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Wölfe in Sachsen-Anhalt: "Touristisch nicht zu vermarkten"

Uhr | Aktualisiert 27.02.2013 08:54 Uhr
Eingewandert und sesshaft geworden: Canis lupus - der Wolf   (BILD: Lau)
Die Jäger machen gegen Wölfe Front, die Nachbarn des zweiten Rudels, das sich in Sachsen-Anhalt niedergelassen hat, bleiben gut zwei Wochen, nachdem dies offiziell bestätigt worden ist, gelassen.
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Göritz/MZ/CAB/wam

Kreisjägermeister Martin Gersch hat zu den zwei Wolfsrudeln, die sich in Sachsen-Anhalt niedergelassen haben, eine klare Meinung. Sollte man nicht jetzt schon als Jäger in die Offensive gehen, schließlich werden in den USA und in Russland die Isegrims massiv geschossen, hat er vor der Jägerschaft Altkreis Jessen jüngst gefragt. Nicht nur im Fläming, auch in der Annaburger Heide weiß man von Wölfen, die nicht auf der Durchreise sind.

Geringe Wahrscheinlichkeit einem Wolf zu begegnen

Der Wolf habe mal in die Landschaft gehört, tue es bei der heutigen Bevölkerungsdichte und dem ausgebauten Straßennetz aber nicht mehr, steht ihm der Vorsitzende der Jägerschaft, Dietmar Brettschneider, bei. „Der Wolf ist kein Hätscheltier“, beschwört er Gefahren auch für Menschen herauf. Die nehmen das zumindest in Göritz recht gelassen. „Ich habe keine Angst“, sagt Sernos Ortsbürgermeister Peter Nössler. „Das sind sehr scheue Tiere, die deshalb meist auch nur Jäger zu Gesicht bekommen.“ Bei zwölf Einwohnern pro Quadratkilometer und 70 Prozent Waldanteil an der Gemeindefläche sei die Wahrscheinlichkeit gering, so einem Tier zu begegnen, rechnet Nössler vor, der oft als Treiber bei Jagden hilft. Mehr als Wolfsfährten hat aber auch er noch nicht gesehen. Dass selbst im Ort kontrovers diskutiert wird, sagt Nössler aber auch. Vor allem ältere Leute seien skeptisch. Und nutzen könne der Ort die Nachbarschaft zum Wolfsrudel auch kaum. „Das ist touristisch nicht zu vermarkten“, sagt Nössler.

Sorgen könnte sich Ronald Urban machen. Der Landwirt aus Grochewitz ist der einzige in der Gegend, der Viehhaltung betreibt. „Von Mai bis November sind die Mutterkühe auf der Weide“, sagt Urban. Gefährdet sind frisch geworfene Kälber, die sich gern mal außerhalb des Weidezauns verstecken. „Wenn sie bei ihren Müttern bleiben, kann nichts passieren“, ist sich Urban sicher. Mutterkühe vertreiben ja auch Hunde. „Wenn ein Wolf nicht abhaut, machen ihn die Kühe tot“, ist sich Urban sicher.

Dietmar Brettschneider hätte ähnliches im Sinn. „Warum darf der Jäger den Wolf nicht schießen, ein Herdenschutzhund ihn aber totbeißen?“, fragt sich der Jessener Bürgermeister. Es klingt ein wenig rhetorisch.

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