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Direktkandidaten im Wahlkreis 24: Frank Scheurell tritt für die Christdemokraten an

Zeigt sich geschichtsinteressiert: Frank Scheurell wählte als Hintergrund das Melanchthonhaus.

Zeigt sich geschichtsinteressiert: Frank Scheurell wählte als Hintergrund das Melanchthonhaus.

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Thomas Klitzsch

Wittenberg -

„Ich bin doch pünktlich, oder?“, sagt er, als er, Handy am Ohr, pünktlich im „Best Western“ eintrifft. Er hat es selbst vorgeschlagen als Gesprächsort, die Lobby ist sein zweites Wohnzimmer und deshalb kommt keine der Damen Mitarbeiterinnen, die hier zwischen Küche und Theke hin und her huschen, grußlos an ihm vorbei. „Ich kenne sie alle mit Namen“, sagt Frank Scheurell und das glaubt man ihm sofort.

Da ist wieder dieser schillernde Kontrast zwischen Scheurell, dem gern mal polternden Provokateur auf politischem Parkett, und dem Politiker, der sich den Menschen zuwendet. Klar, das sind immer auch Wähler in spe, doch hat Scheurell in der Vergangenheit mehr als einmal bewiesen, dass er auch dorthin geht, wo es wehtut. „Mein Kosename ist ,Buh’“, sagt er nicht ohne Sündenstolz über seine Begrüßung auf Gewerkschaftsveranstaltungen. Und grinst.

Am 13. März möchte der Wittenberger Christdemokrat, der auch dem Stadtrat angehört, wieder in den Landtag gewählt werden, es wäre seine vierte Legislaturperiode seit dem Ersteinzug 2001. „Die ersten vier Jahre ist man Student“, blickt er zurück und legt seine Stirn flankierend in seriöse Falten. Und, komisch, oder?, Hochwasser war eigentlich immer, 2002, 2006, 2013..., das erste Mal war er selbst betroffen. Da merkt man dann, sagt Scheurell, dass es ein Riesenunterschied ist, einen Überschwemmungsort zu besuchen - oder eben im eigenen Haus bis über die Knie im Dreckwasser zu stehen. Der Landtag sei über die Jahre aber routinierter geworden im Umgang mit solchen Katastrophen. Und er selbst? Wurde Sprecher seiner Fraktion für Entwicklung und Verkehr und ist es bis heute. Dort liegen auch seine inhaltlichen Ziele. „Ich möchte erreichen, dass die Region von der Bahn und eines Tages auch von der Straße her erschlossen ist.“ Der Bau des Wittenberger Hauptbahnhofs sei eine Erfolgsgeschichte. Aber die Nordumfahrung? „Ich setze mich dafür ein“, sagt Scheurell, „aber ich sehe sie noch nicht. Da mache ich den Leuten nichts vor.“

Bei den vorangegangenen Wahlen auf Landesebene hat er sich stets mit Abstand und Ergebnissen über 40 Prozent gegen seine Kontrahenten durchgesetzt. Jetzt nippt er an seinem Tee und mag nicht im Kaffeesatz lesen. Die Unbekannte, die sein Abschneiden trüben könnte, heißt natürlich AfD.

Dabei ist es gar nicht leicht, Frank Scheurell rechts zu überholen. „Ich bin national eingestellt“, sagt er (und zeigt dies nicht nur am Tag der Deutschen Einheit, dann ist sein Haus beflaggt), „ich bin ein Konservativer.“ Asyl? Nur „nach Notwendigkeit“, soll heißen, Grenze erstmal zu und dann sorgfältig prüfen, wer herein darf. Das entscheidet freilich nicht das Land. Trotzdem darf man aber doch erschüttert sein über das „Staatsversagen“? „Dass das System so ins Wanken gerät...“

Der 53-Jährige ist kein Berufspolitiker. Seine Dachdeckerfirma hat der Bauingenieur nie aufgegeben. Dies sei freilich nur möglich dank der (sieben) Mitarbeiter, auf die er sich verlassen könne. In dem Moment klingelt sein Handy, einer seiner Leute ist dran. Scheurell entschuldigt sich, es sei wichtig. (mz)


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