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Wittenberg: Wer fälscht Müllmarken?

Uhr | Aktualisiert 31.01.2013 20:33 Uhr
Mit Fingerspitzengefühl entlarven Mitarbeiter einer Entsorgungsfirma die Fälschung. (FOTO: THOMAS KLITZSCH) 
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Der Betrug ist wieder aufgeflogen. Müllmarken-Fälscher haben eben keine Chance: Ihnen fehlt das Spezialpapier, das weder im Supermarkt noch im Internet zu erwerben ist. Dabei kann aber eine per Farbscanner erzeugte Kopie zumindest für den Laien täuschend echt aussehen.
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Wittenberg/MZ. 

"Spätestens beim Abreißen der Banderole merke ich, dass mit dem Papier etwas nicht stimmt", sagt der Mitarbeiter einer Entsorgungsfirma. Auf sein Fingerspitzengefühl könne er sich verlassen - seit 25 Jahren. "Na ja, zu DDR-Zeiten waren das noch Aluchips, die hat keiner kopiert", erinnert sich der Fahrer eines Restmüllfahrzeuges. Doch dieses Mal braucht er noch nicht einmal die Reiß-Probe. Einfaches Anfassen genügt. "Die Marke ist einfach zusammengeleimt", die versuchte Täuschung sogar augenscheinlich.

Tatort Nordendstraße

"Die gleiche Tonne fiel mir schon bei der letzten Tour auf. Doch da bemerkte ich die falsche Banderole erst beim Abreißen. Ich habe so Beweismaterial vernichtet", sagt er. Dieses Mal lässt er die primitive Kopie am Behältnis und informiert seinen Chef. Der wiederum verpasst seinen beiden Mitarbeitern eine Zwangspause und schaltet den Landkreis ein. Die Behörde stellt sofort Strafanzeige. Und so wird die Wittenberger Nordendstraße innerhalb weniger Minuten zum Tatort. Eine Streifenwagen der Polizei fährt vor. Die drei Beamten lassen sich die Situation erklären, ärgern sich, dass nach dem Berührungstest der Entsorger das Sichern von Fingerabdrücken kaum noch Sinn macht. Es werden Bilder gemacht. "Die gefälschte Banderole wird sichergestellt. Ein Ermittlungsverfahren wegen Betrugs wird eingeleitet", bestätigt Polizei-Sprecherin Cornelia Dieke. Da gibt es jetzt ein kleines Jubiläum zu vermelden: Es ist der 15. Fall seit 2007. Da tauchen erstmals Fälschungen in Zschornewitz, Bad Schmiedeberg und Wittenberg auf. Dabei werden die Täter in der Regel ermittelt. Das liege auch daran, dass der Kreis die Arbeit der Kripo erleichtert. Zur Anzeige kommen Fälle, wo der Nutzer der Behälter identifizierbar ist. Und der kommt in Erklärungsnot. "Gerade auf dem Land ist es für die mutmaßlichen Täter peinlich, wenn der Nachbar beobachtet, wie die Polizei Spuren an der Mülltonne sichert", sagt Janet Wagner von der Abfallwirtschaft. Auch das sei für manchen schon eine Lektion. Drakonische Strafen gebe es bisher aber nicht. In der Regel entscheide die Staatsanwaltschaft, ob das Verfahren wegen Geringfügigkeit eingestellt wird oder eben nicht. Es gehe "nur" um 8,73 Euro. Und die sorgen schon oft genug für Ärger, weil die Banderolen einfach direkt von den Tonnen entwendet werden. "Das passiert zwischen 150 und 250 Mal im Jahr", sagt Wagner. Auch das sind sinnlose Straftaten. "Zerrissene Marken sind nicht wiederzuwerten", sagt Wagner. Sie vermutet Nachbarschaftsstreitigkeiten als mögliches Tatmotiv. Mitunter haben aber auch Schüler auf dem Weg zum Unterricht Banderolen vernichtet. Die Polizei habe, so Wagner, bereits Aufklärungsarbeit an den Schulen geleistet.

Größter Coup in Gräfenhainichen

Und informiert werden soll die Öffentlichkeit auch in Gräfenhainichen. Das zumindest kündigt der Bürgermeister am Rande des Neujahrsempfangs der Volkssolidarität an. Im Rathaus sind Müllmarken und Geld im Wert von mehr als 10 000 Euro spurlos verschwunden. Für Stadtoberhaupt Harry Rußbült (Linke) befindet sich "alles auf dem Weg der Aufklärung". Dafür zuständig sind inzwischen die Ermittler der Polizeidirektion Dessau. Es ist der bisher spektakulärste Fall von Müllmarken-Kriminalität. Und die wird sich bald nicht mehr lohnen. 2016, das bestätigt Wagner, wird im Kreis das Abfallbehälteridentifikationssystem eingeführt. Dabei wird jede Tonne mit einem Chip ausgerüstet und damit den Scanner-Fälschern endgültig das Handwerk gelegt.

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