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Übernahme von deutschen Unternehmen: Die Chinesen auf Einkaufstour in Deutschland

Der Maschinenhersteller Krauss-Maffei gehört seit 2015 dem chinesischen Konzern ChemChina.

Der Maschinenhersteller Krauss-Maffei gehört seit 2015 dem chinesischen Konzern ChemChina.

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dpa

Chinesisch müssen die Beschäftigten beim Maschinenbauer Krauss-Maffei nicht lernen. Und doch warf die Übernahme ihres Unternehmens durch die staatliche Gesellschaft Chemical Corporation (CemChina) aus der Volksrepublik viele Fragen auf. Arbeitnehmervertreter und IG Metall aber begrüßten den Einstieg der Chinesen und den Ausstieg des kanadischen Finanzinvestors Onex.

Und an ähnliche Eigentümerwechsel werden sich noch zahlreiche Belegschaften hier zu Lande gewöhnen müssen. Bei ihrer Shopping-Tour in Europa bevorzugen chinesische Investoren die Bundesrepublik, wie eine Studie der Unternehmensberatung Ernst &Young zeigt. 36 Mal schlugen sie im vergangenen Jahr in Deutschland zu. 

Insbesondere Mittelständler interessant

Nur Großbritannien erwies sich mit 34 Übernahmen als ähnlich attraktiv. Frankreich (20), Italien (17) sowie  Spanien (12) und Russland (9) folgten mit deutlichem Abstand. Der größte Deal wurde allerdings auf der britischen Insel angekündigt. Hier will die Mischkonzern Hutchinson aus Hongkong für 15,4 Milliarden Dollar die britische Telefónica-Tochter O2 erwerben. Allerdings müssen die Behörden noch zustimmen. Bedeutende Akquisitionen stellen auch der Kauf des italienischen Reifenkonzerns Pirelli durch ChemChina und des Schweizer Flugzeug- und Flughafendienstleisters Swissport durch die chinesische HNA-Gruppe.

In Deutschland interessieren sich die Asiaten vor allem für Mittelständler. Dies schränkt auch die Möglichkeiten ein. Die Bereitschaft im hiesigen Mittelstand, ausländische Investoren ins Boot zu nehmen, sei traditionell gering, sagt Yi Sun von Ernst & Young. Allerdings sei ein Wandel erkennbar. „Die positiven Erfahrungen mit Investoren aus Fernost sprechen sich herum. Daher werden wir ganz sicher künftig mehr Transaktionen in diesem Bereich sehen.“

Daran dürften auch die jüngsten Kursstürze an den Börsen in Shanghai und Shenzhen und die nachlassende wirtschaftliche Dynamik wenig ändern. Im Gegenteil werde jetzt klar, dass sich die chinesische Volkswirtschaft weiter modernisieren müsse, meint Sun. Und dies auch das Hauptmotiv für die Investitionen in Deutschland. In erster Linie geht es den Käufern nicht mehr darum, sich einen Zugang zu einem wichtigen Markt zu erschließen. Dort haben sie längst einen Fuß in der Tür.

Hochwertige Technologien versprechen höhere Renditen

Sie wollen in erster Linie neue Geschäfte mit hochwertigen Technologien aufbauen. Diese versprechen höhere Renditen als die Massenproduktion. Zudem profitiert die Bundesrepublik von dem guten Ruf, den vor allem die deutsche Industrie in dem Schwellenland genießt. Für die Unternehmen bietet der Kauf durch einen Eigentümer  aus dem großen Schwellenland oft neue Chancen. Meisten sind die Investoren aus China langfristig orientiert und wollen strategisch etwas aufbauen. Zudem erleichtern sie den Export in ihr Heimatland und damit einen wichtigen Abnehmer deutscher Produkte.

Viel wird in Deutschland über die Investitionszurückhaltung diskutiert. Sie gilt als eine der größten Schwächen vom Standort D. Insofern kann das Interesse von ausländischen Investoren volkswirtschaftlich von Vorteil sein. Natürlich ist die Angst groß vor einem Abzug von Wissen und technologischen Kenntnissen. Das aber kann auch mit Käufern aus dem Westen passieren, wie Opel mit seiner US-Mutter seit Jahrzehnten leidvoll erfährt. 


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