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Mitteldeutsche Zeitung | Demonstrationen in Wittenberg: Mutmaßliche Straftat angezeigt
08. January 2016
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Demonstrationen in Wittenberg: Mutmaßliche Straftat angezeigt

Auf diesem Parkplatz in der Dessauer Straße soll die 28-Jährige geschlagen worden sein.

Auf diesem Parkplatz in der Dessauer Straße soll die 28-Jährige geschlagen worden sein.

Foto:

Klitzsch

Wittenberg -

Eine Straftat gegen eine 28-jährige Wittenbergerin soll der Grund für einen rechten Aufmarsch am Donnerstagabend in Klein-Wittenberg gewesen sein. Die junge Frau behauptet gegenüber der Polizei, dass ein unbekannter Mann sie am Donnerstagmittag kurz nach 12 Uhr auf dem Parkplatz des Obi-Marktes in der Dessauer Straße geschlagen habe. Die Polizeidirektion Sachsen-Anhalt Ost in Dessau-Roßlau teilte gegenüber der Mitteldeutschen Zeitung weiter mit, dass sie den Tatverdächtigen als etwa 185 cm groß, von kräftiger Gestalt, mit einem Dreitagebart und mit einer grauen Winterjacke bekleidet beschrieben habe. „Die Geschädigte meint zudem erkannt zu haben, dass es sich bei dem Tatverdächtigen um eine Person mit dunkler Hautfarbe gehandelt habe“, teilte Kriminaloberkommissar Sebastian Opitz mit.
In den sozialen Medien hatte ein Foto der Frau, dass angeblich ihre Verletzungen zeigen soll, für eine Welle der Empörung gesorgt. Neonazis hatten die Aufnahme verbreitet, teilweise mit fremdenfeindlichen Kommentaren versehen und zu Gewalt gegen Ausländer aufgerufen.

Spontaner Aufzug von Rechten

Am Donnerstagabend dann zogen 18 Menschen, die der rechten Szene in Wittenberg zugeordnet werden können, durch ein Wohngebiet in Klein-Wittenberg. Nach Angaben der Teilnehmer gegenüber der Polizei sei die vermeintliche Körperverletzung der Frau Anlass für den Aufzug gewesen. Gegen 18.30 Uhr war beim Polizeirevier in Wittenberg telefonisch eine „spontane versammlungsrechtliche Aktion“ angekündigt worden. Der Aufzug, der von der Polizei begleitet wurde, führte von einem Parkplatz in der Dessauer Straße durch das Wohngebiet und wieder zurück. Gegen 19 Uhr wurde der Aufzug, bei dem auch fremdenfeindliche Parolen gerufen wurden, für beendet erklärt. Erst am Abend hatte die 28-jährige Frau Anzeige bei der Polizei gegen Unbekannt wegen Körperverletzung erstattet.

„Vorkommnisse wie sie zuletzt in Köln in der Silvesternacht gemeldet wurden, sind im Bereich der Polizeidirektion Sachsen-Anhalt Ost in den vergangenen Monaten nicht zur Anzeige gebracht worden“, erklärt Polizeisprecher Sebastian Opitz gegenüber der Mitteldeutschen Zeitung.

Polizei ist sensibilisiert

Für Freitagabend haben Rechtsextreme wieder zu einer Demonstration gegen die Flüchtlingspolitik im Wittenberger Neubauviertel aufgerufen. Auf die Absicherung dieses Umzugs hätte die Strafanzeige vom Donnerstag aber wohl keinen Einfluss, wie Sebastian Opitz bestätigte. „Wir haben alle Vorkommnisse im Blick und die fließen in die Lagebeurteilung mit ein. Am Absicherungskonzept ändert sich dadurch aber nichts“, erklärte er. Auch Wittenbergs Revierleiter Markus Benedix sieht das ähnlich. „Wir sind natürlich jetzt sensibler und schauen, wie sich das entwickelt. Wir gehen aber trotzdem davon aus, dass wir die Sicherheit aller Veranstaltungsteilnehmer garantieren können“, erklärte er auf Nachfrage der Mitteldeutschen Zeitung.

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Zeugen, die Hinweise zur Aufklärung der mutmaßlichen Straftat oder zur Identität des unbekannten Tatverdächtigen geben können, werden gebeten, sich bei der Polizeidirektion Sachsen-Anhalt Ost unter 0340 / 6000-291 oder per E-Mail an lfz.pd-ost@polizei.sachsen-anhalt.de zu melden. (mz)


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