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Coswiger Chor: Sangesfreudige Männer gesucht

Uhr | Aktualisiert 23.01.2013 18:48 Uhr
Lothar Zische ist einer der wenigen Männer im Coswiger Chor. (FOTO: KUHN) 
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Der Coswiger Gemeinschaftschor kann auf eine lange Tradition zurück blicken. 32 Sänger machen den gemischten Chor aus, darunter sind nur vier Männer.
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coswig/MZ. 

Sind Coswigs Männer nicht gut bei Stimme, haben sie nicht gerne ein Lied auf den Lippen? Schaut man an einem Dienstagabend in den großen Clubraum des Klosterhofes, dann drängt sich diese Einsicht auf. Kurz vor 19 Uhr beginnt das große Stühlerücken und Tischeschieben. Das machen die ersten Frauen, die nach und nach ankommen. Der Gemeinschaftschor Coswig bereitet seine wöchentliche Probe vor und richtet den Raum sängertauglich ein.

32 Sänger machen den gemischten Chor aus, darunter sind nur vier Männer. "Bei unserem mehrstimmigen Repertoire ist das schon etwas schwierig", findet Monika Lenz. Die Vereinsvorsitzende kann sich auch nicht erklären, warum Coswigs Männer solch eine Scheu vor dem Gesang haben. "Vielleicht wissen sie noch nicht, wie gesund das Singen ist", mutmaßt sie und könnte männlichen Neuzugängen doch einiges versprechen: "Sie kommen hier in einen Bereich, in dem sie sehr begehrt sind und werden besonders hofiert."

Allein, solche Aussichten fruchten auch in der eigenen Familie kaum. "Mein Mann ist auch nur dankbares Publikum", bedauert Lenz. Immerhin, es gibt auch Ehepaare im Gemeinschaftschor. Das sind dann wahre Gemeinschaften, die auch unterm eigenen Dach noch Lieder weiterüben, die ihnen Chorleiterin Emma Göttl beibrachte. Gut 40 Lieder stehen auf der Repertoireliste des Chores. Von "Alle Birken" bis "Zwischen Berg und tiefem Tal" finden sich die Chorsätze in den Mappen der Sänger.

"Alles wird dreistimmig gesungen", erklärt Lenz. Trotz maximalem Einsatz bleibt es aber nicht aus, dass die Männerstimmen etwas dünn bleiben. Derzeit macht den Choristen ein Geschenk des Partnerchores Dedenhausen in Niedersachsen ein paar Probleme. Von den befreundeten Sängern - die Kontakte werden seit 1991 gepflegt - gab es als Präsent den Chorsatz für das Lied "Was kann schöner sein", bekannter ist das Original "Que sera, sera", der Filmhit von Doris Day.

"Das ist eine sehr schwierige Einstudierung", gesteht Lenz und Chorleiterin Göttl nickt. Doch in ein paar Wochen muss das Lied sitzen, denn es soll beim großen Frühlingssingen der Chöre im Anhaltischen Theater Dessau vorgetragen werden. "Frau Göttl ist anspruchsvoll, wir müssen uns ganz schön konzentrieren", sagt Sängerin Lenz über die Proben der vergangenen Monate, denn erst seit letztem Jahr leitet die Dessauerin Göttl den Gemeinschaftschor in Coswig.

Viele Jahre tat dies Karin Spott, für eine Übergangszeit von einem Jahr rettete Rosemarie Hajek die Sänger. "Hätte sie den Chor nicht geleitet, hätten wir uns auflösen müssen", so Lenz.

Für Coswig wäre das ein Verlust gewesen, denn der Gemeinschaftschor kann auf eine lange Tradition zurück blicken. Am 14. Juli 1945 wurde er gegründet, seine Arbeit aber fußt auf dem Adjuvantenverein, der seine Anfänge im Ausklang des 16. Jahrhunderts nahm, und dessen Aktivitäten bis 1944 belegt sind. 1684 wurde die Chorvereinigung der Adjuvanten "Collegium musicum" benannt und erhielt ein Statut, das 100 Jahre Gültigkeit hatte.

"Freie Sänger", "Einheit", "Liedertafel" oder "Kornblume" waren Ende des 19. Jahrhunderts weitere Coswiger Chorgemeinschaften. Mitglieder all dieser Chöre setzten mit der Gründung des Chores 1945 die alte Sängertradition in Coswig fort. Dieser Volkschor wurde 1962 in Gemeinschaftschor umbenannt und erhielt 1990 den Status eines Vereins. Um Coswig und in der Region sind die Sänger mit ihrem deutschen Liedgut und auch Gospelgesang seitdem nicht mehr wegzudenken und gern gesehene Gäste auf Veranstaltungen.

Auch das Vereinsleben komme nicht zu kurz. So steht am 12. Februar der Chorfasching an, auch in diesem Jahr wird es wieder zwei Chorwerkstätten geben. Wer im Gemeinschaftschor singen möchte, kann jeden Dienstag um 19 Uhr die Probe im Klosterhof besuchen.

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