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Bernd Gutewort aus Wittenberg: So schlimm war meine DDR-Kindheit im Heim

Bernd Gutewort aus Wittenberg hat seine Kindheit in Heimen in der DDR verbracht. Nun spricht er das erste Mal öffentlich darüber.

Bernd Gutewort aus Wittenberg hat seine Kindheit in Heimen in der DDR verbracht. Nun spricht er das erste Mal öffentlich darüber.

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Thomas Klitzsch

Wittenberg -

Er hat lange geschwiegen. Bescheid wusste nur seine Frau. Und wer weiß, was aus ihm geworden wäre ohne sie. Vor wenigen Wochen ist Bernd Gutewort 65 Jahre alt geworden. Und er hat sich entschlossen, jetzt an die Öffentlichkeit zu gehen. Er möchte reden, über seine Kindheit, über die sieben Heime, in denen er zwischen 1951 und 1967 gelebt hat. Wie er dort gelebt hat. Was er dort erlitten hat. „Ich habe einen Gerechtigkeitsfimmel“, sagt er. Die Welt soll wissen, wie es zuging in DDR-Kinderheimen. In seinem Fall waren es kirchliche, das macht die Sache nicht besser.

Geboren in Berlin

Gutewort, ein eher schmaler Mann mit unstetem Blick, hat sich schon oft zu Wort gemeldet in seiner Tageszeitung. Mal ging es um die Fußgängerzone, mal um die Anrufbusse, Themen aus der Taxifahrerwelt, die er vor wenigen Jahren vorfristig verließ, weil es seine Gesundheit nicht mehr zugelassen habe. Jetzt geht es ihm um eine sehr persönliche Angelegenheit. Es geht um Bernd, das Heimkind.

Geboren Anfang 1951 in Berlin (Ost), da war der Krieg keine sechs Jahre vorbei. Eine raue Zeit. Der Säugling kam ins Wochenheim. Warum, darüber kann Bernd Gutewort nur mutmaßen. Seine Mutter soll viel gearbeitet haben, sagt er, einen Vater gab es nicht wirklich. Und für Berufstätige, die sich unter der Woche nicht um ihren Nachwuchs kümmern konnten, waren diese Heime ja gedacht. Eine Art Normalität, wenn man so will, für sich genommen noch keine „versaute Kindheit“. Über die Jahre aber waren die Zusammenkünfte mit der Mutter erst nur noch Besuche, dann nicht mal mehr das.

„Die Kontakte wurden immer weniger“, fasst Bernd Gutewort zusammen. Ob er seine Mutter gebeten hat, ihn zu sich zu nehmen, ob das überhaupt möglich gewesen wäre - Gutewort weiß es nicht und hält es für eher unwahrscheinlich. „Ich hab’s gar nicht gemerkt, ob ich zu Hause oder im Heim war“, sagt er. Und: „Man hat gar nicht so weit gedacht“, greift er zum neutralen „man“. 1972 starb die Mutter, da hatte er gerade die Armee hinter sich. Durch einen glücklichen Umstand übernahm er die Wohnung. Deshalb gibt es Bilder und Dokumente aus seiner Kindheit, sogar ein Klassenfoto, es zeigt ihn als Grundschüler 1959 in Alt Rüdersdorf bei Berlin.

Auf der folgenden Seite lesen Sie, wie Bernd Gutewort in den DDR-Heimen behandelt worden ist.

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