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Weltuntergang: Wenn die letzte Stunde schlägt

Uhr | Aktualisiert 20.12.2012 19:41 Uhr
Mathias Kruschke und Katja Köhler: «Luthers Stifel». (FOTO: ORTMANN) 
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Am 21. Dezember im Jahr des Herrn 2012 soll sie nun wirklich untergehen, die Welt. Jedenfalls soll das ein Maya-Kalender nahelegen.
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wittenberg/MZ. 

"Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen." Es ist nicht sicher, ob dieser Satz tatsächlich auf Martin Luther zurückgeht, eher wurde er ihm erst posthum zugeschrieben. Sicher ist aber, zumindest nach Auffassung vieler Apokalyptiker, dass, wenn morgen heute wäre, Luther seinen Apfelbaum in der Scheune lassen könnte. Denn am 21. Dezember im Jahr des Herrn 2012 soll sie nun wirklich untergehen, die Welt. Jedenfalls soll das ein Maya-Kalender nahelegen.

Fröhliche Urständ

Gänzlich unbeeindruckt von diesem Szenario zeigen sich die Wittenberger Stadtführerinnen Katja Köhler und Astrid Räuchle zusammen mit ihrem Kollegen Mathias Kruschke. Sie proben für ein Theater-Dinner, das am 12. Januar 2013 Premiere im Kellergewölbe des Brauhauses haben wird. Man geht also davon aus, dass sich die Welt weiterdreht. Inhaltlich kreist das Stück aus der Feder von Andreas Hillger gleichwohl um den Worst Case. Unter dem Titel "Luthers Stifel" feiert der Theologe und Mathematiker Michael Stifel fröhliche Urständ.

Der gute Mann hatte bekanntlich vorausgesagt, dass die Welt am 19. Oktober 1533 um 8 Uhr morgens untergeht. Es kam anders. Aus Angst vor aufgebrachten Bauern, die im Angesicht des drohenden Untergangs ihr Hab und Gut weggegeben hatten, flüchtet Stifel aus Lochau nach Wittenberg. Historisch verbrieft ist, dass er in Schutzhaft genommen wurde.

In der Inszenierung will er Luther um Asyl bitten, doch trifft er nur dessen Gattin Katharina an, die ihn einlädt, einstweilen an der Tafel Platz zu nehmen und zu warten. "Zu Tisch? Beim Mahl? An solchem Tag? Um Himmels willen! Wisst Ihr denn nicht, was heut die Stund geschlagen hat?", wird Stifel sie beschwören, denn er hatte sich, im Grunde, haha, nur um ein paar Stunden vertan und geht weiter vom Untergang aus.

Räuchle, die abwechselnd mit Köhler in der Rolle von Katharina Luther zu erleben ist, während Kruschke den Stifel gibt, stellt nicht nur zweieinhalb Stunden Unterhaltung bei einem Vier-Gänge-Menü in Aussicht. Die Rede ist auch von einem theologisch grundierten Stück und das nicht bloß, weil Stifel seine Weltuntergangsthese aus der Bibel abgeleitet habe.

Neben den theatralischen Szenen soll es Filmeinspielungen geben, in denen historische Persönlichkeiten aus Stifels Zeit (u. a. der Reformator Philipp Melanchthon und der Kontroverstheologe Thomas Murner) in Erscheinung treten. Ach ja: Dass das Publikum hie und da einbezogen wird, versteht sich bei einem Theater-Dinner fast von selbst. Gespielt werden soll indes nur zwischen den Gängen.

Dessauer führt Regie

Die Idee für ein interaktives Theater-Dinner, so Köhler, hatten sie schon lange: "Nur fehlte immer der spannende Text." Der scheint ja nun vorzuliegen. Inszeniert wird "Luthers Stifel" übrigens von David Ortmann vom Anhaltischen Theater Dessau, der auch bei der letzten Wittenberger Sommertheater-Produktion "Gottes Narr und Teufels Weib" Regie geführt hat.

Räuchle, die mit Köhler bereits szenische Stadtführungen selbst auf die Beine gestellt hat und also nicht gänzlich unerfahren ist, bezeichnet den Dessauer als "Glücksgriff", was in erster Linie mit der Professionalität zu tun haben dürfte.

Wann immer Ortmann nach Wittenberg kommt, man probe derzeit zweimal wöchentlich, "ist es ein effektives Arbeiten von der ersten bis zur letzten Minute". Davon abgesehen habe er "den Geist des Stücks verinnerlicht".

Einfacher Grund

Apropos: Dass sie sich ausgerechnet für ein Weltuntergangsstück entschieden haben, wo man doch bei jeder Aufführung (Achtung: Scherz!) das letzte Abendmahl befürchten könnte, hat einen einfachen Grund. Räuchle: "Das Thema liegt in der Luft." Na dann, noch einen schönen 21. Dezember 2012.

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