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Wirtschaft Sachsen-Anhalt: Unternehmer wollen Iran-Kontakte beleben

VEM Motors Wernigerode hat bereits Abgesandte im Iran.

VEM Motors Wernigerode hat bereits Abgesandte im Iran.

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dpa

Magdeburg -

Irans Präsident Hassan Rohani sprach von einer „goldenen Seite“, die nun im Geschichtsbuch der Islamischen Republik aufgeschlagen werde; Sachsen-Anhalts Wirtschaftsbosse hoffen ihrerseits, leicht abgewandelt, auf goldene Zeiten: Die Landesregierung und die Industrie- und Handelskammer (IHK) wollen die Wirtschaftsbeziehungen in die Islamische Republik nach der Aufhebung der Sanktionen schnellstmöglich aufwärmen.

Richten soll es eine Wirtschaftsdelegation. Auf Anregung der IHK Magdeburg setzte das Wirtschaftsministerium eine solche Flugreise für den kommenden Mai auf die Agenda. „Wir stehen im Wettbewerb mit den anderen Bundesländern“, sagte Andreas Müller, Geschäftsführer International der IHK Magdeburg. „Die Aufhebung ist eine sehr gute Nachricht für die Unternehmen des Landes. Ich gehe davon aus, dass es genügend Interessenten aus der Wirtschaft für eine solche Delegation geben wird.“

Möllring sieht Iran als Chance

Davon ist auszugehen: Zuletzt spielte der Exportpartner Iran in Sachsen-Anhalt kaum eine Rolle, stand im ersten Halbjahr 2015 auf Platz 58 mit einem Exportvolumen von rund 10,7 Millionen Euro, so das Wirtschaftsministerium. Zum Vergleich: Nach Saudi-Arabien (Platz 25) wurden Waren im Wert von rund 53 Millionen Euro exportiert. Gerade die Unternehmen der Branchen Maschinenbau, Petrochemie, Pharma und Energiewirtschaft hoffen nun auf einen Markt, der wie ein ungehobener Goldschatz am Persischen Golf liegt. Sie, die großen Branchen Sachsen-Anhalts, waren von den Sanktionslisten betroffen. Die IHK sieht bundesweit die Chance, die Ausfuhren in den Iran mittelfristig um fünf Milliarden Euro zu steigern.

Mit den Füßen scharrt unter anderem VEM Motors aus Wernigerode, Hersteller für Spezialmotoren. „Seit dieser Wochen haben wir permanent Leute im Iran“, sagt Vertriebsleiter Ulrich Beholz. Das Unternehmen, das im Harz 510 Beschäftigte hat, baut an den Infrastrukturprogrammen im Iran mit: Wasserindustrie, Pipelines, Metro in Teheran. „Die neuen Bestimmungen bedeuten auch, dass die Finanzierung über deutsche Banken wieder funktioniert“, sagt Beholz. Landes-Wirtschaftsminister Hartmut Möllring (CDU) sieht den bisherigen Investitionsstau im Iran als Chance für Sachsen-Anhalt.

Als „blauäugig“ bezeichnete der Landtagsabgeordnete Sören Herbst (Grüne) die Hoffnungen der Wirtschaft. „Im Iran werden weiterhin Menschen verfolgt und Menschenrechte verletzt“, sagte Herbst. „Zudem beteiligt sich das Regime aktiv am Krieg in Syrien und bereitet somit die derzeitigen Fluchtursachen.“ Um das Regime nicht zu unterstützen, „rate ich dazu, uns wirtschaftlich selbst zu beschränken“. (mz)