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Neonazi-Demonstration in Wittenberg: Protest hält rechte Demo auf

In einer Spontan-Demo stellten sich Wittenberger dem Aufzug der Rechten entgegen.

In einer Spontan-Demo stellten sich Wittenberger dem Aufzug der Rechten entgegen.

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Klitzsch

Wittenberg -

Die Rechten machen mobil in Wittenberg. Nach der Kundgebung der NPD auf dem Marktplatz und der von vielen Seiten unterstützten Gegenveranstaltung des Bündnisses „Wittenberg weltoffen“ folgte am Freitagabend eine Demonstration „gegen Überfremdung“ im Wittenberger Neubaugebiet. Treffpunkt war die Karlstraße, Anmelder nach Angaben der Polizei der rechte Wittenberger Liedermacher Mario Albrecht alias „Oiram“. Die Polizei rechnete mit bis zu 200 Teilnehmern, am Ende waren es knapp über 100. Dass die Polizei selbst mit „ausreichend Beamten“ im Einsatz sein werde, daran ließ Wittenbergs Revierchef Marcus Benedix keinen Zweifel. Unterstützung kam von der Landesbereitschaftspolizei.

Auch abseits des Wittenberger Zentrums ist den Rechten aber nicht einfach das Feld überlassen worden. Das Bündnis „Wittenberg weltoffen“ kündigte kreativen Protest an. Im Vorfeld sind in den Eingängen der Wohnblocks Texte ausgehängt worden mit der Aufforderung, nicht teilzunehmen an dem Demonstrationszug „von extrem rechten Menschen“. Es heißt dort: „Die so genannten Freien Nationalisten sind eine gewaltbereite und militante Gruppierung, die vom Verfassungsschutz beobachtet wird... Sie wollen die Demokratie abschaffen, indem sie die Demokratie benutzen, um ihre menschenverachtenden Parolen herauszuschreien.“ Wichtig sei ein friedliches Zusammenleben aller Mitbürger, die in Wittenberg ein Zuhause gefunden haben.

Groß Notiz nahmen die Wittenberger unterdessen nicht von dem Marsch der Rechten, die mit Parolen, Transparenten und Fackeln durch die Straßen zogen, eskortiert von der Polizei. Eine Spontandemo gegen den Aufmarsch fand in der Sternstraße am Kino statt. An ihr nahmen zahlreiche namhafte Wittenberger teil, unter ihnen Oberbürgermeister Torsten Zugehör (parteilos) und Friedrich Schorlemmer. Sie blockierten die Straße längere Zeit, die Polizei hielt beide Gruppen auf Abstand. Brenzlig wurde die Situation, nachdem der Polizeichef gebeten hatte, die Blockade zu beenden. Was die Mehrheit tat, nur eine kleine Gruppe wollte nicht weichen. Die Polizei reagierte besonnen und konnte einen Zusammenstoß vermeiden. Sie leitete die Rechten an den Protestierenden vorbei. Für Unverständnis sorgte unterdessen, dass das Ordnungsamt der Kreisverwaltung eine offizielle Gegendemonstration verweigert hatte. Nach den Worten von Johannes Winkelmann war die vor zwei Wochen beantragt worden. Die Ablehnung ist mit Sicherheitsbedenken begründet worden. „Das“, sagt Europaabgeordneter Arne Lietz (SPD), „ist eine krasse Nummer und mehr als peinlich.“ (mz)


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