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Museum: Melanchthon ist wieder zu Hause

Melanchthon-Haus

Was für ein Tag! Kurz vor der Wiedereröffnung des Melanchthon-Hauses kehrte am Mittwoch ein restauriertes Porträt des einstigen Hausherrn zurück. (FOTO: KLITZSCH)

wittenberg/MZ. -

Manchmal geschehen noch Zeichen und Wunder, als letzteres kann durchaus die Wiederherstellung eines lebensgroßen Porträts von Philipp Melanchthon bezeichnet werden. Als Totalschaden wurde das Bild 2009 von der Stiftung Luthergedenkstätten in Sachsen-Anhalt zur Hochschule für Bildende Künste (HfBK) in Dresden gebracht. Meisterlich restauriert ist es am Mittwoch nach Wittenberg zurückgekehrt.

Als ein zentrales Exponat der neuen Ausstellung über Leben, Werk und Wirkung des Humanisten und Universalgelehrten wurde es, sicher verwahrt in einer übermannshohen Klimakiste, direkt in das Erweiterungsgebäude des historischen Melanchthon-Hauses getragen. Die letzten Hüllen zum Schutz des Bildes fielen in der ersten Etage in jenem Raum, in dem es ab Samstag von der Öffentlichkeit bewundert werden kann. Dort, im Trubel der Vorbereitungen für die Museumseröffnung, die auf Hochtouren laufen, stand Karin Lubitzsch und erklärte: "Heute ist ein wunderschöner Tag für mich." Bereits Anfang 2009 hatte die Restauratorin an der Stiftung Luthergedenkstätten bei der HfBK angefragt, ob das Bild, welches im 16. Jahrhundert in der Cranach-Werkstatt entstand, wiederhergestellt werden könne. Angesichts der Schäden sei sie selbst zunächst skeptisch gewesen: Abgesehen von immensen Rissen, die das Gemälde überzogen, war die Stelle, an der einst Melanchthons Antlitz zu sehen war, fast vollständig zerstört. Immer wieder war im Zusammenhang mit der Gesichtsrekonstruktion auch von einer ethisch anspruchsvollen Aufgabe die Rede. Gerecht wurde man ihr auch durch Sorgfalt: Über 100 Melanchthon-Porträts desselben Typus' waren wie berichtet verglichen worden. Und man zog eine Fotografie heran, auf der das Gemälde im Großen Hörsaal des Lutherhauses zu sehen ist (wo es bis zu seiner Zerstörung von 1883 bis 1945 hing).

Nun aber lächelt Melanchthon wieder von der Leinwand, die ihrerseits durch aufwendige Einzelfadenverklebung wiederhergestellt werden konnte. Vollbracht haben das Wunderwerk Studierende der Konservierung und Restaurierung von Malerei auf mobilen Bildträgern, wie der Studiengang an der HfBK heißt, unter Leitung ihrer Professorin Ursula Haller.

Wie deren Assistentin Sandra Plötz am Mittwoch erklärte, war die Arbeit an dem Gemälde unter den Studenten äußerst begehrt, was auch mit dessen Unberührtheit zusammen hing. Das Kunstwerk war von späteren Überarbeitungen und Restaurierungen verschont geblieben, was bei Bildern aus dem 16. Jahrhundert nicht eben oft der Fall ist. Insgesamt haben Plötz zufolge etwa 25 Restauratoren mitgeholfen, dem Porträt zu neuem Glanz zu verhelfen. Überhaupt erst ermöglicht wurde die Restaurierung bekanntlich durch die Privatspende eines Kölner Mediziners.

Am 16. Februar lädt die Stiftung Luthergedenkstätten anlässlich der Wiedereröffnung des Melanchthon-Hauses nach dessen grundhafter Sanierung nebst Errichtung eines Erweiterungsgebäudes von 10 bis 20 Uhr zu einem Tag der offenen Tür ein. Angeboten werden Führungen und Vorträge. Der Eintritt ist frei.


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