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Weihnachtszeit: Bescherung für Popmusiker

Uhr | Aktualisiert 21.12.2012 21:58 Uhr

Noch heute lässt der Weihnachtshit « Last Christmas» beim Sänger George Michael die Kassen klingen. (FOTO: DPA)

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Die Weihnachtszeit kurbelt auch die CD-Verkäufe an. Wer einen Hit zum Fest landet, verbucht geradezu sprudelnde Einnahmen.
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Berlin/MZ. 

Lametta, Thomaner-Chor und Tannengrün. Ewig klemmte das Weihnachtsfest zwischen den Traditionen. Doch seit das britische Gesangsduo Wham den Viereinhalb-Minuten-Song "Last Christmas" samt dazu gehörigem Videoclip konservierte, ist Weihnachten auch blond, geföhnt und in vier Vierteln getaktet. Der Pop hatte das christliche Fest erobert und der Generation MTV den Soundtrack zur Lebkuchenzeit geliefert. Und seither ahnt man zudem, dass sich mit einem Weihnachtslied gut verdienen lässt.

Dabei taugte die Weihnachtszeit freilich auch im Musikbusiness schon immer für ein gutes Geschäft. "In den Monaten November und Dezember macht die deutsche Musikindustrie rund ein Viertel ihres Jahresumsatzes", weiß Andreas Leisdon vom Bundesverband der Musikindustrie. Zuletzt ging es dabei um ein Jahresvolumen von rund 1,5 Milliarden Euro, wobei allein die CD-Verkäufe 1,1 Milliarden Euro einspielten. Der Silberling ist also längst nicht tot, schon gar nicht als Geschenk. In einer von der Unternehmensberatung Ernst & Young ermittelten aktuellen Weihnachtswunschliste der Deutschen rangiert die CD jedenfalls auf Platz sechs. Lauter die Kassen nie klingeln.

Da hat also der gute Karten, der in der Vorweihnachtszeit einen Hit platzieren kann. Wenn nicht, kann mit bekanntem Liedgut nachgeholfen werden. Rod Stewart etwa lieferte pünktlich zum Fest eine CD mit Weihnachtsklassikern und damit die Scheibe zur druckfrischen Autobiografie. Michael Bublé, kanadischer Jazzer, platzierte bereits im vergangenen Jahr mit "Christmas" einen Album-Erfolg, der ihn und seine Plattenfirma dazu verführte, in diesem Jahr eine recycelte Version unter dem Namen "New Edition" nachzulegen. Und selbst die zum Genre "Stille Nacht" eher distanzierten "Toten Hosen" konnten der Weihnachtsversuchung nicht widerstehen. 1998 brachten sie unter dem Pseudonym "Die Roten Rosen" das Album "Warten aufs Christkind" auf den Markt und waren damit durchaus erfolgreich.

"Insgesamt konnten bislang über eine halbe Million Stück des Albums verkauft werden", sagt Patrick Orth, Chef des bandeigenen Plattenlabels. Mittlerweile, so Orth, könne die Band von den CD-Verkäufen ganz gut leben. Wohl auch, weil sie so ziemlich alles im Geschäft selbst und unabhängig abwickelt. "Früher bekam die Plattenfirma 85 Prozent und wir 15. Jetzt ist es umgekehrt", wurde Band-Manager Jochen Hülder einmal zitiert.

Das Weihnachtsgeschäft kann sich also auszahlen. Ein Hit zum Fest ist dabei hilfreich. Im Idealfall kommt alles zusammen: die Weihnachtszeit und der Weihnachtshit. Die Perfektion ist erreicht, wenn der Song alle Jahre wieder in den Charts nach oben klettert und Tantiemen bis ins hohe Alter sichert. Allerdings sind solche Evergreens zum Tannengrün ebenso rar wie einträglich: Mariah Careys "All I Want For Christmas Is You" gehört ebenso dazu wie "Wonderful Dream" von Melanie Thornton, "Driving Home für Christmas" von Chris Rea, "Merry Christmas" von Slade und natürlich Wham.

George Michael, Gründungsmitglied des von 1981 bis 1986 bestehenden Popduos, darf seit "Last Christmas" als Großverdiener im alljährlichen Weihnachtsgeschäft gelten. Allein hierzulande war der 1984 veröffentlichte Song insgesamt 102 Wochen in den Single-Charts vertreten. Seit 1997 ist er Jahr für Jahr jeweils im Dezember unter den Top-100 zu finden und in den seit 1953 geführten ewigen Single-Charts von Media Control, für die sämtliche Downloads und Plattenverkäufe in Deutschland ausgewertet werden, ist der Wham-Hit auf Platz fünf gelistet. Damit ist "Last Christmas" hierzulande der meistverkaufte Weihnachtssong aller Zeiten.

George Michael verdient an jeder verkauften CD und an jedem Download. Im Schnitt sind es etwa 15 Prozent des Verkaufspreises. Insgesamt hat er bislang rund 100 Millionen Platten verkauft. Welchen Anteil "Last Christmas" daran hat, will die Plattenfirma Sonymusic nicht verraten. Sicher ist aber, dass George Michaels Tantiemen-Taxameter quasi pausenlos rotiert. Schließlich hat der Wham-Gründer als Interpret, Komponist und Texter von "Last Christmas" sämtliche Rechte an dem Song, und er kassiert, wenn der Song oder eine der unzähligen Coverversionen im Radio, im Kaufhaus oder in einer Telefonwarteschleife läuft.