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„Königreich Deutschland“: Die „Königskinder“ warten ab

Benjamin Michaelis (l.) und Martin Schulz

Gewähren im Apollensdorfer „Königreich“ ein Interview: Benjamin Michaelis (l.) und Martin Schulz

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Thomas Klitzsch

Wittenberg -

Die „Königskinder“ wollen bleiben. So lange wie möglich. Den Verkauf ihres „Staatsgebietes“ in Apollensdorf, das Gelände des einstigen Krankenhauses also, sehen sie mit Staunen, die Rechtmäßigkeit zweifeln sie an. „Wir haben bislang keine Tatsachen gesehen, keinen Kaufvertrag, keine Eintragung im Grundbuch“, sagt Martin Schulz, einer der Sprecher, der sich auch Amtmann nennt.

„Ich bin“, räumt der junge Mann, der nach eigenen Angaben aus Ribnitz-Damgarten stammt und IT-Systemelektroniker ist, ein, „gespannt, was passieren wird, wir selber können wenig tun“.

Im „Königreich Deutschland“, das in Wittenberg liegt, leben noch rund 30 Menschen, in der gesamten Bundesrepublik sollen es rund 1.000 „Staatsangehörige“ sein. Der „König“ ist ihnen derweil abhanden gekommen. Er sitzt im Gefängnis, verurteilt wegen schwerer Untreue. Wie es Peter Fitzek geht, kann Schulz nicht einschätzen.

Eingang zum „Königreich Deutschland“.

Eingang zum „Königreich Deutschland“. Das einstige Krankenhaus-Gelände soll verkauft sein. Peter Fitzeks Anhänger wollen bleiben.

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Klitzsch

Es bestünden wenig Kontaktmöglichkeiten: „Ich werde nicht hereingelassen, weil ich keinen Pass der BRD habe. Als Zeuge durfte ich trotzdem aussagen.“ Fitzek, so viel könne er sagen, bereite die Revision vor und habe einen spezialisierten Anwalt hinzu gezogen. Die Verteidiger sehen „ausreichend Revisionsgründe“, die Anhänger hoffen.

Der „König“ kann seinem „Staatsvolk“ zurzeit nicht helfen. Das versucht tapfer, in Apollensdorf die begonnenen Projekte fortzusetzen. Ein Tag der offenen Tür soll etwa am 7. Mai stattfinden, es werden Vorträge gehalten, es gibt eine kleine Imkerei, einen Bautrupp, einen Online-Marktplatz samt der eigenen Währung.

„Wir arbeiten daran, eine Brücke zu bauen in ein neues System“, sagt „Amtmann von Schulz“ mit sanfter Stimme und versteht die Anfeindungen nicht, die dem „Königreich“ entgegen schlagen. Von Reichsbürgern distanziert er sich, an Vergangenheit sei man nicht interessiert, eher daran, „etwas Neues zu errichten“.

Das könnte schwierig werden, denn die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) hat Fitzek und seinen Jüngern bekanntlich diverse Geschäfte untersagt und einen Abwickler beauftragt: Rechtsanwalt Stefan Oppermann aus Nürnberg. Der Verkauf der Immobilien, von denen es mehrere gibt, gehört offenkundig zu den Abwicklungsbemühungen des Anwalts.

Das etwa neun Hektar große Grundstück in Apollensdorf soll an den Investor aus Holland gegangen sein, der in Wittenberg erfolgreich Tomaten in riesigen Gewächshäusern anbaut und noch weitere errichten will. Der Kauf des einstigen Krankenhauses wird bislang nur hinter vorgehaltener Hand bestätigt.

Wie es heißt, soll das Areal „zu Wohnzwecken entwickelt werden“. Klar ist, dass Unterbringungsmöglichkeiten für die in den Gewächshäusern Beschäftigten gesucht werden. Das „Königreich“ ist da ideal, weil sehr nahe.

Ein erster Versuch, auf dem neu erworbenen Grundstück die Schlösser zu wechseln, ist gescheitert. Die „Königskinder“ wollen ihr „Königreich“ nicht verlassen. Am Zuge, so heißt es, ist jetzt der Abwickler, im Kaufvertrag sei von einem unvermieteten, leeren Objekt die Rede.

Oppermann müsse eine Räumungsklage anstrengen, ob er das tun will, ist unklar, auf eine entsprechende Anfrage erhielt die MZ noch keine Antwort.

Im „Königreich“ wartet man ab. Der Rechtsweg müsse beschritten werden, sagt Schulz: „Es gibt zu viele offene Fragen. Wir sehen ein Bleiberecht, da müssen sich aber die Anwälte einigen.“ Gewalt, so viel ist klar, sei jedenfalls keine Lösung: „Wir sind friedlich, das ist unsere Maxime.“

Auch wenn sie vertrieben werden sollten, ihr Projekt wollen Fitzeks Anhänger fortsetzen, wenn nötig ohne den „König“. „Amtmann“ Schulz: „Ich kann mich nicht einfach aus der Verantwortung stehlen. Hier ist Arbeitskraft und Energie investiert worden, viele Menschen haben uns Geld zur Verfügung gestellt.“

Und es gehe „auch nicht um Peter“: „Wir betreiben hier keinen Personenkult. Es geht um die Ideen, um ein anderes Leben. Wir haben uns eine Verfassung gegeben.“ Das Straßenschild am alten Pförtnerhäuschen trägt übrigens einen bezeichnenden Namen: Petersplatz. (mz)

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