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Sachsen-Anhalt: Für viele Beschäftigte ist Weihnachtsgeld kein Thema

Uhr | Aktualisiert 25.11.2012 15:56 Uhr

Weihnachtsgeld ist 2012 eher die Ausnahme (FOTO: DPA/ARCHIV)

In Sachsen-Anhalt ist Weihnachtsgeld für viele Beschäftigten kein Thema. Eine solche Sonderzahlung ihres Arbeitgebers erhalten in Ostdeutschland nach Einschätzung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) lediglich 39 Prozent von ihnen, im Westen etwa 59 Prozent.
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Magdeburg/dapd. 

Gravierende Unterschiede zwischen Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt gebe es nicht, sagte Landessprecher Bernhard Becker. Kein Weihnachtsgeld werde unter anderem im Bauhauptgewerbe Ost und im Gebäudereinigerhandwerk gezahlt.

Die Industrie- und Handelskammer Halle-Dessau sieht die Situation differenziert. Sprecher Stefan Möslein rechnet nicht damit, dass in diesem Jahr allein wegen einer sich abschwächenden Konjunktur Unternehmen kein Weihnachtsgeld zahlten. Ein solcher Schritt sei „letztlich nur im Einvernehmen mit den Mitarbeitern möglich“, wenn Tarifverträge oder Betriebsvereinbarungen dazu bestünden.

Auf der anderen Seite erwartet die Kammer einen Trend, der vom klassischen Weihnachtsgeld wegführt. In steigendem Maße setzten gerade kleine und mittelständische Unternehmen auf leistungsorientierte Bonussysteme. Eine Beteiligung am Erfolg könnte in Bargeld oder auf andere Weise erfolgen, sagte Möslein. Als ein Beispiel nannte er Bildungsgutscheine. Zudem sei zu spüren, dass viele Betriebe einen Teil ihres Gewinns in innovative Lösungen zur Verbesserung der Arbeitsatmosphäre und der Gesundheitsförderung steckten. Dies helfe zudem, Fachkräfte an die Firma zu binden und Anreize für gute Leistungen zu schaffen. Auch gebe es Beispiele, bei denen sich Unternehmen für Plätze in Kindertagesstätten engagierten oder Kosten für ein Fitnessstudio übernähmen.

Zwtl.: Statt Weihnachtsgeld Sicherheit für den Arbeitsplatz

Der Landesinnungsmeister des Fleischerverbands Sachsen-Anhalt, Bernd Köbel, schätzte ein, dass sich die Innungsbetriebe in der Regel seit der Währungsumstellung auf Euro kein Weihnachtsgeld für ihre Mitarbeiter mehr leisten könnten. Als Ausgleich hätten viele versprochen, keine betriebsbedingten Kündigungen auszusprechen und investierten in Lohnerhöhungen oder Leistungsprämien. Als Grund für diese Entwicklung gab er ständige Betriebskostenerhöhungen an, die nicht an die Kunden weitergegeben werden könnten. Für Strom wären die Kosten seit 1999 um fast 400 Prozent gestiegen. Schweinefleisch sei zudem gerade um fast ein Drittel teurer geworden. Die Betriebe investierten eher in „weiche Faktoren“, um durch „Wohlfühlfaktoren“ das Personal zu halten.