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Wittenberg: Kooperation belebt Viertel

Uhr | Aktualisiert 25.01.2013 22:27 Uhr
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Man muss die Lage ja nicht gleich so drastisch sehen wie Heinz Buschkowsky. Einen Knacki durchzufüttern, soll der Sozialdemokrat und Bezirksbürgermeister von Berlin-Neukölln sinngemäß gesagt haben, komme ein Gemeinwesen ungleich teurer zu stehen als soziale Projekte zur Vorbeugung.
Wittenberg/MZ. 

Nein, Wittenberg-West ist nicht Neukölln. Die Richtung der Rede aber hat auch seinen Gästen aus der Lutherstadt gefallen: dass man was tun kann und dass man was tun muss, um die Lebensqualität in einem Viertel zu halten und zu steigern. In Wittenberg-West bemühen sich darum seit nunmehr einigen Jahren zwei Großvermieter und ein Verein, unterstützt von Ehrenamtlichen, die dort wohnen, und einigen Institutionen. Räumliches Zentrum dieser Aktivitäten ist der Nachbarschaftstreff. Dafür gab es am Donnerstagabend einen Preis in Berlin: Die Stadt Wittenberg, bereits Trägerin mehrerer Baupreise, darf sich nun auch mit der Auszeichnung "Soziale Stadt 2012" schmücken.

Dass es ausgerechnet der Orkan "Kyrill" war, der mit seiner Zerstörungswut 2007 das mausgraue - und durchaus auch schon mal abrissbedrohte - Quartier nördlich des Elbegewerbeparks Richtung Zukunft bewegt hat, mag man heute als Ironie der Geschichte werten. Die Vermieter, das sind hier die Wittenberger Wohnungsbaugesellschaft Wiwog und die Wohnungsgenossenschaft WBG, gingen in die Offensive und machten sich zunächst an die bauliche Aufwertung des Viertels. Dafür gab es 2009 einen Bundespreis für gelungene energetische Sanierung. Das Preisgeld, stattliche 75 000 Euro, steckte man in ein soziales Projekt: Der Nachbarschaftstreff entstand. Professionell geleitet, ist das Haus an der Dessauer Straße heute Schauplatz verschiedenster Veranstaltungen und natürlich Treffpunkt. Während Oberbürgermeister Eckhard Naumann (SPD) die nun auch bundesweit ausgezeichnete Entwicklung in West am Freitag als "wichtig nicht nur für das Gebiet" sondern für die gesamte Stadt würdigte, sehen sich Wiwog und WBG - als Vermieter durchaus in Konkurrenz stehend - nicht als karitative Helfer: Man handele im eigenen Interesse, sprach WBG-Vorstand Hans Keller von einer "Investition in die Zukunft". Bereits jetzt seien in West alle Wohnungen der Genossenschaft belegt und es gebe sogar eine kleine Warteliste. Ähnlich äußerte sich Wiwog-Geschäftsführer Rando Gießmann. Mit dem eingeschlagenen Weg stärke man das "Beharrungsvermögen im Wohngebiet", sagte er, häufige Mieterwechsel würden so verhindert. Die "größte Herausforderung" ist unterdessen auch in West die demografische Entwicklung. Schon in wenigen Jahren, 2020, würden dort fast 40 Prozent der Bewohner über 75 Jahre alt sein, sagte Wolfram Wallraf vom Verein "Begegnungszentrum Wittenberg-West", neben Wiwog und WBG Dritter im Bunde des Projekts "Fit für den demografischen Wandel". Daher bemühe man sich insbesondere auch um junge Familien. "Senioren und Kinder kommen wunderbar miteinander klar", so Wallrafs Erfahrung. Auch, aber nicht nur, im Nachbarschaftstreff.

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