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Mitteldeutsche Zeitung | Statistisches Bundesamt: Reallöhne in Deutschland deutlich gestiegen
04. February 2016
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Statistisches Bundesamt: Reallöhne in Deutschland deutlich gestiegen

Die Reallöhne in Deutschland sind deutlich gestiegen

Die Reallöhne in Deutschland sind deutlich gestiegen

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dpa

Berlin -

Es ist eine gute Nachricht: Im vergangenen Jahr sind die Reallöhne in Deutschland um 2,5 Prozent gestiegen, das war der höchste Wert seit Beginn der Zeitreihe im Jahr 2008, so das Statistische Bundesamt. Der entscheidende Grund dafür lag allerdings weniger darin, dass die Gewerkschaften so hohe Tarifsteigerungen erkämpften. Sondern im Rückgang des Ölpreises.

Die Lohnentwicklung in Deutschland ist von immenser Bedeutung, nicht nur für die hiesigen Arbeitnehmer. Gleichzeitig befeuert sie den privaten Konsum und damit das gesamte Wirtschaftswachstum. Die Europäische Zentralbank erhofft sich von stärkeren Lohnsteigerungen einen höhere Inflationsrate. Die Handelspartner Deutschlands erhoffen sich vermehrte Exporte, wenn die deutschen Arbeitnehmer mehr in der Tasche haben, was gleichzeitig die Handelsbilanzungleichgewichte in Europa abbauen würde.

Nominal legten die Verdienste im vergangenen Jahr nicht außergewöhnlich stark zu. Das Statistische Bundesamt errechnet hier lediglich eine „leicht überdurchschnittliche“ Erhöhung von 2,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das war in etwa so viel wie zum Beispiel 2010, als die Nominallöhne 2,7 Prozent wuchsen. Und es war sogar weniger als in den Jahren 2008 und 2011, als die Gewerkschaften Steigerungen von mehr als drei Prozent durchsetzen konnten.

Anders als in diesen Jahren jedoch war die Inflationsrate 2015 mit 0,3 extrem niedrig. Dies lag vor allem am Ölpreisverfall. Leichtes Heizöl verbilligte sich um fast ein Viertel, Kraftstoffe kosteten zehn weniger. Auch die Preise für andere Energieprodukte wie Gas, Strom, Fernwärme gingen zurück.

Mindestlohn wirkt

Was die Rohstoffproduzentenländer an Einnahmen verloren, das gewannen die deutschen Arbeitnehmer hinzu. Real, also abzüglich Inflationsrate, stiegen ihre Einkommen um 2,5 Prozent und damit stärker als 2011, als von dem hohen Nominallohnplus real nur 1,2 Prozent übrig blieben. 2008 waren es gar nur 0,5 Prozent.

Anders gerechnet: Hätte sich Energie im vergangenen Jahr nicht verbilligt, so wären die Reallöhne nur um 1,7 Prozent gestiegen. Und hätte die Inflationsrate so hoch gelegen wie 2008, so hätten die Arbeitnehmer nur 0,2 Prozent mehr bekommen statt 2,5 Prozent.

Was die Zahlen des Statistischen Bundesamtes ebenfalls offiziell belegen: Der 2015 eingeführte gesetzliche Mindestlohn von 8,50 die Stunde wirkt. Von ihm proftierten vor allem die Geringverdiener und Arbeitnehmer im Osten. Ungelernte Arbeitnehmer erzielten 2015 ein durchschnittliches Plus bei ihren Bruttomonatsverdiensten von 4,1 Prozent. Auch geringfügig Beschäftigte proftierten mit einem Plus von 4,7 Prozent deutlich stärker als Teilzeit- (plus 3,0 Prozent) und Vollzeitbeschäftigte vom nominalen Lohnzuwachs, so die Statistiker.

Deutlich wurden die Folgen des Mindestlohns auch in Ostdeutschland, wo viele Menschen im Niedriglohnsektor arbeiten. Für die gesamte Region errechnet das Statistische Bundesamt eine Nominallohnsteigerungen von 3,9 Prozent, im Westen waren es nur 2,5 Prozent. Die stärksten Zuwächse bei den Stundenlöhnen erzielten laut gewerkschaftsnahem Institut WSI ungerlernte Frauen in Ostdeutschland mit 8,5 Prozent, bei Männern seien es immerhin noch 8,0 Prozent gewesen. Beschäftigte im ostdeutschen Gastgewerbe hätten sich sogar über ein Plus von 8,6 Prozent freuen können.