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Kreis Wittenberg: Stillstand bei Schlosssanierung

Uhr | Aktualisiert 21.12.2012 19:24 Uhr
Das Schloss von der Südseite. Seit dem Sommer geschieht dort nichts mehr. (FOTO: ACHIM KUHN) 
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Seit Sommer herrscht Stillstand beim Umbau des Coswiger Schlosses. Dabei sollte zum Anhalt-Jubiläum im Herbst dieses Jahres der Südflügel für Kulturveranstaltungen nutzbar sein.
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COSWIG/MZ. 

Selbst Bürgermeisterin Doris Berlin (parteilos) beklagt gegenüber der MZ, dass sie den Kontakt zur Schlossbesitzerin Magnolia Albertazzi verloren hat. Und auch Projektplaner Stefan Becker wartet seit Monaten auf weitere Anweisungen der Bauherrin. An den Behörden in Land und Kreis liege es nicht, versicherte Becker. "Die Ämter haben absolut perfekt geholfen."

Projektbeauftragter wechselte

Unter der noch im Internet angegebenen Rufnummer der Arcadia GmbH von Magnolia Albertazzi in Berlin meldet sich das Ingenieurbüro Augustin. Frank Augustin hatte als Projektsteuerer den Schlossumbau auf den Weg gebracht. Unter seiner Regie wurden das Gebäude entkernt und die Raumstrukturen wieder hergestellt, so wie sie waren, bevor das Schloss ab Ende des 19. Jahrhunderts als Gefängnis genutzt wurde. Das hat 1,6 Millionen Euro gekostet, 600 000 Euro davon waren Fördermittel. Wegen Dissonanzen zwischen Augustin und Fördermittelgebern stockte der Umbau, bis 2011 Becker übernahm.

Die Ansprechpartner, an die sich auch Bürgermeisterin Doris Berlin halten soll, sitzen in der Hauptstadt in einem großen Wirtschaftsberatungsunternehmen am Potsdamer Platz. Äußerst verwundert reagiert dort Bernhard von Wersebe auf den Anruf der MZ: "Schloss Coswig? - Da bin ich gar nicht auskunftsfähig. Ich bin nur der Steuerberater von Frau Albertazzi", sagte er.

450 000 Euro waren für den Südflügel veranschlagt, davon sollten 40 Prozent als Fördermittel von Bund und Land fließen und die Stadt nochmals zehn Prozent beisteuern. Tatsächlich stand die Arcadia GmbH mit ihren Plänen für das Coswiger Schloss auf der Förderliste von Kulturstaatsminister Bernd Neumann für 2011, die der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestag jährlich gesondert freigeben muss.

"Für das Programm 2011 hatte die Arcadia GmbH einen Förderantrag für Erhaltungs- und Sicherungsmaßnahmen an Schloss Coswig in Anhalt gestellt, für den Fördermittel in Höhe von 150 000 Euro bewilligt werden konnten. Diese Mittel wurden dem Kultusministerium des Landes Sachsen-Anhalt noch im Sommer 2011 zugewiesen", bestätigt der Pressesprecher des Staatsministers Hagen Philipp Wolf.

In Berlin hatte sich der Wittenberger CDU-Bundestagsabgeordnete Ulrich Petzold dafür stark gemacht. "Sie sind mit guten Ideen gekommen, aber ohne Geld", sagt Petzold zu Albertazzis Plänen, das Schloss zu einer Stätte von Kunst und Kultur zu machen. "Das Eigenkapital hält sich in Grenzen, die hopsen von einer Förderung zur nächsten."

Fördermittel auf Eis

Die 150 000 Euro sind noch nicht geflossen. "Das setzt eine detaillierte Kostenaufschlüsselung vom Bauherrn voraus", hieß es dazu aus dem Landesverwaltungsamt, die sei noch nicht eingegangen. Wie lange die Bewilligung aufrecht erhalten wird, ob Gefahr besteht, dass die Mittel verfallen, konnte Sprecherin Gabriele Städter am Freitag nicht mehr ergründen.

Eben weil das Schloss Coswig so gut in der Gunst der Fördermittelgeber stand, "bin ich sehr traurig, dass es nicht weitergeht", sagt Doris Berlin. "Meine Angst ist, dass die Förderung in Zukunft so nicht mehr möglich sein wird." Man merke das ja schon bei anderen Vorhaben im städtebaulichen Denkmalschutz. Aber das Schloss sei nun mal in Privatbesitz: "Wir können Frau Albertazzi nur bitten, weiterzumachen." Dafür muss sie die Schlossherrin aber erst einmal erreichen.

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