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Kleiner Ortsteil wartet mit kuriosen Straßennamen auf

15.04.2009 19:49 Uhr | Aktualisiert 15.04.2009 20:29 Uhr
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Straßenschilder

Na, wohin führt der Weg in Gräfenhainichens Ortsteil Strohwalde? Auf alle Fälle nicht nach Mittelerde. Oder doch? (FOTO: THOMAS KLITZSCH)

Von KLAUS ADAM
Für Stadtrat Olaf Pannier ist das alles gar nichts Besonderes. Als der Ortsteil Strohwalde zu Anfang des Jahrtausends neue Straßennamen suchte, landete jener nämlich direkt in Mittelerde. Dort, wo auch der große Zauberer Gandalf und Frodo mit ihren Hobbit-Freunden zu Hause sind. Ganz konkret im Beutelhaldenweg nämlich. Wer hat denn nun bei wem abgeguckt?
GRÄFENHAINICHEN/MZ. 

Panniers Tochter Annegret, die damals schon Archivarin studierte, bei J. R. R. Tolkien, das ist verbürgt. Aber hat der englische Schriftsteller (1892 - 1973), Autor der "Herr der Ringe"-Trilogie, etwa auch in die mittelerdische - äh, mitteleuropäische Historie geschaut? Der Beutelhaldenweg, im englischen Original "Bagshot Row", soll nämlich ursprünglich die Bezeichnung für eine bergwerkliche Anlage sein. "Meine Tochter hatte das alles ausführlich recherchiert", meint Pannier zur MZ.

Seit 1. August 2003 wohnt nun also ein Teil der Strohwalder nicht nur in Gräfenhainichen, Sachsen-Anhalt, Mitteleuropa, sondern eben auch in Mittelerde, im Beutelhaldenweg. Schuld daran hat allerdings eine Vereinigung, die zwischen Mordor und dem großen Meer Belegaer garantiert nicht aufgetaucht ist: Die Linksfraktion im Gräfenhainichener Stadtrat, deren Mitglied Pannier ist, hatte die Vorschläge eingebracht. Allein im Rat gibt es dazu bekanntermaßen unterschiedliche Meinungen.

Bei Tolkien im "Herr der Ringe" ist der Beutelhaldenweg ein kleiner Pfad, der am - man merke auf - Bühl vorbeiführt. Und Bühl ist ein weiterer der vor nunmehr fast sechs Jahren per Ratsbeschluss vergebenen Straßennamen. Und also auch ein "mittelerdischer". Als Annegret Pannier nach Titulierungen suchte, gab es den Film des Neuseeländers Peter Jackson noch gar nicht. Womit man sagen kann, dass die gefundenen Lösungen nicht einfach einem schnellen Zeitgeschmack entsprachen. Panniers Tochter musste sich also schon in die Bücher vertiefen, als sie noch keine Millionenresonanz hatten.

Drei Jahre wurde seinerzeit diskutiert, bestätigt der Strohwalder Stadtrat, der übrigens selbst am mittelerdischen Bühl wohnt. Ein Arbeitskreis von etwa zwölf Strohwaldern entschied sich seinerzeit für die Straßennamen. Das war immerhin mehr als ein Zehntel der Einwohnerschaft des Ortsteiles. Sie hatten allerdings noch wesentlich mehr zu entscheiden, lief doch damals die Dorferneuerung.

"Es sollten mittelalterliche Namen sein", resümiert Olaf Pannier. Und so finden sich neben dem mittelerdischen Beutelhaldenweg und dem Bühl noch der Große Hagweg, die Alte Nordstraße und der Pferdestall (Quellenangabe wohl unnötig). Potential als Ideengeber für Straßennamen hätte die "Herr der Ringe"-Trilogie freilich noch mehr aufgewiesen. Zumal sich Autor Tolkien in hiesiger Gegend ganz gut ausgekannt zu haben schien. Auf dem Weg mit dem magischen Ring zum Schicksalsberg werden Frodo und Gandalf nämlich von ihren elbischen Gefährten begleitet. Und elbische Gefährten würden die Strohwalder ja immerhin auch im eigenen Kreis finden. Dazu bräuchte man natürlich noch eine zu benennende Trasse. Denn beim Namen "Elbstraße" würde der Rest der Welt natürlich nur an Mittelerde denken.