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Sachsen-Anhalt: Wolff sieht Wirtschaft stabil

Uhr | Aktualisiert 20.12.2012 23:58 Uhr
Schiess streicht 97 Stellen in in Aschersleben. (ARCHIVFOTO: RUTTKE) 
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Nicht nur in der Solarbranche gehen Stellen verloren. Ministerin verweist dennoch auf positive Gesamtbilanz für Sachsen-Anhalt.
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Halle (Saale)/MZ. 

360 Stellen bei den Ameos-Kliniken im Salzlandkreis, 97 Arbeitsplätze bei Schiess in Aschersleben, 100 bei Crystalox in Bitterfeld-Wolfen und eine bislang unbekannte Zahl von Jobs bei der Edeka-Bäckereikette Schäfer's: In Sachsen-Anhalt machen die Gefährdung und der Abbau von Stellen Schlagzeilen. Wirtschaftsminister Birgitta Wolff (CDU) sieht dennoch keine dunklen Wolken aufziehen. Einzige Ausnahme: Bei den Krankenhäusern rechnet sie mit weiteren schlechten Nachrichten. "Wir haben zehn bis zwölf Krankenhäuser zu viel im Land."

Insgesamt aber treffe es den Arbeitsmarkt nicht so hart wie vielfach befürchtet, sagte Wolff. Sie verwies auf neue Arbeitsplätze, die entstanden sind oder für die investiert werde. Unterm Strich sei die Zahl der neuen Jobs größer als die Arbeitsplatzverluste. "Der Saldo ist auf jeden Fall positiv. Insgesamt hat Sachsen-Anhalt Glück gehabt."

Wolff verweist darauf, dass beispielsweise Crystalox Teil eines internationalen Konzerns sei. "Die ziehen jetzt die Konsequenzen aus den Schwierigkeiten auf dem Photovoltaik-Markt." Das sei zwar für die betroffenen Arbeitnehmer ein schweres Schicksal. Sie gehe aber davon aus, dass für die Solarbranche nach der Pleite von Sovello und dem Verkauf von Q-Cells an einen südkoreanischen Investor die Talsohle erreicht sei. In dieser Branche sind 2012 vor allem im Solar-Valley bei Bitterfeld-Wolfen weit mehr als 1 000 Arbeitsplätze verloren gegangen.

Unklar ist derzeit die Zukunft der Bäckereikette Schäfer's. Edeka hatte jüngst Veränderungen für seine Back-Tochter angekündigt. Unter anderem soll der Backbetrieb in Osterweddingen (Börde) mit gut 130 Mitarbeitern geschlossen und nach Umbau mit weniger Mitarbeitern weitergeführt werden, hieß es am Donnerstag aus Gewerkschaftskreisen.

Geprüft werde derzeit, wie weit bei Crystalox, Schiess und Schäfer's Landeszuschüsse zurückzufordern sind. Dabei geht es Wolff zufolge insgesamt um einen "kleinen zweistelligen Millionenbetrag". Bei Ameos sieht die Ministerin indes noch Bewegung: Die Ankündigung von 360 Entlassungen bei 1 800 Beschäftigten sei ein "Warnschuss" an die Gewerkschaft Verdi. Wolff erwartet, dass es doch noch zu Verhandlungen und einer Einigung kommen kann.

Auf der Habenseite verbucht Wolff, dass mit dem koreanischen Q-Cells-Käufer Hanwha ein Weltkonzern in Sachsen-Anhalt eingestiegen ist. Das Unternehmen will hier seine Forschung und Entwicklung konzentrieren. Die Verknüpfung von Industrie und Wissenschaft ist Wolff ein wichtiges Anliegen der Förderpolitik. Das binde Firmen stärker als reine Investitionszuschüsse. Das habe auch bei den Entscheidungen des Aluminium-Herstellers Novelis in Nachterstedt (Salzlandkreis) eine Rolle gespielt. Der US-Konzern investiert 200 Millionen Euro und will bis 2014 rund 200 Arbeitsplätze schaffen - Jobs in einer "ordentlich bezahlenden Branche", betonte die Ministerin.

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