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Windradbauer Enercon: Saubere Energie, unsaubere Methoden?

Das Logo des Windkraftanlagenbauers Enercon

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dpa

Magdeburg -

Der Windkraft-Anlagenbauer Enercon geht nach Angaben der Gewerkschaft IG Metall massiv gegen seine Betriebsräte in Magdeburg und an anderen Standorten vor. „Demokratisch gewählte Betriebsräte haben große Probleme, ihre Aufgaben zu erfüllen. Sie werden gemobbt und zu Unrecht abgemahnt“, berichtet IG-Metall-Bezirksleiter Hartmut Meine in einem Brief, der an alle Landtagsabgeordnete Sachsen-Anhalts verschickt wurde. Die Brief liegt der MZ vor.

Der bisher schwerwiegendste Fall ist laut Meine die versuchte Kündigung des Betriebsratsvorsitzenden Nils-Holger Böttger bei der Magdeburger Enercon-Tochter WEA Service Ost. Böttger werde vorgeworfen, sich an eine Leiharbeitsfirma gewandt zu haben, um auf eine ordnungsgemäße Bezahlung der Leiharbeitsbeschäftigten zu drängen. „Dieser sogenannte Kündigungsgrund ist aus unserer Sicht lächerlich“, so Meine. Demnächst finde dazu eine Verhandlung beim Amtsgericht statt.

"Kein unangemessener Umgang gegenüber Mitarbeitern und Betriebsräten"

Enercon teilte am Mittwoch auf MZ-Anfrage mit: Es gebe „keinen unangemessenen Umgang gegenüber Mitarbeitern und Betriebsräten. Es wird auch kein Druck gegenüber Betriebsräten oder Mitarbeitern, die gewerkschaftlich aktiv sind, ausgeübt.“ Das Familienunternehmen arbeite seit Jahrzehnten vertrauensvoll mit den Mitarbeitern zusammen. Zum Fall Böttger sagte ein Firmensprecher: Der Betriebsratsvorsitzende habe ohne Zustimmung der Geschäftsführung in die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit einem externen Vertragspartner eingegriffen und damit seine Kompetenzen und seinen Zuständigkeitsbereich überschritten. In der Konsequenz habe der Vertragspartner die bisher gute Zusammenarbeit beendet, so dass der Servicegesellschaft ein nicht unerheblicher wirtschaftlicher Schaden entstanden ist.

Enercon mit Sitz im niedersächsischen Aurich ist nach eigenen Angaben einer der größten Windradbauer der Welt. Firmengründer Aloys Wobben gilt als Öffentlichkeitsscheu. Das gleiche gilt für sein Unternehmen. Umsatzzahlen werden nicht veröffentlicht. Laut Medienberichten sollen es im Jahr 2012 rund vier Milliarden Euro gewesen sein. Enercon hat vier Produktionsstandorte in Deutschland, darunter ein großes Werk in Magdeburg. Hinzu kommen sieben internationale Standorte. Das Unternehmen behauptet sich erfolgreich gegen große Konzerne wie GE, Vestas und Siemens am Weltmarkt.

Verhältnis angespannt

Das Verhältnis zwischen Enercon und der Gewerkschaft IG Metall ist seit Jahren angespannt. Nach Angaben der Arbeitnehmervertreter sperrt sich das Unternehmen gegen Tarifverträge. Auch die Etablierung von Betriebsräten wurde nach Angaben von IG-Metall-Sprecher Uwe Stoffregen lange Zeit behindert. Erst seit etwa eineinhalb Jahren gebe es bei den Service-Gesellschaften, die sich um die Wartung der Windkraftanlagen kümmern, überhaupt Betriebsräte. „In einigen Gesellschaften funktioniert die Zusammenarbeit der Betriebsräte mit der Firmenleitung gut - in anderen nicht.“

Mit dem Brief an die Landtagsabgeordneten versucht die Gewerkschaft, den politischen Druck auf das Unternehmen zu erhöhen. Enercon ist in den vergangenen Jahren nicht zuletzt wegen großzügiger Förderprogramme stark gewachsen. So gibt es für die Betreiber von Windkraftanlagen eine feste Einspeisevergütung, garantiert für 20 Jahre. Zusätzlich hat Enercon laut Gewerkschaft für den Bau des Magdeburger Werkes Investitionszuschüsse erhalten. „Leider wird die saubere Energie mit unsauberen Methoden produziert“, meint Meine. Dies passe nicht. (mz)