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Wittenberg: Bürger sollen spenden für Veranstaltungshaus

Uhr | Aktualisiert 20.12.2012 10:43 Uhr
Offen für alles: Nachdem die Einbauten entfernt worden sind, zeigt sich die 130 Jahre alte Exerzierhalle wieder als Halle. (FOTO: THOMAS KLITZSCH) 
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Die historische Exerzierhalle am Neuen Rathaus wird bis 2014 zum Veranstaltungshaus umgebaut. Die Stadt hat dazu am Mittwoch eine Spendenkampagne gestartet. Wittenberger und Freunde der Stadt sind aufgerufen, sich an der Finanzierung der Fassade zu beteiligen.
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wittenberg/MZ. 

"Strangers in the Night" tönt es durch die nasse Dezemberkälte. Der Saxofonist trifft nicht jeden Ton, sein Instrument hat eine kleine Macke, dennoch: Dies ist ein magischer Moment in einem fremden Haus, wo sich über Jahrzehnte der Verfall breitgemacht hatte, wo noch etwas früher die Soldaten exerzierten. Und einmal, das war am 31. Oktober 1892, sogar der Kaiser feierte. Künftig sollen hier die Wittenberger feiern. Und seit wenigen Tagen braucht man auch nicht mehr allzu viel Fantasie, um sich das vorzustellen: Die historische Exerzierhalle am Neuen Rathaus ist entkernt, die sowjetischen und sonstigen Einbauten sind verschwunden, und zeigt nun ihre wahre Größe: 53 mal 13 Meter, 6,20 Meter sind es bis hinauf zum Dach. Noch kann man dort an vielen Stellen in den abendblauen Himmel schauen. Aber noch in dieser Woche wird das Dach provisorisch wetterfest gemacht, sagt Helmut Keitel, der Architekt, der Saxofonist, und 2013 wird durchgebaut. Das Tragwerk habe sich als recht robust erwiesen, "minimale Korrosionsschäden", konstatiert Keitel, durchaus bemerkenswert für einen 130 Jahre alten und so lange verwahrlosten Bau. Aufbruchsstimmung ist zu spüren an diesem letzten Mittwoch vor dem Weihnachtsfest. Im ersten Halbjahr 2014 soll die Exerzierhalle fertig sein, erklärt der Oberbürgermeister, Eckhard Naumann (SPD), eine Ergänzung des nahen Stadthauses, an dem die Bauarbeiten bereits seit mehreren Wochen laufen.

Zwei Millionen Euro an Fördermitteln stehen wie berichtet für die Sanierung dieses so lange militärisch genutzten Baus zur Verfügung, der am Ende auch ein Beispiel für eine "gelungene Konversion" (Naumann) sein soll.

Und ein Ausweis von Bürgersinn: Damit die Exerzierhalle dereinst nicht wie das Zeughaus dasteht - innen hui und außen, nun ja - hat die Stadt am Mittwoch flankierend eine Spendenkampagne gestartet. Wittenberger und Freunde der Stadt sind aufgerufen, sich an der Finanzierung der Fassade zu beteiligen. Die hatte sich als schwer geschädigt erwiesen, der Vorschlag, die kaputten Backsteine hie und da durch Putzflächen zu ersetzen, war schon bald auf Kritik gestoßen. Unter dem Motto "Aus 1 mach 3: Mein Baustein für den Wiederaufbau der alten Exerzierhalle" sollen seitens der Bürger mindestens 10.000 Euro zusammenkommen. Was natürlich nicht ausreichen würde für eine ordentliche Fassadensanierung - veranschlagt werden dafür etwa 300.000 Euro, aber die Stadt hat potente Unterstützer gefunden: die Sparkasse Wittenberg und, vor allem, die Ostdeutsche Sparkassenstiftung, die aus den 10.000 dann 30.000 Euro machen wird und weitergehende Förderzusagen gegeben hat. "Bauwerke", sagte Stiftungsvorstand Claus Friedrich Holtmann zum Auftakt der Kampagne im Neuen Rathaus, "fördern wir eigentlich eher nicht", in diesem Fall sei man dem Vorschlag der Sparkasse aber gern gefolgt. Die Exerzierhalle sei ein wichtiger Beitrag zum Reformationsjubiläum 2017 und, ebenso wichtig, ein Baustein zur Identifikation der Einwohner mit ihrer Stadt.

Die haben jetzt Gelegenheit, sich einen Ort zum Feiern und Handeln zu schaffen - und sich nebenbei selbst ein kleines Denkmal zu setzen: Ab zehn Euro wird man namentlich auf einer Glasplatte in der neuen Halle verewigt, ab 200 gibt es einen original Backstein dazu.

Konto: 388, BLZ 805 501 01 (Sparkasse Wittenberg), Verwendungszweck "Spenden Exerzierhalle"

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