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Weihnachtseinkauf: Gespart wird später

Uhr | Aktualisiert 16.12.2012 23:46 Uhr
Schlendern und schleppen - die Querfurterinnen Annika (rechts) und Gudrun Bieda kommen nicht mit leeren Händen aus Nova Eventis zurück. (FOTO: PETER WÖLK) 
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Sachsen-Anhalts Händler atmen auf. Vielen Kunden sitzt das Geld so locker wie nie. Dabei entscheiden häufig Frauen, was gekauft wird.
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Günthersdorf/MZ. 

Wuchtige Einkaufstüten, Gedränge auf den Rolltreppen, Warteschlangen am Imbiss. Nova Eventis ist groß, doch in der Vorweihnachtszeit könnte das Einkaufszentrum mit 200 Geschäften an der A 9 gerne noch etwas größer sein. Ordner haben an den Zufahrten alle Hände voll zu tun, den Ansturm zu lenken. Dennoch gibt es Wartezeiten während der An- und Abfahrt. Auch bei 7 000 kostenfreien Plätzen werden die Parkflächen irgendwann knapp.

Erfüllte Hoffnung

Der Trubel bestätigt die geheime Hoffnung des Einzelhandels: Das Adventszauberland lockt immer noch - trotz Internet. Jeder zweite Händler liegt eine Woche vor der Bescherung, wenn es um den Umsatz geht, bereits auf Vorjahresniveau. "Ja, die Kauflaune ist gut", sagt Knut Bernsen vom Handelsverband Sachsen-Anhalt. Die Nachfrage nach Bekleidung und Wintersportgeräten habe kräftig angezogen. Auch Bücher, Spielwaren, Kosmetik und Schmuck - die Klassiker - blieben nicht lange in den Regalen. Und der Endspurt stehe noch bevor.

Freilich, ob die Deutschen die anvisierte Umsatzmarke von 80 Milliarden erstmals knacken, sei ungewiss. "Aber man kann optimistisch sein." So sieht es wenigstens Wolfgang Adlwarth von der Gesellschaft für Konsumforschung. Der Grund: "Die meisten Menschen bewerten ihre wirtschaftliche Situation weiterhin als gut." Wundert es da, wenn in diesem Jahr das Geld so locker steckt wie noch nie? Im Schnitt wollen die Kunden 24 Euro mehr für Geschenke ausgeben als im vorigen Jahr.

Keinen Gedanken ans Sparen verschwenden die Kunden, wenn sie Spielzeug für den Nachwuchs kaufen. Schwer zu schleppen haben Maria Grundmann aus Halle und ihr Freund Franko. Eine große Puppe, gedacht als "Patientin" im Arztspiel ihrer dreijährigen Tochter, und vieles andere werden in den Kofferraum gepackt.

Rabatt-Aktionen treffen den Nerv. Minus 20 Prozent auf Gesellschaftsspiele, dieses Versprechen versetzt den Jenaer Gerd Brinkmann fast in einen Kaufrausch. Bepackt mit "Monopoly", einer "Seeschlacht" für Strategen, Memory- und Kniffel-Kids-Spielen sinkt der Familienvater erschöpft auf einen der Massage-Sessel. Die nächsten Kunden nach ihm schleppen einen Kicker-Tisch für Tischfußball und eine rosarote Barbie-Schminkkonsole weg. Aber auch kleine Wünsche gehen in Erfüllung. So dankt Adelheide Stengel aus Wittenberg einer der vielen zusätzlich eingestellten Verkaufshilfen für die erfolgreiche Suche nach einem Plüsch-Schäfchen.

Nächstes Ziel der 77-Jährigen: die Buchhandlung nebenan. Drei Kassen, jeweils bis zehn Käufer - Sachsen-Anhalt war, ist und bleibt ein Leseland. Lebenshilfe steht hoch im Kurs. So will Maike Eismüller aus Dessau ihren Bruder, der in Holland lernt, mit einem Studenten-Kochbuch beglücken. Und Frauke Schneider-Stendal aus Eisleben wählt "Vorschläge für ein erfülltes Leben aus", aufgeschrieben von einem Klosterbruder. Eine Menschentraube umlagert den Stand, wo E-Books erklärt werden. 119 Euro für das Lesegerät samt Extras und 32-Gigabyte-Speicher, das klingt gut in den Ohren der vorwiegend älteren Lesefreunde.

Fünf freie Tage

Zwischen zwei üppig geschmückten Weihnachtsbäumen pausieren Ulrike Frank und Frank Ulrich. Sie stärkt sich an einer Riesen-Currywurst, er löffelt eine koreanische Suppe. In der Nähe rauscht ein künstlicher Geysir, erklingen Lieder von der Heiligen Nacht - das Paar aus Halle plant, was noch alles vor dem Fest zu besorgen ist. Fünf freie Tage am Stück, da müsse der Kühlschrank voll sein. Einige Flaschen Rotwein und eine Mastgans stehen ganz oben auf dem Einkaufszettel.

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