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Kreis Wittenberg: Nach Trauer um ertrunkenen Jungen wird Kritik laut

Uhr | Aktualisiert 15.01.2013 22:17 Uhr
Der Wahlsdorfer Löschteich steht ebenfalls in der Kritik. (FOTO: ACHIM KUHN) 
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Fassungslosigkeit und Trauer sind nicht die einzigen Reaktionen, die das Ertrinken des zehnjährigen Jungen in Coswig hervorgerufen hat. Immer mehr Vorwürfe an die Stadtverwaltung werden laut. Vielen Hinweisen auf Gefahren sei nicht nachgegangen worden.
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Coswig/Wahlsdorf/MZ. 

Fassungslosigkeit und Trauer sind nicht die einzigen Reaktionen, die das Ertrinken des zehnjährigen Jungen in Coswig hervorgerufen hat. Immer mehr Vorwürfe an die Stadtverwaltung werden laut. Hinweisen auf Gefahren sei nicht nachgegangen worden, sowohl im Coswiger Stadtgebiet als auch in heutigen Ortsteilen.

Böse Erinnerungen hat das Drama vom vergangenen Samstag bei Heidi Spindler geweckt. "Ich bin vor fast einem Jahr ebenfalls in diesen Teich gefallen und kam aus eigener Kraft nicht wieder raus", erzählte sie am Dienstag der MZ. Ende März 2012 war es demnach, als ihr Hund, ein Spitz, unbemerkt in eben jenen Löschwasserteich rutschte und durch lautes Bellen auf sich aufmerksam machte. An den Teich heranzukommen, sei damals kein Problem gewesen, erinnert die Frau sich. Als sie das Tier herausholen wollte, sei sie selbst auf dem glatten Folienuntergrund abgerutscht. "Ich hatte einen Wintermantel und schwere Stiefel an und bin durch dieses Gewicht sofort erst einmal untergetaucht", erinnert sie sich. Der glatte Boden machte es ihr unmöglich, selbst ans Ufer zu klettern. Glücklicherweise habe ihre elfjährige Tochter Passanten heranholen können, die Frau und Hund mit Hilfe der Hundeleine aus dem kalten Wasser ziehen konnten.

Die neuerliche Tragödie macht Heidi Spindler sprachlos. Zwar hat sie seinerzeit auf eine Anzeige verzichtet, die Stadt aber sehr wohl über das Erlebte informiert und auf die Gefahr hingewiesen. Deren Vertreter waren am Dienstag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Im Ortsteil Wahlsdorf ist bereits zwei Mal ein Kind in den Löschwasserteich gefallen, wenngleich das schon ein paar Jahre zurückliegt. Aufmerksamen Nachbarn war es in einem Fall zu verdanken, dass ein Dreijähriger im Jahr 2001 rechtzeitig aus dem Löschteich gerettet werden konnte. Glück für ihn: Anwohner Dietrich Müller war Rettungsschwimmer, konnte ihn nicht nur aus dem Wasser holen, sondern auch wieder beleben, noch ehe der Notarzt eintraf. Seine Frau Angelika Müller-Schwarz hatte zufällig bemerkt, dass der Junge ins Wasser gefallen war. Auch heute sieht sie den Teich als Gefahrenstelle, derer sich die Gemeinde trotz mehrfacher Hinweise nicht annimmt.

Knappe sechs Meter neben der Umzäunung stehen die ersten Geräte des Kinderspielplatzes. Zwar ist das Gewässer umzäunt, die Höhe des Zauns für einen Ball beim Spielen und ein kletterwilliges Kind jedoch kein nennenswertes Hindernis. Die Höhe des Zauns mag den DIN-Vorschriften von 1,25 Metern entsprechen, "aber muss ich mich denn unbedingt an die Normen halten, wenn ich doch sehe, dass das nicht reichen kann?", fragt Müller-Schwarz. Hinzu kommt: Das Tor im Zaun ist auf der einen Seite des Betonbeckens, die Leiter zum Einstieg auf der anderen. Ein Distanz, die im Notfall wichtige Zeit kosten kann. Einen Rettungsring oder andere Hilfsmittel gibt es nicht.

Mit der Obduktion des Jungen aus Coswig ist seit Dienstag sicher, dass er ertrunken ist. Die Polizei ermittelt nun weiter, ob eventuell Sicherungspflichten verletzt wurden. Genaueres konnte Sprecherin Doreen Wendland am Dienstag nicht mitteilen.

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