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Asylbewerber im Landkreis Wittenberg: Protest im Flüchtlingsheim in Coswig

Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge im ehemaligen Lehrlingswohnheim in Coswig

Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge im ehemaligen Lehrlingswohnheim in Coswig

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Alexander Baumbach

Coswig -

In der Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge im ehemaligen Lehrlingswohnheim in Coswig sind am Freitag Flüchtlinge nach eigenen Angaben in einen Hungerstreik getreten. Die Männer aus Syrien protestieren damit gegen die Zustände in dem Heim am Rand eines Gewerbegebietes. „Es ist wie in einem Gefängnis. In den kleinen Zimmern, die wir bewohnen, sind die Feldbetten durchgelegen. Nachts, wenn wir schlafen, kommen die Sicherheitsleute ins Zimmer, um uns zu kontrollieren. Auf den Gebetsteppichen laufen sie mit Schuhen herum. Wenn man dagegen protestiert, bekommt man als Antwort, dass wir jederzeit gehen könnten - aber wohin sollen wir denn?“, fragt der 18-jährige Mnene Mohammed, der aus der Umgebung von Damaskus stammt.

Einem Redakteur der Mitteldeutschen Zeitung wurde am Freitagabend das Betreten des Heimes untersagt. „Die Sozialarbeiter haben uns angewiesen, keine Presse hereinzulassen“, erklärte ein Sicherheitsmann, der auch damit drohte, die Polizei zu verständigen. Eine Stellungnahme der Kreisverwaltung dazu war am Freitagabend nicht zu bekommen.

„Ich kritisiere das, und es ist auch nicht haltbar, den Leuten vorzuschreiben, wer rein- und wer rausgelassen werden darf. Eine Gemeinschaftsunterkunft bedeutet nicht, dass die Flüchtlinge da drin kaserniert sind“, erklärt Jörg Schindler, Fraktionsvorsitzender der Linken im Kreistag.

Auch zwei freiwillige Helfer wurden abgewiesen. „Ich muss leider sagen, dass uns der Zugang verwehrt wurde, da die zuständige Sozialpädagogin ‚Öffnungszeiten‘ erstellt hat. Die Syrer, von denen die meisten über 18 sind, dürfen nach 21 Uhr das Gelände nicht mehr verlassen, noch durften wir es betreten“, erklärt Maria Jonas. "Uns wurde erzählt, dass Ihnen dort Schweinefleisch als Hühnerfleisch verkauft wurde, was einfach nicht angehen kann. Sie haben sich also eine eigene kleine Kochplatte gekauft, um sich dort etwas kochen zu können. Jedoch dürfen sie auch diese nicht benutzen“, beschreibt die junge Frau auf Facebook ihre Erfahrungen am Freitagabend. "Wir fahren nochmals hin, um uns das mal selbst anzusehen, wobei uns die gezeigten Bilder schon genug abgeschreckt haben. Allerdings dürfen wir nur die erste Etage besuchen. Fragt sich nur, wieso wir nicht in die anderen Etagen dürfen“, fragt sie rhetorisch.

Wann sich an der Unterbringung für die Syrer etwas ändert, ist unklar. „Ich bin jetzt seit drei Monaten hier. Mein Anhörungstermin im Asylverfahren ist im August. Es gibt Leute hier, deren Termin noch viel später ist“, erklärt Mnene Mohammed. Am Donnerstag waren nach seinen Angaben 50 Bewohner des Heims in Wohnungen in Coswig und Vockerode untergebracht worden. (mz)


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