Euro auf 7.500 Euro 2016 gekürzt worden. Begründet werde das mit der Einwohnerpauschale. Dass mit 7.500 Euro keine großen Sprünge drin sind, liegt auf der Hand, nach Auskunft von Petzold muss der Betrag aber für nicht weniger als etwa Ehrungen, Jubilare, Zuschüsse für die Vereine oder die Jugendarbeit ausreichen. Nun kündigt er an, 18.000 Euro im Nachtragshaushalt der Lutherstadt zu beantragen.

Einvernehmliche Lösung angestrebt

Dort betont Stadtsprecherin Karina Austermann auf Nachfrage der MZ und unter Hinweis auf die Schließungsabsichten: „Es wird eine einvernehmliche Lösung zwischen Stadt, Ortschaftsrat und Vereinen gebraucht.“ Klar sei, dass die Stadt angesichts ihres Haushaltsdefizits in Höhe von rund 7,7 Millionen Euro nicht beide Häuser betreiben könne. Allerdings gebe es keine Vorgaben, für welches Objekt sich die Seegrehnaer entscheiden müssen. Sollte die Wahl also beispielsweise auf die größere Burgstallklause fallen, würde die Stadt dort die Herstellung der Barrierefreiheit „übernehmen“, so Austermann. (mz)


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